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Die Aufführungen von "Theater im Park" waren in den vergangenen Jahren immer gut besucht. ARCHIVFOTO: PRIEDEMUTH

Corona-Auswirkungen im Taunus

Oberursel: "Theater im Park" abgesagt

Erstmals fällt die komplette Saison der Oberurseler Theater-Reihe aus. Die Open-air-Aufführungen von "König Ödipus" sind auf 2021 verschoben.

Oberursel -Bei Theater im Park (TiP) steht eine Premiere an, allerdings eine, die weder der Kultur- und Sportförderverein (KSfO) als Veranstalter, noch Regisseur Volker Zill und das elfköpfige Ensemble gewollt haben. Nach 26 Jahren Freilichttheater fällt bei TiP zum ersten Mal eine komplette Spielzeit aus.

Die weltweite Covid-19-Pandemie hat auch Theater im Park fest im Griff und sorgt dafür, dass die bereits aufgebaute Bodenplatte der Bühne im Park der Klinik Hohe Mark unbespielt bleiben wird. "Alle derzeitigen eingeschränkten Rahmenbedingungen zwingen uns als Veranstalter dazu, Theater im Park abzusagen", teilte der Geschäftsführer des KSfO, Udo Keidel-George, am gestrigen Freitag in einer Stellungnahme mit. "Unabhängig davon, dass bis Ende August ein Veranstaltungsverbot ausgesprochen wurde."

Seit der Lockdown mit strenger Kontaktsperre am 16. März in einer gemeinsamen Entscheidung von Bundes- und Landesregierungen in Kraft trat, kamen auch die Proben für das aktuelle TiP-Stück "König Ödipus", das Regisseur Zill nach einer modernen Textfassung des Kabarettisten Bodo Wartke inszenieren wollte, zum Erliegen. Zeitgleich stoppte auch der Kartenvorverkauf, der bereits vor Weihnachten 2019 begonnen hatte.

500 Karten schon verkauft

"Etwa 500 Karten sind derzeit schon rausgegangen. Wie wir mit diesen bereits verkauften Tickets umgehen werden, wird sich Anfang Mai entscheiden", teilte Keidel-George mit. Was den weiteren Produktionsablauf betrifft, waren die Materiallisten für Bühnenbild und Technik bereits erstellt.

"Der größte Kostenfaktor der Produktion ist nach wie vor die Publikumstribüne", sagt Udo Keidel-George. "Auch sie war geordert, genauso wie der Toilettenwagen und die Bühne. Diese ganze Logistik mussten wir jetzt stoppen, um finanziellen Schaden größtenteils abwenden zu können", so der KSfO-Geschäftsführer.

Mit Regisseur Volker Zill sei aber bereits abgestimmt, dass der "König Ödipus" in der kommenden Theater-Saison 2021 aufgeführt und nachgeholt werden soll, kündigte Keidel-George an. "Die Absage fällt uns nicht leicht, doch eine Fortsetzung der Vorbereitungen sowie die vielen Aufführungen mit zu vielen Besuchern können wir in der aktuellen Situation nicht verantworten", untermauerte er die Entscheidung.

Viele Freilichttheater betroffen

Auch Bürgermeister Hans-Georg Brum (SPD) kann diesen Schritt nachvollziehen. "Die kaum einschätzbare Entwicklung der Corona-Pandemie machen die Absage verständlich und konsequent. Eine Verlegung auf das nächste Jahr ist eine gute und sinnvolle Idee. Selbstverständlich steht die Stadt hinter der Entscheidung des KSfO", so Brum.

Während einem Vierteljahrhundert konnten die Macher von Theater im Park viel Erfahrung sammeln. Es ist nicht die erste Krise, die Ensemble und Verantwortliche zu meistern hatten. Schwere Unwetter, Regengüsse während der Aufführung, kalte Sommer, Mückenplage, verletzte Schauspieler, deren Handicap sogar ins Stück geschrieben werden mussten, Notarzteinsätze wie im vergangenen Jahr, als während der Aufführung von "Der Diener zweier Herren" ein Gast auf der Tribüne zusammen brach - alles schon da gewesen. "Bisher haben wir das alles ganz gut gemeistert und immer gespielt", sagt Projektleiter Stephan Remes. "So etwas hat allerdings noch keiner von uns erlebt", sagt er mit Blick auf die Corona-Epidemie.

In den vergangenen Jahren konnte das Theater im Park durchschnittlich 4000 Besucher pro Spielzeit verzeichnen. Diese werden in diesem Jahr wohl keinen Ersatz finden. Denn das TiP ist kein Einzelfall, auch die Freilichttheater in Bad Hersfeld oder Bad Vilbel haben ihre Aufführungen absagen müssen. Doch wie sagt Scarlett O'Hara so schön am Ende des Films "Vom Winde verweht"? "Verschieben wir es auf morgen, morgen ist auch noch ein Tag." VON Christine Sarac

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