Entspannt: Die Oberurseler Nutrias begleiten die Sanierung von Anfang an und haben sich mit der Baustelle arrangiert.
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Entspannt: Die Oberurseler Nutrias begleiten die Sanierung von Anfang an und haben sich mit der Baustelle arrangiert.

Gewässergesundheit

Oberursel: Sanierung des Maasgrundweihers fast fertig

  • VonGabriele Calvo Henning
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Die ökologische Optimierung des kleinen Sees ist weit vorangeschritten. Auch schwimmende Inseln sollen entstehen.

"Im nächsten Jahr werden hier Sumpfdotterblumen und Blutweiderich blühen, dann macht der Rundgang um den Maasgrundweiher wieder so richtig Spaß", sagt Ingenieur Kay Pieter Stehn-Nix, der für das Planungsbüro HS Ingenieure die ökologische Begleitung der Sanierung des Weihers verantwortet, bei einem Ortstermin gestern Vormittag.

Nach einem ersten Abfischen durch den Angelsportverein und der für die Arbeiten notwendigen Absenkung des Wasserspiegels ist in den vergangenen Monaten viel passiert an dem Gewässer: Die Uferböschungen rundum und an der Insel sind von Grund auf neu modelliert worden. Durch Steinschüttungen und den Einbau sogenannten Xylitwalzen, die beim aktuell niedrigen Wasserstand jetzt noch sichtbar sind, sollen Nährstoffe gebunden und umgesetzt werden. Genau das ist das Kernziel der lange geplanten Maßnahme, die insgesamt mit 300 000 Euro zu Buche schlägt und für die das Land eine Förderung von 180 000 Euro locker gemacht hat.

Wie berichtet, war nicht nur die Uferböschung marode, vor allem wies der Weiher einen viel zu hohen Nährstoffgehalt auf - wäre er ein Acker, würde man von Überdüngung sprechen können. Als Durchlaufgewässer wurde dadurch auch die Wasserqualität des Urselbachs und schließlich das Wasser aufnehmenden Nidda in Mitleidenschaft gezogen.

Mit der ökologischen Sanierung, die jetzt auf die Zielgerade kommt und damit im Zeit- und Kostenplan bleibt, soll sich das ändern.

Dabei helfen die neuen Uferbefestigungen, die, so beschreibt es Andreas Löffert, Prokurist und beteiligter Ingenieur vom Planungsbüro HS Ingenieure, "unter anderem den Eintrag von Nährstoffen durch Erde verhindern." Zugleich bieten die Xylitwalzen die Grundlage für Bakterien, die helfen den Nährstoffgehalt im Wasser auf einem gut verträglichen Niveau zu halten.

Uferzonen als pflanzliche Kläranlage

Hinzu kommen etwas flacher gehaltene Niedrigwasserzonen wie zum Beispiel an der Seite zur Schillerstraße hin. Die sollen bis in die nächste Woche hinein mit verschiedenen standortgerechten Sumpf- und Wasserpflanzen versehen werden und dann "wie eine pflanzliche Kläranlagen wirken, indem sie die Nährstoffe binden, die über den phosphathaltigen tierischen Kot ins Wasser kommen. Gleichzeitig sind die Zonen Rückzugsorte für Tiere", so Stehn-Nix, der sich darüber freut, dass die Teichrosen gut gedeihen. Sie kühlen das Wasser in ihrem Bereich und tragen zur guten Wasserqualität bei.

Geplant sind im weiteren zwei schwimmende Inseln in direkter Nähe zur großen Insel. "Die sind wie ein Segelschiff vor Anker ortsfest und miteinander verknüpft", erklärt der Ökoexperte weiter. Die Inseln werden jeweils 50 Quadratmeter groß sein, ihre Gitterstruktur wird mit Schilf und Röhrich bepflanzt. Den Schlamm, der sich über Jahre am Grund angesammelt hat, in Mengen zu entsorgen, wäre dagegen ein zu großer Eingriff und darüber hinaus viel zu teuer gewesen, erklärt Susanne Kahler, die für die städtische Umweltabteilung die Arbeiten betreut. "Deshalb werden wir die seit 2014 arbeitende Bodenbelüftungsanlage mit ihren Schläuchen weiter in Betrieb halten." Die Anlage habe schon jetzt zur Reduzierung des Schlamms geführt, so Kahler.

Während der Maßnahme am Maasgrundweiher haben sich immer wieder Tierschützer um die im und am Gewässer leben Tiere Sorgen gemacht. Man habe sich bemüht, ihnen mit geeigneten Vorkehrungen so wenig Stress wie möglich zu machen, ist von Stadt und den Ingenieuren zu hören.

Auch habe man versucht die je nach Tierart unterschiedlichen Brut- und Aufzuchtzeiten zu berücksichtigen, um Störungen zu minimieren. Ingenieur Köhler stellt fest, "dass sich die Tiere ganz gut mit der Baustelle arrangiert haben." Der plötzlich auftauchende Nutria macht jedenfalls einen entspannten Eindruck.

Entspannung sollen auch die Bürgerinnen und Bürger wieder am Weiher finden können, wenn spätestens Mitte Oktober der Rundweg geöffnet wird. Zuvor werden noch insektenfreundliche Blühwiesen eingesät. Und wenn der Wasserstand durch Regen und Wasserquellen wieder auf Normalpegel ist, "sollen auch die Modellbauer und Angler hierher zurückkommen, ebenso wie das Fischerstechen vom Kunstgriff", so Erster Stadtrat Christof Fink (Grüne). Das sei von Anfang an in den Planungen berücksichtigt worden.

Ob sich der große Aufwand der ökologischen Sanierung gelohnt hat und sich die Wasserqualität tatsächlich verbessert, wird sich in etwa einem Jahr nach ein, zwei Vegetationsperioden zeigen. alv

Die Böschungen rund um den Weiher und die der Insel sind grundlegend neu modelliert worden.

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