+
Eine Statue der Justizia.

Prozess

Paketauslieferer begeht Unfallflucht: Verfahren eingestellt, Job ist aber weg

  • schließen

Ein Paketauslieferer beschädigt ein parkendes Fahrzeug. Allerdings weigert er sich anschließend, seine Personalien anzugeben, verweist auf sein Nummernschild und fährt davon. Deswegen muss er sich nun vor Gericht verantworten.

Paketauslieferer haben es in der Regel eilig, denn sie müssen viele Lieferadressen anfahren. Doch das entbindet sie natürlich nicht von der Verpflichtung wenn in er Hektik doch einmal ein Unfall geschieht, diesen ordnungsgemäß abzuwickeln. Diese Erfahrung musste auch ein 28 Jahre alter Paketausfahrer machen, der sich wegen Unfallflucht vor Gericht verantworten musste und darüberhinaus seinen Job verloren hatte.

Der Mann hatte bei seinen Auslieferungen am 2. August vergangenen Jahres, gegen 20.15 Uhr, in Oberursel ein parkendes Auto angefahren und dabei einen Schaden von 3000 Euro angerichtet. Ein Nachbar hatte den Unfall bemerkt und die Mutter (63) des Pkw-Halters informiert.

Danach gab es zwischen dem Auslieferer und der 63 Jahre alten Frau eine längere Debatte. Hierbei vertrat der 28-Jährige die Meinung, dass nicht er schuld habe, sondern der Pkw-Halter. Der habe nämlich sein Fahrzeug zu nahe an der Straßeneinmündung geparkt. Die Polizei hatten beide nicht hinzugezogen. Die käme bei solchen Bagatellschäden nicht, war ihre Meinung. Das war freilich ein Irrtum. Denn zur Klärung des Sachverhalts wären Beamte notwendig gewesen.

Einen noch größeren Fehler machte der Paketausfahrer, als er die von ihm geforderten Angaben seiner Versicherung verschwieg und auch seine Personalien nicht nannte. Die Frau solle sich das Kennzeichen merken, war dessen Meinung.

Der zur Tatzeit abwesende Halter erfuhr erst am nächste Tag von dem Vorfall und erstattete Anzeige. Das führte zu einem Strafbefehl, der eine Geldstrafe von 1500 Euro enthielt, gebildet aus 50 Tagessätzen zu je 30 Euro. Dazu gab es einen Führerscheinentzug von neun Monaten. Hiergegen hatte der Mann Einspruch eingelegt. Die Fahrerlaubnis war ihm vor drei Monaten entzogen worden. Damit einher ging auch der Verlust des Arbeitsplatzes

Die jetzige Verhandlung begann mit einigen Problemen. Der Angeklagte mit polnischer Staatsangehöriger forderte zunächst einen Dolmetscher, obwohl er zuvor bei der polizeilichen Vernehmung diese Hilfe nicht benötigte. „Wir versuchen es ohne Dolmetscher“, sagte die Richterin, die dem Mann vorwarf, dass er die Forderung auf Hilfe dem Gericht hätte mitteilen müssen. Danach stellte der Angeklagte Anspruch auf einen Pflichtverteidiger. Aber hierfür lagen nicht die notwendigen Voraussetzungen vor.

Die Verhandlung verlief danach ohne Probleme. Das Gericht sah im Verhalten des Angeklagten keine „klassische Fahrerflucht“. Da seien wohl einige Missverständnisse zwischen dem Unfallverursacher und der Zeugin aufgetreten, sagte die Richterin. Deswegen verhängte sie nur einer Zahlungsauflage von 400 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung und stellte das Verfahren ein. Außerdem wurde der vor drei Monaten eingezogene Führerschein wieder freigegeben. Bei richtigem Verhalten nach dem Unfall hätte sich der Angeklagte nicht nur die Unannehmlichkeiten erspart, sondern auch den Job als Paketausfahrer behalten.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare