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Noch kann hier gekickt werden, doch die Stadt möchte auf dem Fußballfeld Wohnungen bauen. Dagegen haben jetzt Weißkirchener eine Online-Petition gestartet. Archivfoto: Jochen Reichwein

Bauprojekt

Protest gegen Wohnungsbau: Anwohner starten eine Online-Petition

Lieber Sportplatz als Wohnungen, so sehen das einige Weißkirchener, wenn die Sprache auf das geplante Bauprojekt Oberurseler Straße kommt. Jetzt gibt es dazu sogar eine Online-Petition.

Der Titel ist ganz schlicht gewählt. „Rettet die Weißkirchener Sportplätze“ lautet der Name der Online-Petition, die Robert Siemens am 18. Januar, auf der Internet-Plattform openpetition.de gestartet hat. Siemens, dessen Familienbetrieb sich in der Oberurseler Straße befindet, reagiert damit auf die Pläne der Stadt, dort den südlichen Sportplatz mit Wohnhäusern bebauen zu wollen.

Wie bereits mehrfach berichtet, sollen auf dem südlichen der zwei Fußballfelder des FC Weißkirchen Wohnungen entstehen. Geplant ist auf der Fläche von rund 9300 Quadratmetern Mehrfamilienhäuser und sieben Reihenhäuser, jeweils Vollgeschosse mit Staffelgeschoss, zu bauen. Zum Ausgleich für die verlorene Fläche soll der FC Weißkirchen auf dem verbliebenen Sportplatz Kunstrasen und eine Flutlichtanlage bekommen.

Schon jetzt überlastet

„Unbestritten ist, dass im Rhein-Main-Gebiet bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden muss und damit auch Aufgaben auf die Stadt Oberursel zukommen“, schreibt Robert Siemens zur Begründung für die Petition. „Die absehbare Parkplatznot zusammen mit dem heute schon durch erheblichen Lkw-Lieferverkehr in das angrenzende Gewerbegebiet überlasteten Oberurseler Straße wird zu nicht hinnehmbaren Verkehrs-, Lärm- und Umweltbelastungen führen“, ist sich Siemens sicher. Sein Bruder Jan, der ebenfalls in der Firma arbeitet, ergänzt: „Schon morgens rollt hier der Schwerverkehr, weil Waren angeliefert werden. Doch die Straße ist zu eng, die Laster haben ein Durchfahrtsverbot für den unteren Teil und müssen in der Stichstraße zwischen den Sportplätzen wenden“, erläutert er. „Wenn sich die Parkplatzsituation durch die Autos der neuen Anwohner weiter verschärft, dann können wir bald nicht mehr beliefert werden. Und wir sind nicht die einzigen Gewerbetreibenden, die betroffen sind“, fürchtet er. Hinzu kämen dann noch die eingeschränkten sportlichen Aktivitäten in seinem Stadtteil, sowie den umweltbelastenden Kunstrasen und fehlenden Schallschutz für die Anwohner. „Alles gute Gründe gegen das Projekt“, findet Jan Siemens.

Derzeit haben bereits 295 Menschen die Petition unterstützt, die noch zwei Monate lang läuft. Auf der Seite wurden bereits 109 Kommentare hinterlassen, in denen die Bürger ihre Gründe gegen das Projekt formulieren. Wie zum Beispiel: „Wir können nicht alles zubauen! Der Straßenverkehr in Weißkirchen ist jetzt schon eine Katastrophe.“ Oder: „Als Oberurseler Bürger spreche ich mich gegen das weitere Zubetonieren von Grün- und Freizeitflächen in meiner Stadt aus. Die Lebens- und Freizeitqualität muss erhalten bleiben.“

Ein anderer schreibt: „1. Reihenhäuser sind kein sozialer Wohnungsbau. 2. Die Wohndichte und Verkehrsbelastung in Weißkirchen ist schon jetzt sehr hoch. 3. Sportplätze sind wichtig, vor allem für die Jugend und müssen dringend erhalten bleiben. Ähnlicher Auffassung ist auch dieser Unterstützer: „Hauptsächlich ist natürlich der Erhalt der Sportplätze an sich, aber auch die angeschlossenen Parkplätze sind für viele Angestellte der umliegenden Unternehmen in der Oberurseler Straße und dem übrigen Gewerbegebiet enorm wichtig, da sie die einzige Parkmöglichkeit darstellen.“

Zur Kenntnis genommen

Bürgermeister Hans-Georg Brum (SPD) hat die Petition bereits zur Kenntnis genommen. „Das Grundstück wurde uns vom FC Weißkirchen angeboten“, betont Brum nochmals. „Aber es ist eine Erfahrung, die viele Kommunen machen, dass einerseits ein Bedarf an Dingen festgestellt wird, in diesem Fall bezahlbarer Wohnraum, andererseits aber keiner einen konstruktiven Vorschlag dazu macht“, stellt der Rathauschef fest.

Das Argument vieler Projektgegner, es gehe bei der Realisierung gar nicht um günstige Wohnungen, weist Brum strikt zurück. „Es werden wahrscheinlich rund 70 Prozent Mietwohnungen entstehen, die wir gemeinsam mit einer Wohnungsgenossenschaft und unter Einbeziehung der Sewo bauen“, so der Rathauschef. Auch die Bedenken zur Parkplatzsituation versucht er zu zerstreuen. „Es ist eine Tiefgarage für Mieter geplant und für die preiswerteren Wohnungen sollen Parkplätze auf dem Gelände entstehen.“ Außerdem, so kündigt Brum an, soll es eine informelle Bürgerbeteiligung geben, bei der die Planungsansätze vorgestellt werden.

von CHRISTINE SARAC

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