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Treffen alter Weggefährten: Ralph Kister vom 1. FC Oberursel (links) und der frühere Sportschau-Moderator Holger Obermann.

Fußball

Ralph Kister: Bei „Mr. Sportschau“ fing alles an

Ralph Kister ist einer der Spieler, mit dem der 1. FC 04 Oberursel viel Positives verbindet. Jetzt möchte er den Verein in anderer Funktion wieder auf Vordermann bringen.

Wiedersehen macht einem alten deutschen Sprichwort zufolge bekanntlich Freude – und diese Freude war beiderseits erkennbar, als sich Ralph Kister und Holger Obermann beim „Markt der Möglichkeiten“ des Kreisfußballausschusses Hochtaunus im Foyer des Rilano-Hotels begegnet sind.

Die gemeinsame Vergangenheit des Spielausschussmitglieds beim A-Liga-Aufsteiger 1. FC 04 Oberursel und des aus seiner Sportschau-Zeit bundesweit bekannten Sportjournalisten aus Friedrichsdorf liegt schon eine ganze Weile zurück, und auch deshalb ist die Begegnung ganz besonders herzlich ausgefallen.

Rückblende ins Jahr 1975: Ralph Kister, der ein Jahr zuvor als C-Jugendlicher bei der Frankfurter Eintracht mit dem Fußballspielen begonnen hatte, bekam mit Holger Obermann in der B-Jugend des Bundesligisten einen neuen Coach. „Sein abwechslungsreiches Training war im Rückblick das Beste, was ich im Laufe meiner Karriere erleben durfte. Dafür bin ich ihm bis auf den heutigen Tag dankbar“, verteilte Kister beim Treffen in Oberursel ein sowohl großes als auch ehrlich gemeintes Kompliment an den inzwischen 81-jährigen Obermann. Der Fußball-Globetrotter setzt sich mit seinem Nepal-Projekt auch in hohem Alter unermüdlich für den Sport ein und die Menschen, die ihn betreiben.

Kister ist vielen Fans in der Taunusregion aus seiner Zeit beim 1. FC 04 Oberursel und beim FC Weißkirchen noch in bester Erinnerung. 1978 wechselte er von Eintracht Frankfurt als Jugendlicher zur Spvgg. 05 Oberrad, wo er ein Jahr später in den Erstmannschaftskader des damaligen Bezirksligisten berufen wurde. Zu dieser Zeit war das die fünfthöchste deutsche Spielklasse. 1979/80 war dann wohl die erfolgreichste Saison des gelernten Stürmers. Mit 18 Toren war er in der Spitzengruppe der Torjäger zu finden und machte auf sich aufmerksam, obwohl seine Mannschaft der SG Westend den Abstieg nicht verhindern konnte.

FC Oberursels damaliger Trainer Reinhart Odekerken nahm den schnellen Kister 1981 mit Kusshand auf. Nach einigen Jahren der Bezirksligazugehörigkeit wurde aus dem Stürmer nach dem Abstieg 1985 dann ein guter Vorstopper. Im Meisterschaftsjahr 1986/87 kam kein gegnerischer Stürmer gegen ihn zu einem Torerfolg.

Bedingt durch einen Schien- und Wadenbeinbruch folgte eine fast einjährige Zwangspause, die Kister aber nicht entmutigte. Nach seinem Comeback auf der Stierstädter Heide folgte 1989 der Wechsel zum Ligakonkurrenten und Lokalrivalen FC Weißkirchen. Kister und Co. wurden auf Anhieb Meister der Kreisliga A und stiegen mit 43:13 Punkten und sieben Zählern Vorsprung vor der DJK Bad Homburg in die Bezirksliga Frankfurt auf.

Nach dem sofortigen Abstieg wechselte Kister 1991 als Libero zur FG Seckbach, um ein Jahr später wieder zum 1. FC 04 Oberursel zurück zu kehren, dem er bis heute die Treue hält. Kister ist seit knapp 20 Jahren glücklich liiert mit seiner Susann und schaut als Mitarbeiter einer Versicherungsmaklerbüros in Königstein einer sorgenfreien Zukunft entgegen.

„Meine schönsten Jahre als Fußballer habe ich auf der Stierstädter Heide verbracht“, blickt der Orscheler auf seine Karriere zurück. Welche Ereignisse ihm in all den Jahren im FC-Trikot besonders in Erinnerung geblieben sind? „Zweimal bin ich Meister geworden, wobei die Meisterschaft damals im Entscheidungsspiel gegen Kronberg in Steinbach vor mehr als 2000 Zuschauer das Größte war“, erzählt Ralph Kister. „Vergessen möchte ich aber auch nicht die Spiele gegen die sogenannten Reservemannschaften der Bundesligaclubs Eintracht Frankfurt und Kickers Offenbach. Hier habe ich gegen den Nationalspieler und Europameister Dieter Müller gespielt. Er hat zwar damals vier Tore gegen mich geschossen, aber ich durfte mich auch zweimal als Torschütze feiern lassen.“

Im Alter von 42 Jahren hat Kister schließlich 2002 seine aktive Karriere beendet. Anschließend waren nur noch die Alten Herren des FC 04 Oberursel gefragt, bei denen er bis heute noch seinen Mann steht. Hallenturniere in Simmern, wo man seinerzeit das Endspiel gegen Ex-Nationaltorhüter Uli Stein und dessen Traditionself (unter anderem mit Bernd Hölzenbein und Horst Eckel) nach Siebenmeterschießen verlor, gehören in diesem Abschnitt ebenso zu den Höhepunkten wie die Teilnahme am Alte-Herren-Supercup 2008 in Troisdorf. Oberursel schied im Achtelfinale unter 32 Mannschaften (wie FC Bayern München, Hertha BSC und der SG Hoechst classique) aus.

Aus der jüngeren Vergangenheit sind die Fahrten der FCO-Oldies in Bad Homburgs Partnerstadt Mayerhofen erwähnenswert, denn das dortige internationale AH-Turnier haben die Kicker aus dem Taunus seit 2013 bereits viermal gewonnen – zuletzt in diesem Jahr, nachdem der Vereinsname beim Amtsgericht von 1. FC 04 Young Boys Oberursel wieder in 1. FC 04 Oberursel geändert worden war.

Seit der Jahreshauptversammlung 2017 ist Ralph Kister im Spielausschuss des FC 04 zusammen mit Götz Remy und Andreas Homm tätig. Mit Unterstützung dieses Trios ehemaliger Legenden aus der Vereinshistorie will man wieder an ruhmreichere Zeiten des Fußballs in Oberursel anknüpfen. Mit dem Aufstieg in die Kreisliga A Hochtaunus ist der erste Schritt dazu bereits gemacht worden.

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