Die frühkindliche Bildung ist enorm wichtig. Sie kann aber nur gewährleistet werden, wenn es auch genügend Erzieherinnen und Erzieher gibt. Die aber sind in Oberursel Mangelware.
+
Die frühkindliche Bildung ist enorm wichtig. Sie kann aber nur gewährleistet werden, wenn es auch genügend Erzieherinnen und Erzieher gibt. Die aber sind in Oberursel Mangelware.

Probleme bei Kinderbetreuung in Oberursel

Personalsituation in den Kitas als Knackpunkt

Oberurseler Parlament fordert Maßnahmenkatalog - Rückkehr zu Regelöffnungszeiten nach Sommerferien

Oberursel -Die Kita-Betreuung hat sich die SPD-Fraktion in der Oberurseler Stadtverordnetenfraktion besonders auf die Fahnen geschrieben. In der jüngsten Sitzung stellte sie dazu zwei Anfragen und einen Antrag: Die Stoßrichtung war dabei stets die gleiche: die Personalsituation in den Kitas.

Vor dem Hintergrund der seit Mai geltenden reduzierten Öffnungszeiten in den Einrichtungen konstatierte Doris Mauczok (SPD), dass die Corona-Pandemie die zurückliegenden Versäumnisse habe offenkundig werden lassen. Derzeit komme es deswegen zu Beeinträchtigungen und Belastungen gleichermaßen für Erzieher, Kinder und Eltern. Der Unmut der Eltern sei groß und sie seien nicht mehr gewillt, die reduzierten Betreuungszeiten zu akzeptieren, führte Pospiech aus.

Der zuständige Dezernent und Erster Stadtrat Christof Fink (Grüne) hatte seinerzeit die Notwendigkeit dieses Schrittes mit der knappen Personaldecke, dem hohen Krankenstand und den Covid-19-Vorgaben des Landes erklärt. Jetzt konnte er wenigstens ein bisschen Entwarnung geben. Derzeit würden zwar noch die Vorgaben des Landes zum "Regelbetrieb unter Pandemie" gelten, doch rechne man damit, dass noch im Juni Einstiegsperspektiven für den Normalbetrieb gegeben würden. Ebenso sei damit zu rechnen, dass Personalausfälle durch Quarantäne rückläufig sein würden. Realistisch sei daher eine Rückkehr zu den normalen Betreuungszeiten nach der Sommerschließzeit, sofern sich die Pandemielage weiter entspanne. Lediglich für die "Schatzinsel" sei eine Rückkehr zu den längeren Öffnungszeiten aufgrund Personalmangels ungewiss.

Wie groß die Personalknappheit in den Kitas ist, wurde bei der Beantwortung der zweiten SPD-Anfrage deutlich: Danach sind derzeit von den 123 Stellen im Stellenplan rund elf Prozent nicht besetzt. Weitere sechs Prozent der Mitarbeiter stehen aufgrund von Langzeiterkrankungen oder einem Beschäftigungsverbot etwa wegen Schwangerschaft nicht zur Verfügung. Durch Zeitarbeitsfirmen werden immerhin rund 9,5 Stellen abgefedert.

Angesichts dieser Zahlen drohe Oberursel das wichtige Qualitätsmerkmal einer familienfreundlichen Stadt zu verlieren, befürchtete Mauczok. Die SPD forderte daher eine neue Herangehensweise, um das Problem zu lösen.

Sie wollte den Magistrat auffordern, einen detaillierten Bericht zu verfassen, der die bestehenden und zu erwartenden Personal-Engpässe in den Kitas benennt. Außerdem solle er ein Konzept sowie einen Stufenplan zur Überwindung dieser Engpässe skizzieren. Der SPD schwebt dabei ein mehrdimensionaler Lösungsansatz mit kurz-, mittel- und langfristigen Maßnahmen vor, um dem Fachkräftemangel abzuhelfen. Dazu nannte die SPD-Frau auch die Frage nach bezahlbarem Wohnraum und einer besseren Entlohnung für Erzieherinnen. "Wir müssen hier nachbessern", verdeutlichte sie.

Den Grünen ging der Antrag zu weit. Christina Herr schlug vor, sich zunächst auf die Personalsituation zu fokussieren. "Das ist der Knackpunkt", sagte sie. "Wir brauchen kein Konzept, an dem lange herumgemäkelt wird", sondern eine Auflistung von Maßnahmen, die Oberursel attraktiv für Erzieherinnen machen. "Wir müssen konkret entscheiden und dafür auch politische Verantwortung übernehmen", sagte sie. Das betrifft auch das Thema Bezahlung, denn, so Herr: "Die meisten anderen Städte zahlen mehr."

Handlungsbedarf sah auch Katja Adler (FDP). "Wir müssen konkurrenzfähig bleiben gegenüber anderen Kommunen", sagte sie. Dabei empfahl sie, die sogenannten Softskills nicht außer Acht zu lassen. Ähnlich Ingmar Schlegel (Linke): "Wir müssen schauen, was die anderen Städte machen und mit denen gleichziehen." Frühkindliche Bildung sei ein immens wichtiges Thema, deswegen sei völlig klar: "Erzieher verdienen mehr!" Erster Stadtrat Christof Fink verdeutlichte die Problematik. Der Arbeitsmarkt sei ausgeschöpft in der Region. Das gelte nicht nur für städtische Einrichtungen, sondern auch für alle privaten und kirchlichen Träger. Als mögliche Lösungsansätze nannte er neben einer besseren Bezahlung auch die Schaffung besserer Arbeitsbedingungen für Erzieherinnen und Erzieher, etwa durch kleinere Gruppen. Auch müsse sich die Stadt als Arbeitgeber künftig in einem besseren Licht darstellen. "Da haben wir noch Nachholbedarf", so Fink. Er warnte aber auch vor zu hohen Erwartungen. "Wir werden nicht von heute auf morgen perfekte Bedingungen schaffen können. Das ist ein Marathonlauf."

Der Änderungsantrag der Grünen nach einem Maßnahmenkatalog statt eines Konzeptes wurde mehrheitlich angenommen. Nur die SPD stimmte dagegen, die Klimaliste enthielt sich.

Alexander Wächtershäuser

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare