Oberurselerin hilft in Nepal

  • vonChristine Sarac
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Cornelia Wijnkamp-Becker und ihr Mann Stephan Wijnkamp waren gerade in Nepal, als das Unglück geschah. Sofort beschlossen sie zu helfen – und haben schon Familien unterstützen können.

Viele haben die Bilder aus dem Erdbebengebiet in Nepal vor Augen: zerstörte Häuser, verzweifelte Menschen, die alles verloren haben. Stephan Wijnkamp und seine Frau Cornelia Wijnkamp-Becker sahen das Beben nicht zu Hause in Imst in Tirol im Fernsehen – sie waren selbst dabei.

Die aus Oberursel stammende Cornelia Wijnkamp-Becker und ihr Mann sind begeisterte Bergsteiger und waren am 25. April, dem Tag der Katastrophe, in einem Basecamp in 5600 Metern Höhe, da sie vorhatten, den Berg Shisha Pangma zu besteigen. „Wir standen inmitten unseres Camps, als die Erde unter unseren Füßen zu beben begann. Wir kauerten uns auf Hände und Knie. Die Sherpas liefen aus den Zelten und legten sich auf den Boden, betend. Es bebte, als wollte sich der Boden unter unseren Füßen öffnen und uns alle verschlingen“, erinnert sich Cornelia Wijnkamp-Becker.

Alle im Lager überlebten, aber nach und nach kamen schlimme Nachrichten über die Angehörigen der Sherpas und die Lage unten im Land. Fünf Tage lang konnten Cornelia Wijnkamp-Becker und ihr Mann das Camp nicht verlassen – Zeit, in der sie nachdachten. „Mir graute vor dem Abstieg und dem Bild, das sich uns dort unten bieten würde“, gibt die Notärztin zu. „Aber uns war schnell klar, dass wir den Menschen in Nepal helfen wollten.“

Ursprünglich hatten die beiden, die in Österreich leben, geplant, zwei Monate in Nepal zu verbringen, um den 8000er zu besteigen. Sie kannten das Land bereits. „Unter diesen Umständen haben wir unser Vorhaben abgebrochen“, berichtet Cornelia Wijnkamp-Becker. Über Lhasa reisten sie zurück nach Kathmandu. „Die chinesische Bürokratie und Willkür suchte ihresgleichen. Die Fluglinien und Cargo-Gesellschaften haben die Preise minütlich steigen lassen und das Unglück auch noch ausgenutzt, um Geld damit zu verdienen“, empört sich die gebürtige Deutsche. Das Bild, das sich den beiden in Kathmandu bot, war furchtbar. „Es sah aus wie im Krieg. Das Ausmaß der Zerstörung war groß, und die Verzweiflung der Menschen zu erleben war erschütternd.“

Die beiden beschlossen, einen Spendenaufruf auf Facebook zu stellen und durch die Aktion unter dem Namen „Direct Help Nepal“ Geld zu sammeln. „Ursprünglich hatten wir geplant, von dem Geld Wellblechplatten zukaufen, damit sich die Menschen stabile Hütten bauen können“, erläutert Wijnkamp-Becker. Doch dieses Vorhaben gaben sie schnell auf, da sich herausstellte, dass das Material knapp und der Transport sehr kostspielig ist. Der Rechtsanwalt und die Notärztin entschieden sich also anders. „Wir haben mit vielen Familien dort gesprochen, und es stellte sich heraus, dass jede andere Bedürfnisse hat“, erinnert sich Cornelia Wijnkamp-Becker. „Daher haben wir entschieden, die Summe, die auf 14 000 Euro angewachsen war, direkt an die Bedürftigen auszuzahlen.“ Mit Hilfe der Trekking-Agentur Himalayan Guide, mit der die beiden unterwegs waren, wählten sie 60 Familien in drei völlig zerstörten Dörfern aus. „Die Dankbarkeit der Menschen war unbeschreiblich.“

Das hat das Paar dazu veranlasst, weitere Spenden zu sammeln, auch wenn es jetzt wieder in Tirol ist. „Wir haben vor unserer Abreise alles so organisiert, dass wir weiter an Ort und Stelle helfen können. Wir planen Vorträge und sind für jede Unterstützung dankbar“, sagt Cornelia Wijnkamp-Becker.

(csc)

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