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Oberursel: Unbefristete Verträge für neues Kita-Personal

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Von: Gabriele Calvo Henning

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Mit besonderen Anreizen will Oberursel Kita-Personal in die Stadt locken und hier halten.
Mit besonderen Anreizen will Oberursel Kita-Personal in die Stadt locken und hier halten. © Jan-Philipp Strobel/dpa

Der Hauptausschuss stimmt einem Antrag von CDU und Grünen zu. Derzeit gibt es 17 freie Stellen in den städtischen Kindergärten.

Oberursel -Erzieher für Kindertageseinrichtungen sind heiß begehrt, denn die Nachfrage nach Plätzen steigt weiter an. Längst sind die Kommunen miteinander in den Wettbewerb ums Personal getreten. Bei diesem geht es darum, möglichst attraktive Konditionen anzubieten, um neue Kräfte in die jeweiligen Einrichtungen zu locken und langfristig zu binden.

Da geht es Oberursel nicht anders als den Nachbarstädten, mit denen die Brunnenstadt in direkter Konkurrenz um Fachkräfte steht.

Damit städtische Kitas als Arbeitsort attraktiver werden, soll es künftig in diesem Bereich nur noch unbefristete Arbeitsverträge geben. So lautet ein Antrag von CDU und Grünen, über den im Haupt-, Finanz- und Digitalisierungsausschuss (HDFA) diskutiert und abgestimmt wurde.

Die Koalitionäre fordern darin den Magistrat auf, die Praxis bei der Stellenbesetzung entsprechend zu ändern und im Weiteren dafür zu sorgen, dass neu zu besetzende Stellen ebenfalls nur unbefristet vergeben werden. Außerdem sollen Personen, die in den städtischen Kitas ihre Ausbildung beenden, eine Übernahmegarantie für ein Jahr erhalten.

"Wir sind für jede Bewerbung dankbar, bei den vielen offenen Stellen, die wir haben", unterstrich Christina Herr (Grüne) die Stoßrichtung des Antrags. Es gebe 17 freie Stellen in den städtischen Kitas, rechnete Jens Uhlig für die CDU vor. Insofern wäre ein entsprechender Beschluss "sinnvoll und zielführend" und ließe genügend Spielraum, flexibel auf Veränderungen in der Personallage zu reagieren.

Keine Gefahr von Überkapazitäten

Mit diesem Statement antwortete Uhlig auch auf Anmerkungen aus dem Plenum, was eine solche Festlegung auf nur noch unbefristete Verträge für die Zukunft bedeuten könnte. So fragte Elenor Pospiech (SPD), ob man nicht Gefahr laufe, bei einer Entspannung der Stellensituation automatisch zu einer Überbesetzung zu kommen. Damit erntete die Sozialdemokratin einiges Unverständnis. Gerade von der SPD einen solchen Einwand zu hören, gehe es doch um Sicherheit und Perspektiven für die Arbeitnehmenden, so Ingmar Schlegel von der Linken: "Es besteht wohl eher keine Gefahr, dass wir schnell zu viele Leute im Kita-Bereich haben." Es sollte "von den Kindern her gedacht werden", so Schlegel. Diese bräuchten eine langfristige und verlässliche Beziehung zu ihren Erziehern.

Natürlich werde eine Entfristung auch Auswirkungen auf den städtischen Haushalt haben, schaltete sich Bürgermeisterin Antje Runge (SPD) ein, die neben Stadtrat Christof Fink (Grüne) für den Magistrat im Gremium war. Aber mit Blick auf die derzeitige Situation auf dem Arbeitsmarkt gehe es darum, "hier einen monetären Anreiz zu schaffen, was auch über die Entfristung geschehen kann."

Sollte sich die Situation irgendwann mal wieder ändern, könne man das Besetzungsverfahren auch wieder angleichen, so Runge, während Fink auf den beschlossenen Stellenplan verwies und darauf, dass keine Regelung für die Ewigkeit getroffen würde. Unterdessen stellte Pospiech zusammen mit ihrem Parteikollegen Matthias Fuchs klar, dass es bei ihrer Anmerkung nicht um die Ablehnung der Entfristung gehe, sondern nur um eine Erklärung, wie man in Zukunft mit der Entfristung umgehen wolle.

Schlussendlich stimmte die große Mehrheit dem Antrag von CDU und Grünen zu. Einzig die AfD stimmte dagegen. Deren Vertreter Paul Beuter plädierte dafür, es bei der jetzigen Regelung zu belassen und lieber auf Jahresverträge mit einer Verlängerungsoption zu setzen, was mehr Flexibilität für den Arbeitgeber bedeute.

Außerdem würden an anderer Stelle bereits Ansätze für die Gewinnung von mehr Kita-Personal diskutiert.

Gabriele Calvo Henning

"Monetäre Anreize" um löcher zu stopfen

Anfang vergangener Woche ist dem Sozial-, Bildungs- und Kulturausschuss (SBKA) ein "Ideenpapier zur Personalgewinnung und Bindung im pädagogischen Bereich" vorgelegt worden. Dabei handelte es sich um eine Zusammenfassung erster Überlegungen, wie der zuständige Dezernent und erste Stadtrat Christof Fink (Grüne) gegenüber dieser Zeitung äußerte. Darin werden unter anderem monetäre Anreize genannt, um die freien Stellen in den städtischen Kitas möglichst bald zu besetzen. Neben dem Thema "Eingruppierung" werden als weitere Anreizmöglichkeiten Zulagen für übergeordnete Aufgaben und Prüfung weiterer steuerlicher Zulagen genannt. Auch Weiterentwicklungsmöglichkeiten gehören dazu. Um die Lücken zu stopfen wird zudem über die Qualifizierung von Nichtfachkräften nachgedacht, genauso wie über verbesserte und hausinterne Weiterbildungsmöglichkeiten. In einem Punkt deckt sich das Ideenpapier mit dem von CDU und Grünen im HFDA vorgelegten Antrag auf eine generelle Entfristung der Arbeitsverträge, ist doch in dem von Fink vorgelegten Papier wörtlich von "generell unbefristeten Arbeitsverträgen" und einer "Übernahmegarantie nach der Ausbildung (für ein Jahr)" zu lesen. Insofern darf der Antrag aus der Politik auch als eine gewisse Schützenhilfe verstanden werden, um erste Maßnahmen zu stützen, über die letztlich die Politik zu beschließen hat.

Denn am Ende wird es um Geld gehen, das in die Hand genommen werden muss. So ist in dem vorgelegten Papier in einer ersten Grobkalkulation von Mehrkosten für die Stadt für alle angedachten Maßnahmen von insgesamt rund 880 000 Euro die Rede. alv

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