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Problem oder Perspektive?

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Von: Stefanie Heil

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Der Antrag der CDU, die Pläne zur Entwicklung von Bommersheim Süd aufzugeben, ist von den Stadtverordneten mehrheitlich abgelehnt worden. Das gilt auch für einen Vorstoß der Grünen, die noch zwei andere Flächen in den Blick genommen hatten.

Das Ergebnis war ebenso vorherzusehen wie der Inhalt der Diskussion: Mehrheitlich haben die Stadtverordneten in ihrer Sitzung am Donnerstagabend den CDU-Antrag, die Pläne zum Wachstum in Bommersheim Süd aufzugeben, abgelehnt. Außer den Christdemokraten konnte sich keine Fraktion für den Vorstoß erwärmen. Über einen Änderungsantrag der FDP wurde mit Verweis auf die Geschäftsordnung nicht abgestimmt, da er die Zielrichtung des ursprünglichen Antrags verändert hätte. Die Liberalen hatten angeregt, eine Bebauung von Bommersheim Süd so lange zu verschieben, bis eine entsprechende soziale und verkehrliche Infrastruktur gegeben ist.

Bommersheim Süd sei eines der umstrittensten Themen im laufenden Bürgermeister-Wahlkampf geworden, sagte CDU-Fraktionsvorsitzender Jens Uhlig. Sein rhetorisches „Warum?“ quittierte das Plenum mit Lachen, hatten CDU und Junge Union (JU) das Thema doch selbst aufs Tapet gebracht. Wie berichtet, war über Tausende neue Bürger spekuliert worden, die JU hatte daraufhin auf Flugblättern gegen „Beton-Monster“ in Bommersheim Süd gewettert.

„Oberursel braucht im Moment keine großflächigen Entwicklungsflächen“, sagte Uhlig in der Begründung des Antrags, mit dem die CDU „Klarheit“ schaffen wolle. Teil des Antragstextes war auch, bei der Neufassung des Regionalen Flächennutzungsplans Bommersheim Süd gegen andere Entwicklungsflächen zu tauschen, sofern Entwicklungsbedarf an anderer Stelle bestehe. Alternative Flächen konnte aber weder die Union noch eine andere Fraktion benennen.

„Ängste geschürt“

Bommersheim habe jetzt schon Probleme mit dem Verkehr, sprach Uhlig ein Infrastrukturproblem an. Weiteres Argument der Christdemokraten: „Hier steht strategisch und langfristig die Eigenständigkeit der Stadt auf dem Spiel“, sagte der Fraktionschef. Nach Lesart der Union könnte eine räumliche Annäherung an Frankfurt in der Großstadt Begehrlichkeiten nach Eingemeindung wecken. „Wir wollen keinen Regionalkreis und kein Stadtteil von Frankfurt werden“, sagte Uhlig.

„Da werden Ängste geschürt“, entgegnete Andreas Bernhardt (OBG) in Bezug auf das Frankfurt-Argument. Er warb dafür, sich die Option in Bommersheim offenzulassen. Ein Argument, dem außer der Union alle Fraktionen folgten.

„Ich habe immer gesagt, dass Bommersheim Süd eine Potenzialfläche ist“, betonte Bürgermeister Hans-Georg Brum (SPD). „Hier wird es intensive Diskussionen geben, die Sie mit Ihrem Antrag abschneiden wollen“, sagte Brum in Richtung CDU-Fraktion und kündigte mit Blick auf eine mögliche weitere Amtszeit an: „Ich werde in den nächsten sechs Jahren keine Entwicklung von Bommersheim Süd anstoßen.“ Brum sprach von einer Perspektive auf 30 Jahre und erinnerte daran, dass die Fläche schon seit Jahrzehnten als Bauerwartungsland gelte.

Brums Parteikollege, SPD-Fraktionschef Dr. Eggert Winter, sprach von einem nicht durchdachten Antrag, der „schädlich“ für Oberursel sei. Würde der CDU-Antrag beschlossen, fielen nicht nur Wohn-, sondern auch Gewerbeflächen weg. „Wir haben in der Hand, ob und wie viel wir bauen“, sagte Winter.

Katja Adler (FDP) zeigte sich zwar einerseits besorgt in Sachen Infrastruktur, sah andererseits in Bommersheim Süd auch eine Chance für den Ort, in dem es derzeit bekanntlich keinen Lebensmittelmarkt gibt. Heißt: Mehr Einwohner könnten dazu führen, dass sich wieder Geschäfte ansiedeln.

Eine Debatte über die Grenzen des Wachstums sei bei einer Novellierung des Regionalen Flächennutzungsplans sicher sinnvoll, sagte Grünen-Fraktionschefin Christina Herr. Allerdings könne sich Oberursel nicht aus dem Ballungsraum ausklinken und „Mauern ziehen“. Sollten alternative Entwicklungsflächen gesucht werden, müsse sich die Politik fragen, wo die verkehrliche Anbindung besser und die ökologische Belastung geringer seien als in Bommersheim Süd.

Nicht bebauen wollen die Grünen die Gebiete Kammerpfad und Holzhöhlchen in Stierstadt. Sie hatten einen Antrag gestellt, diese Areale aus dem Regionalen Flächennutzungsplan zu streichen und sie für Naherholung und Landwirtschaft zu erhalten. „Ohne den CDU-Antrag hätte es diesen Antrag nicht gegeben“, gab Herr zu. Doch auch dieses Ansinnen wurde abgelehnt. Nur der Vertreter der Linken, Ingmar Schlegel, stimmte mit den Grünen dafür.

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