+
Tag der offenen Tür an der Ketteler-La Roche-Schule. Die private Fachschule für Sozialwissen und Sozialpädagogik ist in neuer Trägerschaft. Ordensschwester Liberata Ricker im Gespräch. 

Oberursel

Oberursel: Rückzug der Göttlichen Schwestern

Ketteler-La Roche-Schule wird jetzt vom Bistum Limburg gelenkt. Die St. Hildegard-Schulgesellschaft hat die Schule von den Schwestern der Göttlichen Vorsehung übernommen.

Es blieb Schwester Liberata vorbehalten, die endgültige Loslösung mit positiven Worten zu bekräftigen. Ein „guter Schritt in die Zukunft“ sei die Übernahme der Ketteler-La Roche-Schule durch die St. Hildegard-Schulgesellschaft mbH im Bistum Limburg. Eine „neue Herausforderung für die Schule, der sie sich stellen muss“, wie bisher auf der Grundlage christlichen Vertrauens. Mit ihren Worten löste die Ordensschwester bei der Feier der Übergabe am Samstag das letzte Band, die Verbindung im Verständnis der Schularbeit wird bestehen bleiben. Der Beifall war dankbar und freudig.

Eine Ausstellung zum Abschied beim Tag der offenen Tür zeigt Bilder, wo eine Ordensschwester in vollem Ornat den Unterricht leitet, vor der Tafel, über der das Kreuz prangt. Aus dem Schulalltag der privaten staatlich anerkannten Fachschule für Sozialwesen, Sozialpädagogik und Sozialassistenz sind die Schwestern von der Göttlichen Vorsehung schon 25 Jahre vor der großen Wendung verschwunden. Als weltliche Lehrkräfte die Schulleitung übernahmen und auch keine Schwestern aus der Ordensgemeinschaft mehr im Kollegium waren. Die Trägerschaft der heutigen Ketteler-La Roche-Schule aber blieb bis vor kurzem in Händen der Ordensschwestern aus Mainz, der Geist des Ordens war stets spürbar in der größten katholischen Fachschule in Hessen. „Wer die Wendung annimmt, kommt weiter“, so das Motto zum Trägerwechsel.

Seit 1956 hat die Fachschule für Sozialpädagogik unzählige Kindergärtnerinnen und später Erzieherinnen auf dem Schulgelände im Maasgrund direkt am Waldrand ausgebildet, in den 70er Jahren kamen erstmals männliche Studierende dazu. Das Mutterhaus der Kongregation der Schwestern von der Göttlichen Vorsehung wurde 1933 in Mainz gegründet. Zum Jubiläum 1983 erhielt die Ausbildungsstätte in Oberursel die Namen des Bischofs Wilhelm Emanuel von Ketteler und der Freifrau Frederike de La Roche. Der sozialpolitische Einsatz des Ordensgründers und das sozial-diakonale Engagement der ersten Generaloberin wurden wegweisend für die weitere Entwicklung der Schule.

Von einem „schweren Prozess der Ablösung“ ist allerdings auch die Rede. Die Ordensschwestern hatten sich mehr und mehr abgeschottet, das erschwerte lange Jahre die Gespräche über Perspektiven für Schule und Gelände. Ein Beispiel ist der Leerstand von zwei Häusern mit 18 Appartements auf dem Areal. Nur mit Gemeinschaftsküche ausgestattet sollten dort einst Schwestern im Ruhestand unterkommen, nach dem Abriss des Klostergebäudes und Teilverkauf des Grundstücks für den Bau von Villen blieben keine Schwestern. Die Häuser stehen seit Jahren leer, angesichts der Wohnungsnot ein Skandal, wurde nicht nur hinter vorgehaltener Hand kritisiert. Eine Kritik, die stets am Orden abprallte.

„Die Perspektiven sind positiv, für die Weiterexistenz der Schule und für die Nutzung der beiden Gebäude“, sagte Bürgermeister Hans-Georg Brum (SPD) bei der Feier am Samstag. Neu, dass die Häuser für „sozialarbeiterische Dienste“ (Brum) zur Verfügung stehen werden. Betreutes Wohnen für 18 Menschen sei dort vorgesehen, die Caritas und die Stadt wollen kooperieren. Nicht mehr neu die Botschaft, dass mit Hilfe der Stadt ein Grundstück für einen Neubau der Ketteler-La Roche-Schule im Süden von Oberursel gefunden wurde.

Eine dringend nötige Sanierung des Komplexes am Waldrand würde um die 35 Millionen Euro kosten, sagte Generalvikar Wolfgang Rösch auf Anfrage. „Verheißungsvoll“ sei daher die Idee des Neubaus, die derzeit auf Investitionskosten von 15 Millionen taxiert wird. Ein Grundstück dafür würde die St. Hildegard-Schulgesellschaft mbH auf dem ehemaligen Hochtief-Gelände am Zimmersmühlenweg mit Anschluss an die S-Bahn und andere öffentliche Verkehrsmittel bekommen. Für die derzeit rund 330 Studierenden soll dort eine moderne Fachschule gebaut werden, Optimisten hoffen auf eine Fertigstellung bis 2023.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare