Der Bagger frisst sich durch den Geländestreifen am Baugebiet Neumühle.
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Der Bagger frisst sich durch den Geländestreifen am Baugebiet Neumühle.

Neubaugebiet Neumühle in Oberursel

Rodungsarbeiten am Erdwall beginnen

  • VonGabriele Calvo Henning
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Belasteter Gewässerrandstreifen im Baugebiet Neumühle in Oberursel muss wegen Bodenbelastung saniert werden

Oberursel -Eigentlich sollte der mit Bäumen und Sträuchern dicht bewachsene Randstreifen des Urselbachs an der Baustelle "Neumühle" am Zimmersmühlenweg erhalten bleiben. Jetzt muss er doch gerodet und abgetragen werden. Nachdem der für Montag angekündigte Beginn der Arbeiten verschoben werden musste, nahm gestern ein Bagger seine Arbeit am Randstreifen auf.

Diese zusätzlichen Arbeiten hätte sich der Investor "Neumühle Oberursel GmbH", eine eingetragene Tochter des Frankfurter Bauentwicklers Pecan Developement, gerne erspart. Allein, weitere Bodenproben hatten an dieser Stelle Belastungen durch Schwermetalle gezeigt, so dass nun auch der wallartige Gewässerrandstreifen in die umfassenden Bodensanierungsmaßahmen des drei Hektar großen Areals einbezogen werden muss.

"Dass der Boden ausgetauscht werden muss, das ist für uns nicht toll, auch weil es sehr aufwendig ist. Aber wenn es Belastungen gibt, dann müssen wir da jetzt ran", erklärt Markus Brod, geschäftsführender Gesellschafter von Pecan Developement. Die Maßnahme sei mit dem Regierungspräsidium (RP) und Behörden für Gewässer-, Boden- und Umweltschutz genauestens abgestimmt. Auf lange Sicht sei es besser, jetzt tätig zu werden, damit es für das künftige gemischte Quartier mit Wohnen, Gewerbe, Erziehungs- und Bildungsangeboten auf dem Areal keine Belastungen gebe, so Brod. Glücklich mit der Rodung sei man aber nicht. Lieber hätte man den über Jahrzehnte bewachsenen Wall so erhalten, wie er ist.

Ortstermin auf der Baustelle kurz vor dem Beginn der Rodungsarbeiten mit Pecan-Projektleiter Philipp Struth, der auf die etwa 200 Meter Gewässerrandstreifen zeigt, um die es geht. Heute könne man weder nachvollziehen, wann genau der Wall beziehungsweise die Uferböschung entstanden, noch mit welchem Material diese aufgeschüttet worden seien. Bei der Pecan vermutet man allerdings, dass der Wall mit bereits belastetem Material angelegt worden sei, als hier in den 1930er und 40er Jahren noch eine Bronzefabrik stand oder später zur Zeit der Glashütte "Hessenglas".

Kein Erdreich soll

in Urselbach gelangen

Wie auch immer, jetzt muss das Erdreich in unterschiedlicher Stärke, je nach nachgewiesener Belastung, abgetragen und fachgerecht entsorgt werden. Dafür werden im ersten Schritt Bäume und Sträucher oberhalb der Wurzeln gefällt beziehungsweise abgeschnitten und wegtransportiert, wie Struth erklärt. Danach werden die Wurzeln so entfernt, dass kein belastetes Erdreich in den Urselbach gelangt. "Wir können die Wurzel nicht einfach aus dem Boden reißen. Da müssen wir vorsichtig vorgehen", so der Projektleiter. Erst danach können die eigentlichen Erdabtragungen samt Entsorgung beginnen. Die Maßnahme wird mindestens bis Mitte Februar dauern.

Klar ist, dass mit dem Verlust von Bäumen auch Nistmöglichkeiten für Tiere wie beispielsweise Fledermäuse verschwinden, und zwar sowohl die natürlichen Nisthöhlen in den Stämmen wie auch die 100 Nistkästen, die hier zuvor aufgehängt worden sind, um einen Ausgleich für weggefallene Nistmöglichkeiten auf dem eigentlichen Baugelände zu schaffen. Die 100 Kästen sind bereits an anderer Stelle in der Nähe wieder aufgehängt worden. Weitere neue Nistkästen sollen demnächst dazukommen, um für die neue Nistsaison 2022 bereitzustehen. Flankiert wird die gesamte zusätzliche Sanierungsmaßnahme von einer ökologischen Baubegleitung.

Extra Anpflanzungen als Ausgleich für die jetzt zu rodenden Flächen sind nicht vorgesehen. Das sei aus dem Grund nicht notwendig, weil nach einem Wiederaufbau mit unbelastetem Material eine Bepflanzung der dann neuen Uferböschung vorgesehen sei, so Struth. Das sei dem RP sehr wichtig gewesen und werde auch genau so durchgeführt.

Dabei ist allerdings auch klar, dass es noch eine lange Zeit dauern wird, bis der alte, urwüchsige Charakter des Streifens auch nur annähernd wiederhergestellt ist. Das weiß man auch bei der Pecan. "Die Wiederaufforstung geht nicht von jetzt auf gleich, dennoch ist es wichtig, dass sie stattfindet, denn das Grün hält schließlich die neue Erde an Ort und Stelle", so Gesellschafter Markus Brod.

Von Gabriele Calvo Henning

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