Die Teilnehmer der CDU-Ferienfraktion vor den Containern, in der das Blockheizkraftwerk untergebracht ist.
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Die Teilnehmer der CDU-Ferienfraktion vor den Containern, in der das Blockheizkraftwerk untergebracht ist.

Innovative Technik

Oberursel: Stromverkauf finanziert das Heizkraftwerk

  • VonFlorian Neuroth
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Im Oberurseler Gewerbegebiet versorgt ein modernes Blockheizkraftwerk die Anlieger mit Energie und Wärme. Noch ist die Anlage nur stundenweise in Betrieb.

Oberursel -Erdgas hat derzeit einen schweren Stand. Im Trend liegen erneuerbare Energiequellen, allen voran Solar- und Windkraft. Bisweilen kann aber auch ein fossiler Brennstoff wie eben Erdgas einen Beitrag zur Energiewende leisten. Denn allein durch die beiden Erneuerbaren lasse sich der Strombedarf in der Bundesrepublik nicht decken, sagte Dieter Gredig, Technischer Leiter bei den Stadtwerken Oberursel.

"Wir können nicht alles mit Photovoltaik oder Windkraftanlagen machen und dürfen nie nur auf eine Säule setzen. Für die Netzstabilität brauchen wir auch andere Energiequellen", meinte Gredig. Man müsse sich das Stromnetz wie eine Waage vorstellen. "Die Menge an Strom, die erzeugt wird, muss genauso groß sein wie die Menge, die dem Netz entnommen wird", erklärte der Experte. In Zeiten, in denen der Strombedarf besonders groß oder die Stromgewinnung durch äußere Umstände wie einen wolkenverhangenen Himmel beeinträchtigt sei, müsse die benötigte Energiemenge irgendwie kompensiert werden.

Gemeinsam mit Marco Meyer, Abteilungsleiter Planung und Energiegewinnung bei den Stadtwerken, stand er am Montag vor einer Anlage, die das bewerkstelligen soll - dem erdgasbetriebenen Blockheizkraftwerk der Stadtwerke in der Ludwig-Erhard-Straße direkt neben dem Gelände des Bau & Service Oberursel. Dorthin hatte die Oberurseler CDU zur ersten Ausgabe der diesjährigen "Ferienfraktion" geladen. "Uns interessiert das Kraftwerk, da es sich um einen innovativen Ansatz handelt, Wärmegewinnung mit Stromerzeugung zu verbinden. Wir finden es wichtig, zu wissen, was hier passiert und wie wir dies in künftige Überlegungen, etwa beim Wohnungsbau, einbinden können", erläuterte CDU-Fraktionschef Jens Uhlig.

Gredig erklärte anschließend zunächst, wie es zum Bau der Anlage gekommen war. "2017 wurde damit begonnen, das Neubaugebiet Nördliche Riedwiese zu realisieren. Wir wurden damals von einigen Bauherren angesprochen, ob wir eine Alternative zu Pelletheizungen anbieten könnten", berichtete er. Es sei darum gegangen, den Primärenergiefaktor - die Energiebilanz eines Energieträgers und dessen Effizienz unter Berücksichtigung von Gewinnung, Umwandlung und Verteilung - möglichst gering zu halten.

Trotz des Einsatzes von Erdgas als Antriebsstoff ist jener Faktor im Falle des Blockheizkraftwerks besonders klein. Im Inneren der beiden jeweils einige Meter langen Container wird per 8-Zylinder-Motor und Generator nämlich nicht nur Strom erzeugt; auf Basis der sogenannten Kraft-Wärme-Kopplung entsteht als zusätzliches Abfallprodukt auch Wärme. Diese Kopplung führe zu einer hohen Effizienz, die die Anlage im Zusammenspiel mit der Versorgung vieler Kunden über das Wärmenetz und Netzstabilisierung ökologisch mache, erklärte Gredig den Anwesenden, die ob des fossilen Antriebsstoffes genauer nachgehakt hatten.

Über zwei Rohre wird das gewonnene Heizungswasser in einen 42-Kubikmeter-Pufferspeicher geleitet. Der Speicher hält die Wärme für den Bedarfsfall vor. Das ist notwendig, weil das Kraftwerk nicht durchgehend arbeitet. Zurzeit sei es nur zweimal am Tag für einige Stunden in Betrieb. "Als wir die Anlage damals geplant haben, sind wir davon ausgegangen, dass wir neben dem BSO und der nördlichen Riedwiese auch noch den angedachten Sportplatz in Weißkirchen und das Neubaugebiet Südliche Riedwiese mit Wärme beliefern", erklärte Gredig. Beide Vorhaben sind noch nicht realisiert. "Wir nutzen daher noch nicht die volle Leistung aus." Allerdings sei man in engen Gesprächen mit dem Neubaugebiet Neumühle und hoffe, dass die Anlage dann intensiver betrieben werden könne.

Während die Wärme direkt zum Endverbraucher geht, speisen die Stadtwerke den Strom ins Netz und nutzen nur einen kleinen Teil zum Eigenbedarf im benachbarten Wasserwerk. "Der Strompreis orientiert sich an den Kursen an der Strombörse. Wir haben einen Partner, der uns mit einer Vorlaufzeit von 48 Stunden informiert, wann der Betrieb der Anlage Sinn macht." Denn der Stromverkauf finanziert das Kraftwerk. "Der Strom subventioniert die Wärme und ist die Komponente, die die Anlage wirtschaftlich macht", so Gredig.

Die Stadtverordneten interessierte vor allem, was sie in ihrer Funktion als Politiker tun könnten, damit solche Anlagen stärker genutzt werden. "Wir betreiben hier seit zwei Jahren eine Anlage, die nicht ihre Leistung bringen kann, weil es nicht genug Abnehmer gibt. Auf die Realisierung der Bauprojekte haben wir keinen Einfluss", verdeutlichte Gredig das Problem. Sein Vorschlag: "Ganz ehrlich: Was wir bräuchten, wäre ein Anschluss- und Nutzungszwang für Neubaugebiete." Heißt: Jeder, der dort baut, müsse die Wärme aus dem zentralen Wärmenetz entnehmen. "Ich weiß, dass viele beim Wort "Zwang" Bedenken haben. Aber rechtlich geht das. Andere Städte machen das so", sagte er. Zudem müsse stärker auf das Angebot hingewiesen werden. Gredig: "Es muss sich rumsprechen, dass die Stadtwerke neben Gas auch Wärme anbieten." von Florian Neuroth

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