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So sehen die Auflieger vor dem Aufbau aus.

Riesenrad mit SIM-Karte

Schausteller haben zum Brunnenfest ein hochmodernes Fahrgeschäft aufgebaut

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Nach zwei Jahren Pause gibt es beim Oberurseler Brunnenfest wieder ein Riesenrad. Der Schaustellerbetrieb von Robert Gormanns aus Rostock hat auf dem Festplatz Bleiche sein Fahrgeschäft aufgebaut – eines der modernen Generation.

In der Nacht zum Mittwoch sind sie gekommen. Aus Luckenwalde bei Berlin, vom letzten Fest. Sind mit drei Transportern in die Oberurseler Altstadt gefahren und haben die Auflieger – je 44 Tonnen – am oberen Ende der Bleiche nebeneinander gestellt. Viel Platz brauchen sie in die Höhe, sind die Männer vom Schaustellerbetrieb Robert Gormanns aus Rostock doch mit einem 38-Meter-Riesenrad angereist.

Auf dem Boden sind sie platztechnisch ziemlich genügsam. „Vor dem Geschäft brauche ich fünf Meter, daneben drei“, sagt Brian Sock, als Geschäftsführer der verantwortliche Mann am Riesenrad. „Gut geeignet für kleine Festplätze“, meint Klaus-Peter Hieronymi, der sich aufseiten der Stadtverwaltung um den Rummelplatz beim Brunnenfest und die Schausteller kümmert.

Hieronymi zeigt sich begeistert von dem Riesenrad, mit dem die Mecklenburger in den Taunus gekommen sind, ist es doch ein ganz modernes, das mit vergleichsweise wenig Aufwand aufgebaut werden kann. „Fabrikneu“, sagt Sock, obwohl sich das etwa zwei Millionen Euro teure Fahrgeschäft schon auf ein paar Veranstaltungen gedreht hat.

Am Mittwochvormittag macht sich Sock mit seinen vier Kollegen an den Aufbau. Fünf Leute, das reicht. Einen großen Kran brauchen sie nicht. Die Moderne ist auch in der Schaustellerei angekommen. Im Wesentlichen mit Hydraulik und Elektronik wird aus dem, was im Transportmodus nach Riesen-Stahlklötzen aussieht, die Rummel-Attraktion. „Das ist auch für die Anwohner gut“, meint Hieronymi, denn der moderne Aufbau macht weniger Lärm als der herkömmliche.

„Mit der Hydraulik lassen sich die Teile anheben und verschieben, nach rechts und links, vor und zurück“, sagt Sock, während er um die Auflieger läuft, kurz stehen bleibt, in die Hocke geht und auf die Stahlteile zeigt. Die Auflieger setzt sein Team mit Stahlbolzen und Stahlschrauben zusammen. Das muss sitzen. „Die Schrauben werden mit 1000 Newton angezogen“, sagt Sock und hilft der Vorstellungskraft mit einem Vergleich: „Einen Pkw-Reifen ziehen Sie mit 120 Newton fest.“

Den Aufbau steuert der 27-Jährige von einem kleinen Pult aus. Die Masten werden hydraulisch ausgeklappt, nachdem die Achse mit einem Ladekran montiert wurde. Die Speichen werden mit zwei Seilwinden angezogen, während zwei weitere Seilwinden das Rad zurückziehen. 26 Speichen gibt es, für jede Gondel eine. Die Gondeln, in denen je sechs Fahrgäste Platz finden, werden von Hand eingehängt. Oder besser: von acht Händen. Denn bei den Gondeln müssen alle vier starken Männer gleichzeitig anpacken.

Nach etwa zwölf Stunden Arbeit steht das Riesenrad am Donnerstagvormittag. Das Okay zum Betrieb gibt heute die Bauaufsicht, die sich alle Fahrgeschäfte ansieht. Dann kann sich Gormanns’ Riesenrad auf dem Rummel drehen. Im Kassenhäuschen steht ein Computer, der den Betrieb steuert: wann ein Halt fällig ist, damit Leute einsteigen können, wann und wie lange es weiterfährt.

Und wenn es ein Problem gibt, dann gibt es Hilfe aus den Niederlanden. Dort, in Heerenveen, sitzt die Firma Mondial, die das Fahrgeschäft gebaut hat. Und die muss im Falle eines Falles niemand gen Oberursel losjagen. Denn sie kann sich, wenn gewünscht, aus der Ferne übers Netz aufschalten. Denn das Riesenrad hat, wie ein Smartphone oder iPad, eine SIM-Karte.

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