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Oberursel: Statt in Plastik aus der Schütte einkaufen

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Von: Gabriele Calvo Henning

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Nina Sünder (links) und Christine Greve freuen sich, dass es mit dem Ladenlokal für ihren Unverpacktladen geklappt hat.
Nina Sünder (links) und Christine Greve freuen sich, dass es mit dem Ladenlokal für ihren Unverpacktladen geklappt hat. © jp

Die beiden Gründerinnen Christine Greve und Nina Sünder eröffnen den ersten Unverpacktladen in der Stadt.

Oberursel -Lange haben Christine Greve und Nina Sünder an ihrem Konzept für einen Unverpacktladen in der Brunnenstadt gefeilt. Fast noch länger hat es gedauert, bis die beiden Frauen endlich ein passenden Ladenlokal gefunden haben. Jetzt steht fest: Nachdem alle Verträge unterschieben sind und die Finanzierung steht, werden die beiden Gründerinnen ihren Laden spätestens im Herbst in der Ackergassenpassage eröffnen.

"Die Freude bei uns ist groß. Vor allem, weil wir zwischenzeitlich schon fast nicht mehr daran geglaubt haben, dass wir unser Projekt realisieren können", sagen sie. Denn die Betriebswirtin und die Angestellte eines Einkaufsbüros haben, wie berichtet, mit einem fertigen Business-Plan in der Tasche lange Geschäftsräume gesucht und dafür auch die städtische Wirtschaftförderung eingeschaltet. Parallel dazu haben sie private Kanäle aktiviert und direkte nachgefragt und festgestellt, dass es nicht einfach ist, ein Ladenlokal zu finden, das zugleich genug Laden- und Lagerfläche hat und mit genug Laufkundschaft rechnen kann. Hohe Mieten oder zu lange Vertragslaufzeiten waren weitere Hindernisse.

Nachdem es im Dezember einen Hinweis auf das Ladenlokal in der Ackergassenpassage gab, waren sich die Frauen bald mit der zuständigen Hausverwaltung einig. Von dort kam das Signal, dass da, wo jetzt noch ein Handwerker untergebracht ist, demnächst etwas frei wird. Sünder und Greve griffen zu, auch wenn sie an Ort und Stelle nicht alles werden verwirklichen können, was sie sich vorgestellt haben.

"Ein Café wird es im Unverpacktladen nicht geben, denn damit würden wir in direkte Konkurrenz zu dem bereits existierenden Café in der Passage gehen. Trotzdem passt das Ladenlokal für uns sehr gut", sind die Gründerinnen überzeugt. Ohnehin sei es besser, mit etwas weniger Risiko zu starten und sich mit "Die Schütte" aufs Kerngeschäft zu konzentriereren. Der Name kommt von den kleinen gläsernen Küchenschubkästen mit Griff, in denen üblicherweise Zucker, Salz oder Mehl lose aufbewahrt werden.

Verkauf auf zwei Ebenen

Im Erdgeschoss soll es unverpackte Waren aus Spendern geben, die in mitgebrachten Gefäßen gefüllt werden können. Zugleich möchten Sünder und Greve Beutel oder Gläser fürs Abfüllen zum Kauf anbieten. Unter anderem Hülsenfrüchte, Reis, Cerealien sind Produkte, die sich dafür eignen. Zusätzlich könnte es ein kleines Angebot von frischen Waren, also Bio-Gemüse oder Bio-Obst geben. Dafür wollen die beiden Kontakt zu lokalen Lieferanten aufnehmen. Einige Produkte wie Tomatensoßen, Öle oder auch Milch, wollen die Gründerinnen über ein Mehrweg- beziehungsweise Pfandsystem verkaufen. Gerne würden sie auch Bio-Backwaren anbieten wollen.

Fest steht, dass es im Untergeschoss unverpackte Putz- und Waschmittel geben soll. Auch Naturkosmetik, Seifen, Shampoo oder auch festes Deo wolle man ins Sortiment aufnehmen. Jetzt gehe es erstmal darum, das passende Spendersystem auszuwählen. Auch ein Kassensystem muss angeschafft werden.

"Der Vorteil an dem Ladenlokal ist, dass hier schon früher ein Einzelhandelsgeschäft drin war, es also von der Aufteilung her darauf abgestimmt ist", so Sünder und Greve. Dennoch müsse nach dem Auszug des Vormieters der Laden komplett neu eingerichtet werden. Dafür sei man mit einem Ladenbauer im Gespräch. Beide wissen "da steckt noch viel Arbeit drin."

Das aber schreckt sie nicht, zu wichtig sei ihnen, dass mit "Die Schütte" eine eigene Einkaufsmöglichkeit entsteht, in der auf Einwegverpackung verzichtet und auf Bio gesetzt wird. Ein Herzensanliegen der beiden, für die Umwelt- und Klimaschutz wichtig sind. Um hier noch besser wirken zu können, wollen sie an ihrer Idee Workshops anzubieten festhalten, wobei der Platz im Laden dafür wohl nicht reicht. "Wir können uns aber Kooperationen mit anderen vorstellen", geben sie sich offen. Warum nicht auch mit dem in der Nähe entstehenden "Kommunikationszentrum Altstadt", überlegen sie.

Eine neue Option hat sich unterdessen aufgetan. So seien sie gefragt worden, ob sie einen Stand auf dem geplanten regionalen Biomarkt auf dem historischen Marktplatz betrieben wollten. Ausprobieren würde sie das schon gerne, zumindest bis zur eigentlichen Ladeneröffnung, um bekannt zu werden. Danach werde man sehen, ob beides parallel klappt und mit viele Personal sich das realisieren ließe.

Aufregende Zeiten für die Gründerinnen, die jetzt in die konkrete Planung und Umsetzung gehen. Beruflich wird Christine Greve voll in den Laden einstiegen. Nina Sünder wird zunächst Teilzeit dabei sein. Beide aber wollen es jetzt wissen und bringen nach eigener Aussage den "Mut für Veränderung" mit.

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