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Oberursel: Auf Tauchstation im Weiher

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Viel zu sehen gabs am Sonntag beim traditionellen Anfahren der Schiffsmodellgemeinschaft Oberursel auf dem Maasgrundweiher. Ein besonderer Hingucker dabei war das Modell eines langjährigen Vereinsmitgliedes.

Hans Fell ist in seinem Element. Bedächtig setzt er sein kleines Schmuckkästchen ins Wasser, lässt es langsam auf und ab steigen. Staunend verfolgen die Umstehenden den Vorgang. Kein Wunder, schließlich sieht man nicht alle Tage ein U-Boot auf dem Maasgrundweiher. Selbstverständlich kein echtes, denn Hans Fell ist nicht bei der Marine, sondern passionierter Modellbauer, der am traditionellen „Anfahren“ der Schiffsmodellgemeinschaft Oberursel teilnimmt.

15 Vereinsmitglieder haben sich versammelt um ihre kleinen Schätze vorzuführen. Allesamt sind echte Hingucker, das Unterseeboot ganz besonders. „Der Hans ist der einzige im Verein, der absolut tauchfähige U-Boote baut“, lobt der langjährige Vorsitzende der Modell-Kapitäne, Dieter Baseler. Keine einfache Angelegenheit, an so einem Schiff bastelt Fell etwa ein Jahr lang, bis es erstmals eingesetzt werden kann. „Und bis es so läuft wie heute, dauert es noch ein paar Jahre. Man ändert ja immer wieder was und setzt neue Teile ein“, erklärt der 85-jährige Rentner.

Mit dem Modellbau angefangen hat er 1947, noch unter ganz anderen Umständen. „Den modernen Kunststoff gabs ja noch nicht. Aber Holz hatten wir genug“, sagt Fell, der damals mit seiner Schreinerausbildung begonnen hatte. „Auch die Elektronik war mit der heutigen überhaupt nicht zu vergleichen. Die U-Boote gingen zwar unter, kamen aber nicht mehr hoch“, erklärt der Modellbauer und lacht. Sein Hobby verlangt viel Hingabe und Liebe zum Detail. Hans Fell verbringt dabei mehr Zeit in seiner Ober-Erlenbacher Werkstatt als am Ufer. „Ich bau halt einfach unglaublich gerne“, so Fell. Fertige Modelle aus dem Einzelhandel seien seine Sache nicht, 80 Prozent mache er selbst. Das spare Geld und verspreche mehr Qualität. In den Fertigprodukten sei viel an billigen Teilen verbaut und das Gefährt dementsprechend schnell kaputt. Sein heute zur Schau gestelltes U-Boot habe er hingegen schon seit über 20 Jahren.

Harte Arbeit – das Ergebnis kann sich dann aber auch sehen lassen. Wie das Original kann das Modell mittels zweier mit Pressluft betriebener Tauchtanks auf der Stelle auf- und abtauchen, und sogar ein kleiner akkubetriebener Torpedo ist miteingebaut. Lange hält sich sein Werk heute nicht im Wasser.

Leck im Moosgummi

Feuchtigkeit ist ins Boot gedrungen, dies zeigt zumindest der Warnsensor an. Vorsichtig trennt Fell jetzt Oberseite und Rumpf des Schiffes und tupft den Innenbereich des Bootes mit Pinzette und Küchenpapier ab. Nach einiger Zeit findet sich das Problem, an einer Stelle wurde die Moosgummidichtung ihrem Namen nicht gerecht. An ein Weiterfahren ist so natürlich nicht mehr zu denken. Denn: „Die Elektronik will alles, nur kein Wasser.“ Auch würden schon kleine Mengen an Flüssigkeit reichen, und das Schiff könne mangels fehlenden Restauftriebs nicht mehr an die Oberfläche steigen.

Für heute ist also Schluss. Aber immerhin konnte Fell sein Werk im Gegensatz zu Dieter Baseler im Wasser testen. Dessen Segelschiff liegt zerstört am Rande des Weihers, ein vorbeifahrender Radfahrer plumpste auf das Modell. 1200 Euro sind futsch und Baseler ist dementsprechend bedient. Zufrieden ist er dennoch, schließlich sind neben der „Rentnergang“ auch einige jüngere Vereinsmitglieder erschienen.

Auf die Nachwuchsabteilung ist man besonders stolz im Verein. Sechs Jugendliche sind unter den 46 Vereinsmitgliedern zu finden und werkeln immer samstags unter Anleitung der „alten Hasen“ an ihren Modellen. Neben dem Spaßfaktor hebt Baseler insbesondere die Schulung der handwerklichen und technischen Fähigkeiten hervor. Wünschen würde er sich nur noch ein paar mehr Vereinsmitglieder mittleren Alters. „Wir haben neben den ganz jungen eher ältere Mitglieder und bräuchten für Veranstaltungen wie den Weihnachtsmarkt oder das alle zwei Jahre veranstaltete Modellbautreffen an Pfingsten noch ein paar Leute, die richtig mit anpacken können“, so Baseler.

Interessierte können sich online unter über den Verein informieren.

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