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Peter Schüssler mit seinen Jubiläums-Plakaten. Ausgerechnet die 25. Saison ist nun Corona zum Opfer gefallen.

Kabarettist

Oberursel: Peter Schüssler verschiebt Abschiedstour

  • vonTorsten Weigelt
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Der Kabarettist Peter Schüssler aus Oberursel muss seine Tour "Tschüssel" verschieben. Doch es gibt gute Nachrichten.

Oberursel -- 2020 sollte ein ganz besonderes Jahr für ihn werden. Sein 25-jähriges Bühnenjubiläum wollte Kabarettist Peter Schüssler, alias "Schüssel", dazu nutzen, gleichzeitig seinen Abschied zu verkünden. "Tschüssel" hatte der 73-Jährige sein neues Programm passenderweise genannt. Die ersten Veranstaltungen waren bereits ausverkauft, für Januar 2021 war eine große Abschlussgala in der Stadthalle geplant.

Doch dann kam Corona. Genau wie für viele andere Künstler und Entertainer bedeutete die Viren-Pandemie für Peter Schüssler eine Vollbremsung. Auftritte waren nicht mehr möglich, die Pläne Makulatur. Am Anfang habe er darüber noch "geschimpft und geflucht", erzählt er bei einem Treffen in seiner Wohnung in der Altstadt. Doch es helfe ja nicht. Inzwischen habe er sich mit der Lage abgefunden.

"Das letzte Jahr wird noch gespielt"

Er sei nun einmal ein positiv denkender Mensch, betont Peter Schüssler. Die Abschiedstour hat er kurzerhand auf das kommende Jahr verschoben. Die bereits verkauften Karten behalten ihre Gültigkeit. "Das letzte Jahr wird noch gespielt", verspricht die "Schüssel". "Und wenn es 2022 ist."

Mulmig wird ihm allerdings, wenn er an die Situation mancher Kolleginnen und Kollegen denkt. Die seien Corona-bedingt nun schon fast ein Jahr ohne Engagement und müssten trotzdem eine Familie ernähren. Da seien die zugesagten Hilfen des Staates nur ein Tropfen auf den heißen Stein - falls sie denn überhaupt fließen.

"Mich trifft's nicht so hart", sagt Peter Schüssler. Als ehemaliger Mitarbeiter in der Stadtverwaltung bekomme er eine gute Rente - seine Auftritte im Brauhauskeller oder der Straußwirtschaft "Alt-Orschel" seien aus finanzieller Sicht lediglich ein nettes Zubrot.

Seit einem Vierteljahrhundert ist er als "Schüssel" auf den Bühnen der Brunnenstadt zugange, der mit Frau Frieda, Sohn Heinz-Rüdiger und Hund Flocki in der Altstadt lebt und über den "scheppen Marktplatz" und den "Prostata-Brunnen" am Epinay-Platz herzieht - ein Orscheler Original, für viele eine Kultfigur.

Am Anfang seien manche seiner Gags zu sehr unter die Gürtellinie gegangen, räumt Peter Schüssler heute selbstkritisch ein. Da sei einige "flache Kost" dabei gewesen. Doch den Leuten gefiel's. Als in der ersten Saison alle sechs Veranstaltungen ausverkauft waren, hängte er kurzerhand noch vier weitere dran.

In Oberursel kannten ihn damals viele schon als Büttenredner von den Sitzungen des "Frohsinn". Trotzdem sei es kein Selbstläufer gewesen, ein eigenes Soloprogramm auf die Bühne zu bringen, erzählt Schüssler. Als Rathausmitarbeiter habe er damals noch die Genehmigung seines Vorgesetzten einholen müssen. Und seine Frau Nicole Horn sei zunächst strikt dagegen gewesen. Was sich aber bald geändert hat. Die Texte seiner Lieder schreibe sie, verrät Peter Schüssler.

Soziale Aktion auch in diesem Jahr

Seitdem gab es Jahr für Jahr ein neues "Schüssel"-Programm. Er sei dabei zunehmend politisch und auch ein wenig ernsthafter geworden, sagt Peter Schüssler. Sein Ideal ist eine Mischung aus Gerd Dudenhöffers Figur Heinz Becker und dem Polit-Kabarett von Dieter Nuhr. Aber immer gewürzt mit lokalen Anspielungen. 20 bis 30 Auftritte hat "Schüssel" zuletzt pro Saison absolviert, die meisten auf seiner Stammbühne im Keller des Brauhauses, aber mit den Jahren zunehmend auch außerhalb der Brunnenstadt.

Dabei hat sich über die Jahre eine treue Fangemeinde gebildet. Eine Gruppe, die sich einst im Urlaub kennengelernt habe, reise jedes Mal aus ganz Deutschland an, um sich in Oberursel zu treffen und sein Programm anzusehen, schildert Peter Schüssler.

Ihm ist es aber nicht nur wichtig, Menschen zum Lachen zu bringen. Vor 17 Jahren hat er das Hilfsprojekt "Schüssel und Freunde helfen" ins Leben gerufen, mit dem er und eine Gruppe Unterstützer jedes Jahr um die Weihnachtszeit einer oder mehreren Familien unter die Arme greift, die unverschuldet in Not geraten sind. 20 Familien habe man so bereits helfen können, freut sich der 73-Jährige.

Auch in diesem Jahr ist wieder eine Aktion geplant. Nicht geklappt habe es leider diesmal mit der Schultüten-Aktion, bedauert Peter Schüssler.

Informationen dazu sowie zur "Tschüssel"-Tour gibt es auf der Internetseite www.schuessel-live.de. Von Torsten Weigelt

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