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Oberurseler Kontakte nach Italien im Dornröschenschlaf

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Von: Christiane Paiement-Gensrich

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Giuseppe Moretti (Mitte) und seine Begleiterin (4. v. r.) führen Mitglieder der Oberurseler Delegation am 1. September 2018 durch Gioia del Colle. Hier stehen sie vor der Staufer-Burg (v. l.): Udo Keidel-George, Gerd Krämer, Silke Welteke, Jörg Steden, Cäcilie Bind, Hans-Georg Brum, Dietrich Andernacht, Georg Braun, Wilfried Abt, Dr. Eggert Winter und Harry Hecker.
Giuseppe Moretti (Mitte) und seine Begleiterin (4. v. r.) führen Mitglieder der Oberurseler Delegation am 1. September 2018 durch Gioia del Colle. Hier stehen sie vor der Staufer-Burg (v. l.): Udo Keidel-George, Gerd Krämer, Silke Welteke, Jörg Steden, Cäcilie Bind, Hans-Georg Brum, Dietrich Andernacht, Georg Braun, Wilfried Abt, Dr. Eggert Winter und Harry Hecker. © Michael Reuter

Nach dem Zweiten Weltkrieg sollten sie die Völkerverständigung in Europa fördern und zur Versöhnung einst verfeindeter Nationen beitragen: Aus Städtepartnerschaften entstanden unzählige persönliche Freundschaften zwischen Menschen unterschiedlicher Länder. Oberursel pflegt jahrzehntelange Kontakte zu seinen Partnerstädten und plant neue Partnerschaften.

Die mit der Brunnenstadt verschwisterten Städte haben wir bereits vorgestellt. Im letzten Teil unserer Serie geht es um eine mögliche künftige Partnerschaft mit der apulischen Stadt Gioia del Colle (Italien).

Oberursel -Mit mediterranen Spezialitäten hat es angefangen: Der frühere Wirt des italienischen Restaurants ,Stile Italiano‘ in der Adenauerallee, Giuseppe Moretti, hatte nicht nur eine „Pizza Gioia“ auf der Speisekarte. Er hat auch ein- bis zweimal pro Jahr für seine Gäste Reisen in seinen Heimatort Gioia del Colle in der Region Apulien organisiert, berichtet Michael Reuter, der schon mitgefahren ist. „Die Gegend ist sehr schön“, fährt der CDU-Stadtverordnete und frühere Fokus-O-Vorsitzende fort. Eine Städtepartnerschaft Oberursels mit Gioia war geplant, aber dann kam Corona, und das Vorhaben fiel in einen Dornröschenschlaf.

In der Tat bestehen, laut dem städtischen „Jahresbericht Städtepartnerschaften“, den der Geschäftsbereichsleiter Kultur und Gesellschaft Udo Keidel-George verfasst hat, zwischen Gioia und Oberursel seit Jahren intensive Kontakte mit Oberurseler Geschäftsleuten, dem Fokus O. und der Stadtverwaltung.

Und: „Seit 2015 sind italienische Händler auf dem Herbsttreiben mit Ständen und Kulturbeiträgen vertreten.“ Treibende Kraft sei da nach wie vor Moretti, der in Oberursel besser als „Pino“ bekannt ist, erzählt Reuter. Der Gastronom lebe inzwischen seit einigen Jahren wieder in Gioia, halte aber den Kontakt zur Brunnenstadt. Sein Vorteil: „Er spricht fließend Deutsch, sogar Hessisch und natürlich Italienisch.“ Bei den Reisen von Oberurselern nach Gioia fungierte er als Reiseleiter und Dolmetscher. Beim Herbsttreiben im vorigen Jahr seien Pino Moretti und einige seiner Mitstreiter wieder in Oberursel dabei gewesen und hätten unter anderem Olivenöl und Wein aus Apulien verkauft.

Die offiziellen Kontakte zu dem italienischen Städtchen hatten 2018 begonnen. Vom 30. August bis 4. September hatte damals eine zwölfköpfige Delegation aus Mitgliedern des Magistrats, der Stadtverordnetenversammlung, der Stadtgesellschaft und der Stadtverwaltung eine Reise in die italienische Stadt unternommen, um eine mögliche Städtepartnerschaft mit Gioia zu prüfen. Mit dabei waren, außer Reuter und Keidel-George, der damalige Stadtverordnetenvorsteher Gerd Krämer, Silke Welteke, Jörg Steden, Cäcilie Bind, der damalige Bürgermeister Hans-Georg Brum, Dietrich Andernacht, der inzwischen verstorbene Georg Braun, Wilfried Abt, Dr. Eggert Winter und Harry Hecker. Reuter betont: „Jeder Teilnehmer hat seine Reise selbst bezahlt.“ Das habe für alle Reisen von Oberurselern in die italienische Stadt gegolten.

Nach wie vor gibt es Interesse

Vom 29. November bis 2. Dezember 2018 kam erstmals eine offizielle politische Delegation aus Gioia del Colle nach Oberursel, und die italienischen Gäste lernten den hiesigen Weihnachtsmarkt kennen. Zum Herbsttreiben vom 13. bis 15. September 2019 lud die Stadt Oberursel den neu gewählten Bürgermeister von Gioia und vier seiner Stadträte ein. „Bei diesem Treffen wurde angeregt, auf dem Weg zu einer Städtepartnerschaft zunächst einen Freundschaftsvertrag zwischen beiden Städten zu schließen“, schreibt Keidel-George.

Auf Einladung des Bürgermeisters von Gioia del Colle besuchte eine Oberurseler Delegation die italienische Stadt dann vom 5. bis 10. Oktober 2020.

„Bei diesem Treffen wurde eine Städtepartnerschaft für das Jahr 2021 avisiert. Der erste Unterzeichnungstermin sollte am Europatag, dem 8. Mai 2021, in Oberursel sein“, heißt es weiter. Doch dazu kam es nicht. Die Corona-Pandemie verhinderte weitere Besuche. Und nach der Kommunalwahl und der Bürgermeisterwahl im März 2021 entschlossen sich der neue Magistrat und die neu gewählte Bürgermeisterin Antje Runge (SPD), erst einmal abzuwarten.

„Die Kontakte wurden ab Mitte 2021 durch den Oberurseler Magistrat nicht weiter intensiviert“, heißt es in Keidel-Georges Städtepartnerschaften-Bericht. Trotzdem vermittle die Stadt Gioia del Colle nach wie vor das Interesse, eine offizielle Städtepartnerschaft mit Oberursel eingehen zu wollen. Dieses Jahr sollen zumindest italienische Händler zum Brunnenfest kommen.

Wie es nun mit dem Projekt weitergeht? „Grundsätzlich bin ich dafür offen“, sagt Runge. „Das Thema Städtepartnerschaften, vor allem in Europa, ist mir ganz besonders wichtig.“

Eine Städtepartnerschaft müsse jedoch sowohl von einem breiten Einvernehmen in der Politik als auch von der Bürgerschaft getragen werden. Etwa durch Austausch-Aktivitäten zwischen Vereinen. Jetzt, da das Reisen wieder leichter möglich sei, müsse man da neu starten. Italien-Fan Reuter sagt: „Ich persönlich würde mich freuen, wenn die Partnerschaft zustande kommt.“ Die Region sei sehr sehenswert. Überdies gebe es eine Verknüpfung mit der deutschen Geschichte. Denn der Stauferkaiser Friedrich II, zu dessen Reich auch Apulien gehörte, habe in der Gegend sehenswerte Burgen bauen lassen, unter anderem direkt in Gioia. Besonders interessant sei das nahe gelegene „Castel del Monte“ mit achteckigem Grundriss und acht achteckigen Türmen. Es gebe großartige Kathedralen.

Eindrucksvoll seien auch die Stadt Materna, die öfter als Filmkulisse diente, mit ihren Höhlensiedlungen, die Unesco-Weltkulturerbe sind, und die „Trulli“ genannten Häuschen in Trockenbauweise mit ihren kegelförmigen Dächern.

Gioia del Colle hat 27 667 Einwohner und liegt in der Mitte Apuliens, zwischen der Adria und dem Ionischen Meer. Nach Bari und nach Tarent sind es jeweils rund 50 Kilometer.

Ukraine, Südkorea und Japan im Blick

Die Idee, eine Partnerschaft mit einer Stadt in der Ukraine einzugehen, beschäftigt derzeit die Stadtverordneten. In der jüngsten Sitzung des Sozial-, Bildungs- und Kulturausschusses wurde das Thema jedoch vertagt. Grundsätzlich begrüße sie dieses Vorhaben auf jeden Fall, sagt Bürgermeisterin Antje Runge (SPD). Kontakte habe es in der Vergangenheit aber auch nach Japan gegeben. Auch mit einer Stadt in Südkorea könne sie sich eine Partnerschaft gut vorstellen, so Runge weiter. Immerhin leben in Oberursel derzeit rund 800 Koreaner, wie aus dem Jahresbericht „Städtepartnerschaften und internationale Kontakte“ der Stadtverwaltung hervorgeht. Einige koreanische Firmen seien in Oberursel und Umgebung angesiedelt. An der Internationalen Schule (FIS) würden zahlreiche koreanische Schüler unterrichtet. Außerdem jähre sich in diesem Jahr die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Deutschland und Korea zum 140. Mal. Das solle zum Anlass für ein deutsch-koreanisches Begegnungsfest im kommenden September oder Oktober genommen werden. Gefeiert werden solle auf dem Rathausplatz und in der gesamten Innenstadt.

Eine Start-up-Nudelfabrik in Gioia del Colle führt stolz die Bezeichnung „Staufer“ (auf Italienisch „Svevo“) im Namen.
Eine Start-up-Nudelfabrik in Gioia del Colle führt stolz die Bezeichnung „Staufer“ (auf Italienisch „Svevo“) im Namen. © Michael Reuter
Im Zeichen der zweirädrigen „Wespe“: Internationales Treffen historischer Vespa-Roller.
Im Zeichen der zweirädrigen „Wespe“: Internationales Treffen historischer Vespa-Roller. © Michael Reuter

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