Schon fast trockengelegt: Zwecks Sanierung wurde aus dem Maasgrundweiher Wasser abgelassen.
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Schon fast trockengelegt: Zwecks Sanierung wurde aus dem Maasgrundweiher Wasser abgelassen.

Gewässersanierung

Oberurseler Weiher wird aufgewertet

  • VonManuela Reimer
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Die CDU informiert sich vor Ort über die ökologische und optische Aufarbeitung des Maasgrundweihers.

Oberursel -Zwei verrostete Mülleimer, Reste einer Leitbake, eine Spielzeugpistole und eine von Kinderhand gebastelte Fledermaus aus Laminierfolie: Das alles liegt am Montagabend neben viel Schlamm, Sand, Schutt, Holz und ein paar stattlichen Muscheln im Maasgrundweiher, an dessen Ufer sich Orschels Christdemokraten zur Ferienfraktion treffen, um gemeinsam mit interessierten Bürgern den Baufortschritt beim Projekt Öko-Optimierung und Uferrandsicherung zu begutachten.

Freigegeben hat der Weiher seine "Schätze", nachdem das Wasser für die Arbeiten bis auf 60, 80 Zentimeter abgelassen worden war, zum Spielplatz hin sind es nur noch Pfützen. Auch auf einen Einkaufswagen und ein Fahrrad ist man gestoßen, wie Jens Gessner berichtet, Leiter der Umweltabteilung. Mit Erstem Stadtrat Christof Fink (Grüne) führt Gessner die etwa 40 Teilnehmer, für die er den Bauzaun zur Seite schiebt, direkt ans Gewässer. Das, so der Fachmann, werde nach der Maßnahme "wesentlich strukturreicher" sein. Denn die marode Uferbefestigung und die Treppen- und Außenanlagen, etwa am Storchenbrunnen, werden nicht nur ausgetauscht beziehungsweise instandgesetzt, es soll auch ein "bunter Blühaspekt" rund um den Weiher entstehen, der das Gewässer ökologisch optimiere und optisch aufwerte. "Der Weiher soll auch der Umwelterziehung dienen. Das wird ein Anreiz, dass noch mehr Schulklassen und Kita-Gruppen kommen", hofft Gessner.

Das Ufer stützen sollen Schotter- und Steinmatratzen, die schon bereit liegen, die ersten Meter sind schon verbaut. Beides wird hinterher bepflanzt. Die standortgerechten Erlen sollen erhalten werden.

Positiver Einfluss

aufs Stadtklima

Die Schilf-Röhrichte, erklärt Gessner, tragen später zur Reinigung des bis zu zwei Meter tiefen 8000-Quadratmeter-Gewässers bei. Xylit-Walzen, ein Füllmaterial ähnlich der Aktivkohle, werden zusätzlich die Wasserqualität verbessern. Der holzartige Faserstoff bindet sowohl Schad- als auch Nährstoffe - so reduziert sich das Algenwachstum. "Das Wasser, das aus dem Rotborn reinläuft, hat eine sehr hohe Qualität. Was rausläuft, soll auch eine hinreichende Qualität haben", so Gessner. Intakte innerstädtische Gewässer hätten unmittelbaren Einfluss auf das Stadtklima.

Umgebaut wird auch der Auslauf. Dort entsteht ein sogenannter Mönch, also ein Tiefenabfluss. "So verbleibt mehr Sauerstoff im Gewässer. Das sauerstoffarme Wasser wird rausgenommen", erklärt der Umweltabteilungsleiter. Das verbessere in dem Amphibiengewässer unter anderem die Lebensbedingungen von Kleinlebewesen. Gleichzeitig verringert sich die Schlamm-Anreicherung; Stichwort Schlamm: Dessen Abbau per Belüftung funktioniere gut, so Gessner. Etwa 500 Kubikmeter seien übrig. "Wir müssen nichts ausbaggern und für viel Geld entsorgen. Das war so ein bisschen die Befürchtung, weil man die Situation erst richtig sieht, wenn das Wasser weg ist", ergänzt Fink.

Während der Mönch eingebaut wird, wird die Stelle mit großen weißen Säcken trockengelegt, die schon auf die Baustelle transportiert worden sind. Gessner: "Wegen des Sondermüll-Aufdrucks haben wir schon einige Anrufe bekommen. Aber die Säcke sind ganz neu und da ist keine Mineralwolle, sondern Sand drin." Ende Oktober sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.

Das Ganze koste insgesamt um die 360 000 Euro. Knapp 180 000 Euro übernimmt das Land, denn schließlich soll später auch die Nidda weniger Schadstoffe abbekommen, in die von unterem Ursel- und Maasgrundbach "erhebliche Phosphorfrachten" eingetragen würden.

Für eine Fontäne reichte Orschels Finanzkraft nicht - auch eine Verbindung zu den feuchten Wiesen oberhalb des Weihers, wie sie sich Naturschützer wünschen, ist erst mal nicht vorgesehen. Die CDU freut sich trotzdem: "Wir hoffen, dass man hier nach dem 31. Oktober wieder flanieren kann, an einem Weiher, der schöner sein wird denn je", meint Michael Reuter. Vorher soll noch eine Aufräumaktion mit Freiwilligen stattfinden. "Der Müll muss weg." MANUELA REIMER

Michael Reuter, links, und Jens Gessner präsentieren den Plan für den neuen Maasgrundweiher.

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