Hier lässt sich Walter Deglmann von Arnold Weich (Mitte) und Nelson Reuleaux sein E-Bike codieren.
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Hier lässt sich Walter Deglmann von Arnold Weich (Mitte) und Nelson Reuleaux sein E-Bike codieren.

Kampf dem Fahrradklau

Polizei codiert Räder in Oberursel

Die Kennzeichnungsaktion stößt auf so große Resonanz, dass es einen Zusatztermin geben wird.

Sichtlich zufrieden schiebt Joachim Kebbekus am Mittwochmittag sein E-Bike und das Mountainbike seines Sohnes vom Hof der Polizeistation Oberursel. Beide Räder sind frisch gegen Diebstahl codiert. Er gehört zu den 35 Radfahrenden, die zwischen 10 und 16 Uhr einen Termin für den kostenlosen Service der Polizei ergattert haben.

Der 63-Jährige ist eigens aus Kronberg angereist. "Uns sind dort mal die Fahrräder am Bahnhof geklaut worden", berichtet er. "Ich dachte damals noch, oh, nimm lieber die Luftpumpe mit, bevor wir in den Zug nach Frankfurt gestiegen sind. Als wir zurückkehrten, hatte ich noch die Luftpumpe, die Fahrräder waren weg", erzählt er schmunzelnd, während er den Codierauftrag ausfüllt.

Das soll jetzt nicht mehr passieren können: In den Fahrradrahmen sind Landkreis, Wohnort, Hausnummer, Eigentümer-Initialen sowie das Codier-Jahr eingeprägt. Der Codierauftrag berechtigt die Polizeibeamten offiziell zur "Sachbeschädigung" am Fahrradrahmen, erläutert Polizist Arnold Weich. Im Gegenzug erhalten die Fahrradbesitzer einen Fahrradpass. Den empfehlen die Beamten sorgfältig auszufüllen, denn oft könnten Leute ihr Fahrrad kaum beschreiben, wenn es erst einmal geklaut ist.

Doch um den Verbleib eines gestohlenen Fahrrads zu ermitteln, benötigt die Polizei alle verfügbaren Kennzeichen, durch die sich das Velo zweifelsfrei identifizieren lässt. Damit der eingeprägte Code Diebe auch abschreckt, wird er durch einen grellen Aufkleber noch sichtbarer gemacht: "Finger weg! Mein Rad ist codiert", steht drauf. Fahrraddiebe arbeiten in Sekundenschnelle, wissen die Beamten. Die Kriminellen hätten oft ihren Bolzenschneider dabei, dem Billigschlösser kaum gewachsen seien. "Teures Fahrrad, billiges Schloss: Das ist der fatale Fehler, der oft gemacht wird", weiß Dienststellenleiter Uwe Schweitzer. Laut Arnold Weich gibt es einen Richtwert: Das Schloss sollte mindestens ein Zehntel des Kaufpreises des Fahrrads kosten. Es komme immer wieder vor, dass ein 3000-Euro-E-Bike mit einem 10-Euro-Schloss aus dem Baumarkt "gesichert" sei. Diebe bräuchten es nur durchzuknipsen. Die Polizei rät deshalb zu massiven Bügel- oder Faltschlössern. Flexible Schlösser sollten zumindest aus massiven Kettengliedern bestehen.

Die Beamten Laura Atzmüller, Arnold Weich und Nelson Reuleaux brauchen am Mittwoch nur wenige Minuten pro Fahrrad und wechseln sich ab beim Prägen, Fahrradhalten und Papierkram erledigen.

Folgetermin

im August

Den Beamten macht es sichtlich Spaß. "Es ist schön, mit den Menschen so ins Gespräch zu kommen. Es gibt so viele Fragen", sagt Arnold Weich. Und die gehen auch mal darüber hinaus, welches Schloss nun für das Fahrrad am ratsamsten ist. So fragt auch mal jemand, wie lange sein Führerschein eigentlich noch gültig ist. Und die kleine Tochter der jungen Mutter, die den nächsten Prägetermin hat, darf unterdessen schon mal den nebenan geparkten Streifenwagen besteigen.

"Die Resonanz unseres Codierangebots ist riesig", berichtet Uwe Schweitzer. "Wir werden im August einen Folgetermin anbieten", kündigt er an.

In der jüngsten Kriminalstatistik für den Hochtaunuskreis hatte in der Stadt Oberursel der Fahrraddiebstahl die Top 5-Liste der Straftaten angeführt. "Und genau deshalb machen wir das", sagt Schweitzer.

Am Montag hatte die Aktion in Steinbach stattgefunden, ebenfalls mit 35 Terminen und ebenfalls ausgebucht. Die Codierwilligen kommen teils aus Frankfurt, Schmitten und Bad Homburg, die Fahrräder haben sie meist, wie auch Joachim Kebbekus aus Kronberg, huckepack am Auto mitgebracht.

Dass nur mit vorheriger Anmeldung und Termin codiert wird, sei den Hygieneregeln geschuldet, erläutert Schweitzer. "Wir wollten vermeiden, dass sich Schlangen bilden." Die Beamten könnten aber viel mehr codieren, die Zahl der Anfragen sei dreistellig gewesen.

Das Problem sei dabei aber auch, dass es nur ein Exemplar des mit mehreren Tausend Euro nicht gerade billigen Codiergeräts für den ganzen Bereich des Polizeipräsidiums Westhessen gibt. Es muss von den jeweiligen Polizeidienststellen für solche Vor-Ort-Aktionen gewissermaßen reserviert werden. Zudem müssten die jeweiligen Beamten dann aus dem regulären Schichtdienstplan abgezogen werden.

Das Gerät mit Tastatur, dass wie eine Mischung aus Radarpistole, mobiler Kasse und PC aussieht, arbeitet mit einem winzigen, hochfrequent hämmernden Prägebolzen den vorher einprogrammierten Code in den Rahmen ein. Deshalb auch das schlagbohrmaschinenartige Geräusch. Auch wenn es am Mittwoch zwischen Sonnenschein immer wieder mächtig schüttet und der Codiertrupp sich samt Kundschaft unters Schleppdach des Polizeiparkplatzes zurückziehen muss, ist die Stimmung bestens. "Die Leute sind dankbar und zufrieden", sagt Nelson Reuleaux. Und er ist es auch. Jochen Dietz

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