Vanessa I. und Brunnenmeister Andreas an der DLRG-Station im Oberurseler Schwimmbad..
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Vanessa I. und Brunnenmeister Andreas an der DLRG-Station im Oberurseler Schwimmbad..

Brunnenkönigin

Oberursels Hoheit mit Vernunft und Haltung

  • vonChristine Sarac
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Brunnenkönigin Vanessa I. und ihr Brunnenmeister Andreas wollen auch in der Krise Vorbild sein.

Oberursel - Tausende von Terminen, Hände schütteln, edle Gewänder tragen und vor allem repräsentieren - so würde die Stellenausschreibung der Oberurseler Brunnenkönigin wohl lauten. Normalerweise wäre die Hoheit gerade voll im Stress, stattdessen wurden die Aktivitäten des amtierenden Brunnenpaares, Verena I. und ihr Brunnenmeister Andreas, auf fast Null zurückgefahren. Schuld ist das Coronavirus, das schon die feierliche Krönung, die am 21. März erstmals im Rilano Hotel hätte stattfinden sollen, unmöglich machte. Doch das Brunnenpaar, im echten Leben Vater und Tochter, lächeln trotz Krise. Sie möchten Vorbild sein und zeigen, dass es immer weiter geht, betonen beide.

"Ein paar Tränchen sind bei mir aber dann doch geflossen, als klar war, dass es nicht zur Inthro kommen wird", gesteht die 20-Jährige, die von Klein auf in der Tanzgarde des Bommersheimer Carneval Verein (BCV) aktiv war. "Alles war fertig, die Bembel, das Kleid - und dann haben wir erst mal alles zusammen geräumt und auf den Speicher gestellt." Ihr schönes Abendkleid, das sie bei ihrer Gala getragen hätte, konnte die Bommersheimerin aber inzwischen "ausführen". Verena I. und Brunnenmeister Andreas wurden bei einem Frühschoppen auf dem Gelände des Vereins "Ursella Historica" hinter der Krebsmühle offiziell vorgestellt, und das scheidende Brunnenpaar Pia I. und Brunnenmeister Matthias konnten sich verabschieden.

"Die Idee dazu entstand aus der Familie der Brunnenkönigin, und wir haben das unterstützt und binnen vier Wochen die Feier mit geladenen Gästen und Hygienekonzept organisiert", berichtet Ludwig Reuscher, Vorsitzender des Vereinsrings, der für die Organisation des Brunnenfestes zuständig ist. "Am Tag zuvor hatte es geregnet und deshalb habe ich nicht nur Mundschutz zum Abendkleid in BCV-Rot getragen, sondern auch Turnschuhe, weil es so matschig war. Hat aber keiner gesehen", grinst Verena I. Die aktuelle Lage macht also auch durchaus erfinderisch und kreativ. Das findet auch die Mutter der Hoheit, Sandra Schmidt, toll. "Das ist auch die Chance, mal andere Wege zu gehen", sagt sie. Die Erzieherin war 1997 selbst Brunnenkönigin.

Zwei Amtszeiten

Einige wenige Termine hat das Brunnenpaar bisher absolviert, darunter das Hoffest bei Familie Steden und den Rathaussommer. "Ich habe quasi die Gelegenheit, mich ganz langsam und gründlich auf mein Amt vorzubereiten", sagt Verena I. Der Vereinsring hat nämlich beschlossen, dass das amtierende Brunnenpaar zwei Amtszeiten absolvieren und Verena I. das Brunnenfest 2021 eröffnen und ihren Brunnen am Alfred-Delp-Haus einweihen soll. In der Geschichte der Brunnenköniginnen wäre das bisher einmalig, aber sie soll schließlich keine Hoheit ohne Fest bleiben.

"Ich bin überzeugt, wenn es zum Brunnenfest 2021 kommt, werden sich die beiden vor Auftritten nicht mehr retten können", prophezeit Ludwig Reuscher. Dass sie eine Hoheit mit Vernunft und Haltung ist, hat Verena I. bereits bewiesen, sie hat aber auch ganz persönliche Schlüsse aus der Corona-Krise gezogen. "Ich bin dankbar, wieder als Orthopädie-Technik-Mechanikerin arbeiten zu dürfen und dass es meiner Familie gut geht. Außerdem habe ich sehr viel Hilfsbereitschaft erfahren, das war wirklich sehr, sehr schön" freut sie sich.

Sofern die gesundheitlichen Auflagen eingehalten werden, kann man das Brunnenpaar dennoch für Auftritte anfragen. Diese nimmt der Vereinsring per E-Mail an brunnenkoenigin@vereinsring-oberursel.de entgegen.

Von Christine Sarac

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