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Oberursel will der Gigabitregion beitreten

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Von: Manuela Reimer

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Bis 2030 sollen 90 Prozent aller Haushalte per Glasfaser an das Hochgeschwindigkeits-Internet angeschlossen sein.
Bis 2030 sollen 90 Prozent aller Haushalte per Glasfaser an das Hochgeschwindigkeits-Internet angeschlossen sein. © dpa-tmn

Der Haupt- und Digitalisierungsausschuss gibt den Weg frei für einen flächendeckenden Glasfaserausbau. Eine Teilnahme am Projekt "Gigabitregion Frankfurt-Rhein-Main" wird angestrebt.

Oberursel - Arbeiten, lernen, leben: Dafür braucht es jetzt - und in Zukunft noch viel mehr - schnelles Internet. Im Rathaus hat man die Zeichen der Zeit erkannt: "Der Ausbau von hochgeschwindigkeitsfähigem Internet ist auch in Oberursel von erheblicher Bedeutung", schreibt die Stadt. Aktuell steht Oberursel zwar nicht schlecht da, doch das Netz sei größtenteils auf Kupferbasis; wenn die Digitalisierung voranschreitet, käme es schnell an seine Grenzen.

Das Zauberwort lautet: Glasfaser. Bürgermeisterin Antje Runge (SPD) hat den Ausbau jüngst nicht ohne Grund als Topthema der städtischen Digitalisierungsstrategie ausgerufen.

Jetzt will man ihn angehen, und zwar "systematisch und im Gleichschritt mit der Region", wie es Ulrike Böhme, Chefin der Wirtschaftsförderung am Donnerstag im Haupt-, Finanz- und Digitalisierungsausschuss formulierte. Dafür will die Stadt beim regionalen Kooperationsprojekt Gigabitregion Frankfurt-Rhein-Main mitmachen, das der Regionalverband ins Leben gerufen hatte.

Die Oberurseler Politik gab grünes Licht: Einstimmig haben die Fraktionen im Ausschuss der städtischen Beschlussvorlage zugestimmt, wonach die Stadt nun den Rahmenkooperationsvereinbarungen zwischen der Gigabitregion Frankfurt-Rhein-Main GmbH und der Deutschen Giga-Netz GmbH, der Deutschen Glasfaser Wholesale GmbH sowie der Telekom Deutschland GmbH beitritt.

Am 19. Mai hat die Stadtverordnetenversammlung das letzte Wort. Danach könnte der Magistrat die Beitrittserklärungen unterzeichnen, die den Turbo beim Glasfaser-Ausbau zünden sollen: Sukzessive sollen alle Gewerbestandorte, aber auch jeder Haushalt angeschlossen werden - die 100 Prozent könnte man schon 2027 erreichen, wie Böhme hofft. Die Gigabitregion, die aus insgesamt 139 Kommunen in Rhein-Main besteht, darunter die 80 Mitgliedskommunen des Regionalverbands, will bis 2025 alle Unternehmen und die Hälfte aller Haushalte in ihrem Gebiet mit gigabitfähigem Internetzugang auf Glasfaser-Basis ausgerüstet haben.

Bis 2030 sollen es 90 Prozent aller Haushalte in der Gigabitregion sein, in der mehr als 3,4 Millionen Menschen leben. Um die Ziele zu erreichen, müsse der Ausbau beschleunigt und kosteneffizient gestaltet werden.

Mit Privatwirtschaft vor Ort kooperieren

"Es wird daher eine enge Kooperation mit der Privatwirtschaft sowie mit den kommunalen Unternehmen vor Ort angestrebt, bei der der Ausbau in einer Synchronisation von eigenwirtschaftlichen, geförderten und kooperativen Ausbauaktivitäten stattfindet", schreibt die Gigabitregion. Im Juni 2021 wurde die Gigabitregion Frankfurt-Rhein-Main GmbH als gemeinsame Unterstützungsgesellschaft gegründet. Die konnte im August die Rahmenkooperationsverträge mit den drei Anbietern unterzeichnen.

"Wir sind eine schlagkräftige Organisation. Vor allem, wenn mal etwas nicht klappt", warb Kai Uebach, Geschäftsführer der Gigabitregion Frankfurt-Rhein-Main GmbH, im Ausschuss. Man helfe den Kommunen bei den Verhandlungen mit den Unternehmen. "Wir sind Ihr Dienstleister", so Uebach. Dafür müsse die Stadt Oberursel nichts bezahlen, die Kosten trage der Kreis über eine Umlage. "Die Gigabitregion kann unsere Gespräche mit den Anbietern begleiten und uns beraten", sagte Wirtschaftsförderin Böhme, die schon alle Anbieter, die in der Brunnenstadt tätig sind, kontaktiert hat. Ergebnis: "Alle würden mit uns Vereinbarungen zum Glasfaser-Ausbau abschließen." Derzeit eruiere man, "welcher Anbieter uns am weitesten bringen würde". Die Stadt muss keines der Telekommunikationsunternehmen aussuchen, mit denen die Gigabitregion Verträge hat. "Wir sind weiterhin frei, auch andere Dienstleister zu wählen", betonte Stadtkämmerer Jens Uhlig (CDU). Klar sei, dass in die hochmodernen Anschlüsse investiert werden müsse, wie Geschäftsführer Uebach sagte. "In Frankreich wurde heute die Kupferabschaltung beantragt. In Deutschland sind wir noch nicht so weit, aber in zehn Jahren wird Kupfer auch hier abgeschaltet", prognostizierte Uebach.

Die drei Unternehmen, mit denen man die Verträge schloss, habe man streng überprüft, erklärte der Geschäftsführer auf Nachfrage von Dr. Claudia von Eisenhart Rothe (Klimaliste). "Ich habe für mich nichts finden können, was mich daran zweifeln lässt, dass sie das alles so umsetzen können", sagte Uebach, der überzeugt davon ist, dass der Blitzausbau ohne die Gigabitregion nicht klappen würde: "Wir haben das Volumen und haben uns die Tiefbaukapazität gesichert." Stand heute, sei noch keine Kommune "durch" - viele, so Uebach, hätten noch nicht angefangen. In ein paar Jahren könnte es anders aussehen: "Wenn wir nicht ausbauen, haben wir dann noch mehr Standortnachteile", warnte Ausschussmitglied Andreas Bernhardt (OBG), und Wolfgang Schmitt (Grüne) stellte fest: "Es ist gut, sich einer kommunalen Initiative anzuschließen, die die Nachfrage bündelt." In einigen Wochen soll feststehen, auf welchen Anbieter Oberursel setzen will. mrm

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