Wegen der geplanten Bebauung des früheren Hochtief-Areals lief bereits seit längerem eine Altlastensanierung.
+
Wegen der geplanten Bebauung des früheren Hochtief-Areals lief bereits seit längerem eine Altlastensanierung.

Altlasten

Oberursel: Verseuchung auch am Gewässerrand

  • VonManuela Reimer
    schließen

Weitere Rückstände am Urselbach-Ufer sind im Bereich des Neumühlenareals entdeckt worden.

Oberursel Bürogebäude, rund 80 Wohnungen, knapp 20 Reihen- und Doppelhäuser, die Ketteler-LaRoche-Erzieherinnen-Schule und eine Kita mit sechs Gruppen - dieser Mix soll einmal das Quartier Neumühle zwischen Zimmersmühlenweg und Ludwig-Erhard-Straße bilden.

Bebauungsplan und städtebaulicher Vertrag zwischen Stadt und Investor sind, wie berichtet, seit gut einem Jahr unter Dach und Fach. Und der Frankfurter Projektentwickler Pecan Development, der das knapp drei Hektar große frühere Hochtief-Areal vor einigen Jahren gekauft hatte, ist bekanntlich schon seit geraumer Zeit auf seinem Grundstück aktiv.

Auf dem stand einst eine Bronzefabrik, nach dem Zweiten Weltkrieg dann eine Glashütte, was eine Altlastensanierung erforderlich macht, bevor gebaut werden kann. Die Arbeiten, die das Regierungspräsidium (RP) Darmstadt beaufsichtigt, hatten im Sommer für einigen Wirbel gesorgt, als Umweltschützer tote Fische im Urselbach entdeckten, der am Grundstück vorbeiführt, und eine Einleitung von verunreinigtem Baustellenwasser in das Fließgewässer vermuteten (diese Zeitung berichtete).

Doch mit der Bach-Verseuchung habe nicht die Baustelle, sondern ein unabhängig davon aufgetretenes Problem in der Oberurseler Kläranlage zu tun gehabt, wie Stadt und Investor damals erklärten. Inzwischen sei man "mehr oder weniger durch mit der Sanierung auf dem Gelände", berichtete Markus Brod, einer der drei geschäftsführenden Gesellschafter des Projektentwicklers, jetzt im Bau-, Umwelt- und Klimaschutzausschuss. Die Maßnahmen, die unter enger gutachterlicher Betreuung stattgefunden hätten, hätten rund ein halbes Jahr in Anspruch genommen. Seit Kurzem, so Brod, lägen die Freimeldung des Grundstücks durch das RP und nun auch die Genehmigung zur Einleitung von Tagwasser durch die Untere Wasserbehörde vor.

"Unangenehme

Überraschung"

Nur: Fertig ist man trotzdem noch nicht. Sei man doch im Zuge der Arbeiten auf eine "unangenehme Überraschung" gestoßen: Auch der zehn Meter breite Gewässerrandstreifen, der im B-Plan als naturbelassene Fläche definiert ist und eigentlich "in Ruhe gelassen" werden sollte, wie Brod sagte, sei flächendeckend verunreinigt. "Da ist einiges an Belastung drin", das hätten Beprobungen ergeben.

Brod sprach von Arsen, Blei und Kupfer, die über den Grenzwerten beziehungsweise im Bereich des "gefährlichen Abfalls" lägen. Jetzt will der Investor in Abstimmung mit den beteiligten Behörden auch den Randstreifen sanieren, was laut Brod ebenfalls auf eigene Kosten geschieht. "Wir gehen davon aus, dass wir zeitnah die Genehmigung bekommen", erklärte er. In wenigen Wochen sollen die Rodungsarbeiten - die rund 40 Jahre alten Bäume müssten weichen - und Abtragungen starten. Im Frühjahr will man fertig sein. Brod: "Wir wollen den Randstreifen so wiederherstellen, wie er heute ist, mit ein paar Optimierungen."

Die Fraktionen im Ausschuss begrüßten die "Transparenz" - aber hakten auch nach.

Jürgen Aumüller (CDU) interessierte sich für die Bäume. "Die sind älter, die stehen da doch seit 100 Jahren."

Dr. Claudia von Eisenhart Rothe (Klimaliste), die auch lokale BUND-Chefin ist, schloss sich Aumüller in puncto Baumbestand an und kritisierte: "Schwermetalle in gefährlichen Mengen, das überrascht mich nicht, auch der BUND hat Messungen vorgenommen. Und der Bürgermeister stellt sich im Sommer vor die Presse und sagt, es sei alles in bester Ordnung ..."

"Klar, muss nun doch weg, was wir eigentlich schützen wollten", entgegnete Brod, der von einer Abwägung sprach. "Das ist nicht toll. Aber dass hinterher die Altlasten weg sind, ist eine gute Alternative." Manuela Reimer

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare