1. Startseite
  2. Region
  3. Hochtaunus
  4. Oberursel

Oberursel: Sieben Wochen aufs Auto verzichten

Erstellt:

Von: Gabriele Calvo Henning

Kommentare

Die Blechkarre stehen lassen und fleißig zu Fuß gehen: Georg Horntrich macht's vor und hofft auf viele Nachahmer. Wenigstens mal für sieben Wochen.
Die Blechkarre stehen lassen und fleißig zu Fuß gehen: Georg Horntrich macht's vor und hofft auf viele Nachahmer. Wenigstens mal für sieben Wochen. © jp

Georg Horntrich ruft zu besonderem Fasten auf: Einfach mal den fahrbaren Untersatz stehen lassen. Unterstützt wird seine Aktion von der Pfarrei St. Ursula und der Lokalen Oberurseler Klimainitiative.

Oberursel -Die Fastenzeit steht an und bietet unabhängig vom persönlichen Bekenntnis eine gute Gelegenheit, die eingeübte Alltagsroutine im eigenen Verhalten zu überprüfen oder sogar zu ändern - erst mal für sieben Wochen, vielleicht sogar auch darüber hinaus.

Zu einer Fastenaktion der besonderen Art lädt jetzt Georg Horntrich ein. Der seit längerem in Oberursel lebende Studienleiter an der Katholischen Akademie "Haus am Dom" in Frankfurt möchte mit der Aktion "7 Wochen ohne Auto" Menschen dazu bewegen, ihren fahrbaren Untersatz stehen zu lassen und stattdessen zu Fuß zu gehen oder Fahrrad zu fahren.

"Ich liebe Veränderungen", sagt Horntrich von sich selbst. Für den Katholik ist die Fastenzeit ein guter Anlass, positiv eine andere Perspektive einzunehmen. Bezogen auf die von ihm initiierte Aktion gehe es darum, bewusst die eigene Umwelt wahrzunehmen, "durch die wir ansonsten oft nur rasen". Dabei hat er durchaus die Vision ganz ohne Auto auszukommen im Hinterkopf. Die Verkehrsprobleme würden nicht dadurch gelöst, dass alle auf E-Mobilität umsteigen, ist er überzeugt. Die Transformation funktioniere nur durch soziale Veränderungen. Mit Blick auf seine Aktion will Horntrich deshalb auch nicht von Verzicht sprechen, sondern viel lieber davon, sich das Leben zu erleichtern, indem man sich ohne ein eigenes Autos zugleich von Kosten, Instandhaltung, Reparaturen und dem ganzen anderen Drumherum befreit. Dem setzt er mehr Miteinander, gegenseitige Hilfeleistung und die Sharing-Idee entgegen.

Ein Wunsch, den er mit der Fastenaktion ebenso verbindet ist, "dass die Menschen vor Ort durch einen Verhaltenswechsel die Sicht auf ihre eigene Stadt verändern und aus ihren Routinen rauskommen". Dieses konkrete und sinnliche Wahrnehmen ist für ihn ein wichtiger Baustein, um schließlich miteinander die Klima- und Mobilitätswende zu packen. Der Schlüssel liege individuell bei jedem selbst, so Horntrich, wenn man sich diese Fragen stellt: Was brauche ich wirklich? Was fehlt mir ohne Auto? Und: Welche Erfahrungen gewinne ich, wenn ich mich ohne Auto von A nach B bewege?

Wer an der Fastenaktion "7 Wochen ohne Auto" teilnimmt, muss dafür nicht den Autoschlüssel bei Horntrich abgeben. Sein Angebot ist bewusst niederschwellig. Zwang oder Kontrolle auszuüben, ist seine Sache nicht. "Es geht mir darum, dass alle Verkehrsteilnehmer in den Blick kommen, auch die Fußgänger und Radfahrer und ihr Umgang miteinander, wenn sie sich begegnen."

Es gehe ihm um gegenseitige Rücksichtnahme, so wie sie in der Straßenverkehrsordnung eingefordert werde. "Das Miteinander auf der Straße ist mir einfach wichtig", so Horntrich, der selbst seit 2013 ohne Auto lebt und nur sehr selten Carsharing in Anspruch nimmt.

Auftaktveranstaltung

und Begleitung

Seine Aktion wird von der Katholischen Pfarrei St. Ursula und der Lokalen Klimainititative Oberursel (LOK) unterstützt. Beide werben auf ihrer jeweiligen Homepage und bei ihren Mitgliedern für eine Teilnahme. Eine Auftaktveranstaltung wird am Mittwoch, 2. März, von 20 Uhr an online stattfinden.

Sie soll zugleich der Beginn eines stetigen Erfahrungsaustauschs sein. Je nach Resonanz und Bedarf machen die Teilnehmenden zusammen mit Horntrich weitere Termine untereinander aus - nach Pandemie- und Wetterlage online oder als persönliche Treffen im Freien. Für den Abschluss am 16. März kann sich der Initiator ein Picknick im Rushmoorpark sehr gut vorstellen.

Georg Horntrich ist selbst sehr gespannt darauf, welche Resonanz er auf das "Autofasten" bekommen wird. "Ich gehe da ganz offen rein, ohne zu wissen, ob es gelingt."

Wer an der Fastenaktion teilnehmen möchte, meldet sich per Mail an 7-wochen-ohne@web.de. Die persönlichen Mailadressen werden nach Ablauf der Aktion wieder gelöscht. Die Aktion spricht nicht nur Menschen aus Oberursel oder der Pfarrei an, sondern alle, die es mit dem "Autofasten" versuchen und einmal Ernst machen wollen. Weitersagen ist erwünscht.

Weitere Informationen sind im Internet zu finden. Entweder auf der Homepage der Katholischen Pfarrei St. Ursula unter www.kath-oberursel.de oder auf der Seite der Lokalen Klimainitiative Oberursel unter https://l-o-k.org.

Auch interessant

Kommentare