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Objekte der Begierde: Für die Medaillen legen sich die Schwimmer bei den Hessenmeisterschaften mächtig ins Zeug.

Plötzlich Wasserratte

Die Hessenmeisterschaften sind ein Kraftakt für den Schwimmclub Oberursel – sowohl für die jungen Schwimmer als auch für das Orga-Team. Der Erfolg des Events war die Mühen wert.

Vom Schild am Eingang des Taunabads durfte man sich nicht in die Irre führen lassen: Am Samstag und Sonntag sei geschlossen, stand dort in großen Buchstaben geschrieben. Das betraf jedoch nur den regulären Badebetrieb, im Hallenbad tobte das Leben. 385 Schwimmtalente der Jahrgänge 2003 bis 2007 traten am Wochenende bei den hessischen Jahrgangsmeisterschaften in Oberursel an.

Einen Elternteil hatte so ziemlich jeder der jungen Teilnehmer mitgebracht, meistens sogar beide. „Leider“, seufzte die kommissarische Vorsitzende des gastgebenden SC Oberursel (SCO) und Hallensprecherin Frauke Gunkel, „und bei den Jüngeren sind auch häufig noch die Großeltern oder Geschwister dabei. Das führt schon zu einem gewissen Platzproblem.“ Dementsprechend war das Bad an beiden Tagen auch brechend voll.

Auf eine Bestuhlung für die Zuschauer hatte der SCO bewusst verzichtet, denn sonst wäre zwischen Umkleide und Becken wohl kein Durchkommen mehr gewesen. „Wir haben uns damit gut arrangiert“, sagte Gunkel, „ein größeres Hallenbad gibt es in Oberursel eben nicht.“ Der Verein ist erprobt, was die Durchführung von Großveranstaltungen angeht: Vor zwei Jahren richtete der SCO die Hessenmeisterschaften der Aktiven aus, im Vorjahr stemmte man die süddeutschen Länderwettkämpfe.

Mit einem feinen Unterschied: Der vereinseigene Hochtaunus-Cup habe damals für einen Testlauf genutzt werden können, sagte Frauke Gunkel. Dieser musste in diesem Jahr jedoch wegen der vorübergehenden Schließung des Taunabades abgesagt werden. Ein Statiker hatte dazu aus Sicherheitsgründen nach Arbeiten an der Hallendecke geraten. Auch die Leistungsschwimmer des SCO mussten deswegen in den Wochen vor den Hessenmeisterschaften Trainingseinheiten ausfallen lassen. Sowohl die Organisatoren als auch die Wettkämpfer leisteten vor diesem Hintergrund am Wochenende einen tollen Job.

„Bisher haben wir drei Medaillen geholt und viele persönliche Bestzeiten aufgestellt“, durfte SCO-Cheftrainerin Marianne Abramowski bereits am Sonntagvormittag zufrieden bilanzieren. Die elfjährige Giulia Vollkammer holte Silber beim Rückenschwimmen über 100 Meter und Bronze über 200 Meter, Sophia Wüste (10 Jahre) wurde Zweite über 100 Meter Brust. Über die 200 Meter führte sie lange, ehe sie noch auf Rang drei zurückfiel. Sehr gute Leistungen, wenn man den Trainingsrückstand des dynamischen Duos bedenkt.

Außer durch das gesperrte Bad waren die Mädchen überdies durch gesundheitliche Probleme zurückgeworfen worden. „Vor zwei Wochen ist Giulia mit einer Erkältung ausgefallen, hat sich dann aber wieder toll herangearbeitet“, lobte Mike Vollkammer seine Tochter.

Für Sophia Wüste kam es sogar noch heftiger. „Sie hatte erst einen Magen-Darm-Virus, dann eine Erkältung und darauf noch Probleme mit den Knien“, berichtete Mutter Christine. Vier Wochen musste die junge Oberurseler Hoffnungsträgerin am Stück pausieren, scheiterte in ihrer Paradedisziplin aber nur hauchdünn an Gold.

„Eigentlich bin ich mit meiner Leistung zufrieden, aber bei den 100 Metern habe ich mich doch kurz geärgert, weil es so knapp war“, kommentierte Sophia selbst. Sie war hin- und hergerissen. Zwar konnte sie ihre eigene Meldezeit um starke sechs Sekunden unterbieten, doch am Ende trennten sie nur 14 Hundertstelsekunden vom ersten Platz. Stolz waren ihre Eltern Christine und Kay sowie ihre Trainerin Marianne Abramowski allemal, schwimmt Sophia doch erst seit knapp zweieinhalb Jahren im Verein. „Eine Wasserratte war sie vorher auch nicht wirklich“, berichtete ihr Vater, „sie hat ein bisschen Leichtathletik gemacht, ehe sie nach der Eröffnung des Taunabads dem Verein beigetreten ist.“ Welch unverhofftes Talent doch in jungen Menschen schlummern kann.

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