Bei den begonnenen Abrissarbeiten auf dem hinteren Bereich der ehemaligen Glashütte werden die Baustoffe gleich aussortiert und für die Entsorgung getrennt. Links beobachten Mitarbeiter der GeRo und der Abrissfirma BST den Vorgang
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Bei den begonnenen Abrissarbeiten auf dem hinteren Bereich der ehemaligen Glashütte werden die Baustoffe gleich aussortiert und für die Entsorgung getrennt. Links beobachten Mitarbeiter der GeRo und der Abrissfirma BST den Vorgang

Großprojekt

Präzisionsarbeit mit dem großen Bagger in Oberursel

  • VonGabriele Calvo Henning
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Abriss der "Taunus Glas"-Gebäude gestartet - Erdarbeiten könnten Ende Oktober beginnen

Oberursel -Jetzt ist der Bagger da und die Tage der ehemaligen Glashütte in der Erich-Ollenhauer-Straße, wo bis Anfang der 1970er Jahre Glaskolben zur Herstellung von Isoliergefäßen der Firmen Taunusglas Möller GmbH und Westdeutsche Isolierflaschen Gebrüder Zimmermann (GEZI) produziert wurden, sind endgültig gezählt. Dort, wo über Jahre kleine Werkstätten und Betriebe untergekommen waren, wurde gestern morgen das erste Gebäude im hinteren Bereich des insgesamt etwa ein Hektar großen Geländes abgerissen.

Baggerführer Jörg Arens' Job ist dabei nicht nur das schiere Niederlegen der Wände und Dächer. Mit dem Abriss- und Sortiergreifer fischt er Holzbalken und Metallteile aus dem Schutt und zieht wie mit einer Pinzette Teerpappe von den großen Holzelementen. Diese Präzisionsarbeit muss sein, erklärt Lukas Schirmer, der für das Abriss- und Sanierungsunternehmen BST Becker GmbH die Bauleitung hat: "Das muss alles sortenrein getrennt werden, um es dann fachmännisch entsorgen zu lassen." Das gilt auch für mögliche Schadstoffe wie alte, heute nicht mehr gängige Baustoffe, Trockenbauwände, Glaswolle oder auch Leuchtstoffröhren, die beim vorherigen Entrümpeln und Entkernen abmontiert worden sind. Alles musste raus vor dem Abriss, Kabel, Rohre, aber auch zurückgelassene Bücher, die Teppiche, bis hin zu einem indianisch anmutenden Gipskopf, der neben einem Haufen Alurahmen eines ehemaligen Gewächshauses steht.

Bis Ende Oktober beziehungsweise Anfang November werden Schirmer und sein Team noch mit dem Abriss zu tun haben, inklusive der Keller und Untergeschosse. "Um die Anwohner so wenig wie möglich zu belasten, arbeiten wir von hinten nach vorne", so Schirmer. "Die Gebäude an der Straße sollen so lange wie möglich als Lärmschutz wirken", erklärt dazu Nadine Busch, eine der beiden Projektleiter bei der GeRo Real Estate, die das neue Quartier entwickelt. Gegen die Staubentwicklung beim Abriss der Betondecken und -wände, die dabei nahezu pulverisiert werden, wird viel Wasser eingesetzt werden.

Wenn es dann um die direkt an der Erich-Ollenhauer-Straße gelegenen Gebäude und die beiden bereits leerstehenden Wohnhäuser links davon geht, werden zum Schutz vor herabfallenden Ziegeln oder ähnlichem mit Hilfe eines Autokrans großflächig Planen aufgespannt werden. Ähnliche Vorkehrungen wird es beim Abriss am rechten Geländerand geben. "Wir versuchen bestmöglich alle gesetzlichen Vorgaben einzuhalten", betonte Projektleiter Emanuel Werner,

Wie berichtet, sollen in acht Mehrfamilienhäusern 98 Wohnungen entstehen, 23 davon im vergünstigten Segment. Neben begrünten Dächern wird es Rad- und Fußwege, Quartiersplätze und zwei Spielplätze geben. Ein mit der Stadt entwickeltes Mobilitätskonzept sieht 126 Autostellplätze in einer Tiefgarage vor, dazu kommen oberirdisch neun Besucherparkplätze. Fast 150 Fahrradabstellplätze sind auf die Tiefgarage und vor den Häusern verteilt. Carsharing soll es geben und Möglichkeiten für E-Mobilität (Pedelecs und Pkw) sowie Anreize, um den ÖPNV zu nutzen.

Schon jetzt sind am hinteren Rand der Baustelle 150 Nistkästen für Vögel und Fledermäuse installiert worden. Genauso viele soll es für den Artenschutz im späteren Quartier geben.

Nach dem Abriss kommt die Baugrube

Sind die Abrissarbeiten erledigt, stehen die Erdarbeiten an, also der Aushub der großen Baugrube. Dafür wird auf dem Abschnitt die Erich-Ollenhauer-Straße extra abgestützt werden, damit nichts nachgibt. "Wir gehen davon aus, dass wir 2024 fertig werden mit unserem Projekt," so Friedhelm Samuel vom Vorstand der GeRo. Engpässe beim Materialnachschub wegen der CoronaPandemie in den Lieferketten machen ihm keine allzu großen Sorgen. "Beim Bauholz gibt es Entspannung. Ansonsten haben wir Zeitpuffer in der Planung", so Samuel beim Ortstermin. Was die Baustelle betrifft, auf der in der Regel montags bis freitags zwischen 7 und 18 Uhr gearbeitet wird, so bleibt es bei der jetzigen Zufahrt. "Hier ist so viel Platz, dass die Lkw problemlos auf dem Gelände rangieren können und dafür den Straßenraum nicht brauchen", erklärt Werner. Wenn die Schule wieder losgeht, werde man aber sicherheitshalber dafür sorgen, dass der Radverkehr für die Schulkinder hinten herum über "An der Billwiese" geleitet werden wird. Von Gabriele Calvo-Henning

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