Ausbildung an "Academy of Stage Art"

Orscheler Schauspieler Marius Schneider erobert Bühnen und TV

Schauspieler Marius Schneider startete seine Karriere vor über zwölf Jahren an der „Academy of Stage Arts“ in Oberursel. Von seinen Künsten kann sich das Publikum im Rhein-Main-Gebiet zurzeit und in den kommenden Monaten überzeugen.

Vor Publikum Hemmungen zu überwinden, sich emotional zu öffnen und weinen zu können – für Marius Schneider inzwischen keine Herausforderung mehr. Doch der Weg dorthin war lang. Zwar haben ihn Musik und Theater von klein auf begleitet, ist er doch, mit vier Geschwistern, in einer sehr musikalisch geprägten Familie groß geworden.

„Gerade Singen hat mir ja immer Spaß gemacht, und die Leidenschaft für die Bühne war schon ewig da“, erinnert sich der 31-Jährige. „Aber nach dem Abitur an der Frankfurter Bettinaschule den Schritt zur Schauspielerei zu wagen, habe ich mir erst nicht zugetraut.“ Praktika in einer Werbeagentur und beim Bühnenbild konnten seine Sehnsucht jedoch nicht stillen. Durch eine Freundin im Schulchor kam er 2004 ganz „blauäugig“ zum Vorsingen an die „Academy of Stage Arts“ in Oberursel, „und plötzlich hieß es ,Du bist dabei‘“, erinnert er sich und muss heute noch lachen. „Ich wusste nämlich gar nicht, dass es um ein Casting für das Musical Grease ging, aber dann durfte ich sogar eine der Hauptrollen spielen.“

Bei den Proben vor über zwölf Jahren gestand der damals 19-Jährige im TZ-Gespräch, beim Tanzen Probleme zu haben, aber beim Gesang gut mitzukommen. Auch darüber amüsiert sich Schneider heute noch, denn seine tänzerischen Defizite haben ihm beinahe schon mal zu einer Rolle verholfen, wo genau dieses Manko verlangt war. „Nach Grease absolvierte ich an der Academy ein Vorbereitungssemester im Fach Musical, und da bin ich in Jazztanz und Ballett fast gestorben. Schließlich wollte ich singen und schauspielern, aber tanzen musste für mich nicht sein.“

Von 2005 bis 2008 machte er seine Ausbildung an der Academy. „Es war schön, dass mein Gesang nicht verkümmerte, sondern sogar gefördert wurde und ich während der Schauspielausbildung viel Gesangsunterricht bekam.“

Das entspricht dem Credo der beiden Schulleiter, die die Academy 2003 in Frankfurt gründeten und ein Jahr später nach Oberursel umzogen. „Heutzutage ist es für jeden Schauspieler unerlässlich, dass er auch singen kann, denn ansonsten hat man an vielen Theatern überhaupt keine Chance mehr“, erklärt Dorothea Rinck. Die staatlich geprüfte Schauspielerin und Sängerin war unter anderem bereits am Schauspiel Frankfurt tätig. Gemeinsam mit Vít König, diplomierter Opernsänger und Dozent für Gesang, gründete sie die Academy, „weil es den Nachbarn zu laut wurde, wenn wir in der Wohnung die Schauspielschüler in Gesang unterrichteten.“

Seit 2007 können die Vollzeitschüler einen anerkannten Abschluss ablegen. Daneben gibt es die Möglichkeit einer Teilzeitausbildung oder gar „Intensiv-Teilzeit“. „Gerade für diejenigen, denen die Schauspielerei schon immer im Kopf rumspukte, ist unser Angebot eines Vorbereitungsjahrs beziehungsweise der Teilzeitausbildung ideal, um sich auszuprobieren“, so König.

„Die Ausbildung ist hart, sowohl auf physischer wie auch auf psychischer Ebene. Schauspiel ist nicht nur die Kunst des Verstellens, sondern ein langer Entwicklungsprozess, und man muss aus seinem Leben etwas zeigen.“ Dorothea Rinck weiß, wie wichtig es ist, sich gerade in schmerzhafte Erlebnisse emotional reinzuversetzen, um exakt diese Gefühle im passenden Moment auf der Bühne hervorholen zu können: „Das ist eine sehr intime Geschichte, denn wir arbeiten genau mit den Sachen, die man gerne verdrängt, und das hat auch einen therapeutischen Effekt. Man muss bereit sein zum Seelenstriptease.“

Für Marius Schneider war diese Rollenarbeit entscheidend: „Da ging es immer ans Eingemachte, gerade wenn es hieß, dass ein Schauspieler weinen können muss. Ich wusste anfangs nicht, wie ich das anzapfen soll, was tief in mir drinnen ist. Nach und nach aber habe ich mich entwickelt und die ganzen Schauspieltechniken gelernt – und nicht zuletzt mich selber kennengelernt! Diese handwerkliche Grundlage hat mir das Vertrauen gegeben, dass ich in diesem Beruf, den ich liebe und der mich ausfüllt, wirklich arbeiten kann.“

Das konnte er sogar schon während der Ausbildung zeigen, als er 2007 bei den Märchenfestspielen in Hanau – heute Brüder-Grimm-Festspiele – für eine Hauptrolle in „Brüderchen und Schwesterchen“ engagiert wurde. 2009 stand er in „Romeo und Julia“ im Schwetzinger Theater am Puls auf der Bühne. Auch in diversen Fernsehrollen, unter anderem in „Ein Fall für Zwei“ und „Der Staatsanwalt“, konnte er bereits sein Talent beweisen.

Aktuell ist er in „My Malala“ von Sarah Kortmann in der Jugend-Kultur-Kirche Sankt Peter in Frankfurt sowie in „Woyzeck“ zu sehen. Märchenhaft wird es ab Juni, wenn er in Hanau das „Glückskind“ Finn in „Der Teufel mit den drei goldenen Haaren“ gibt. Von August an darf er auf der Frankfurter Kleinkunstbühne Theatrallala des Travestiekünstlers Bäppi la Belle in „Sissi – Beuteljahre einer Kaiserin“ den Monarchen Ludwig II. von Bayern darstellen.

Am Herzen liegt Schneider sein erstes selbst geschriebenes, interaktives Ein-Mann-Theaterstück für Kinder: „Allegrino – Hüter der Musik“, das er von Mai an in Hanau zeigt. Größter Fan ist seine vierjährige Tochter, die sich immer wieder für die Geschichte rund um den Kobold Allegrino und seine Fabelwesen begeistert. „Bisher haben sich alle Kinder von dieser Geschichte und den Liedern anstecken lassen und waren mit ganzem Körpereinsatz dabei. Man sieht nahezu ihre Phantasie knistern.“ So spielt er das Stück auch in Kindergärten oder an Schulen.

Für seinen weiteren Werdegang hat er noch Träume: „Gerne würde ich mehr als Sprecher arbeiten, zum Beispiel bei Hörspielproduktionen.“ Und wie wahrscheinlich fast jeder Schauspieler möchte er mal eine große Rolle in einem Fernseh- oder Kinofilm spielen. „Das Gefühl, gemeinsam auf ein Endprodukt hinzuarbeiten, hat man ansonsten halt nur im Theater, und vor der Kamera zu stehen, macht eben wahnsinnig viel Spaß.“

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