Schlechte Noten für die Planer

  • VonMichael Neumann
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Der BUND-Kreisverband Hochtaunus sieht die Oberurseler Stadtentwicklung auf dem falschen Weg. Acht Bebauungspläne lagen der Organisation seit Dezember vergangenen Jahres zur Stellungnahme vor, die meisten von ihnen werden vom BUND kategorisch abgelehnt.

Bei der Bewertung aktueller Bebauungspläne gibt’s von Dr. Claudia von Eisenhart Rothe, der Vorsitzenden des BUND-Kreisverbandes, ausschließlich schlechte Noten. Ihre Kritik: „Oberursel plant sensible Bauten in verlärmten Arealen und in Überschwemmungsbereichen. Eine Schule für Kinder mit Behinderungen wird am Stadtrand in den Lärm der Autobahn gesetzt, ein Haus für Menschen mit Beeinträchtigungen soll auf kontaminiertem Gelände in einem Feuchtgebiet entstehen, und eine Schluchtenbebauung ist fürs Rompel-Areal geplant.“

Beim Bau der Hans-Thoma-Schule an der Mainstraße befürchten die Umweltschützer eine von der A 661 ausgehende starke Lärmbelästigung. Eine Lärmschutzwand sei aus Platzgründen nicht möglich, unterrichtet werden könne wohl nur bei geschlossenem Fenster. Das Außengelände werde von einem Lärmteppich überzogen. „Pikant ist, dass der Dampfbahnclub das vom Lärm abgeschirmte Gelände neben der Schule bekommen soll, als Puffer für die Wohnbereiche“, kritisiert von Eisenhart Rothe.

Gegen europäisches Wasserrecht verstößt nach Ansicht des BUND der Plan, das neue St.-Hedwigs-Wohnheim für behinderte Menschen des St.-Vinzenzstiftes am St.-Hedwigs-Weg im Überschwemmungsbereich des Urselbaches zu bauen. Um bei Überschwemmungen den Neubau nicht zu gefährden, müsse ein Staukanal gebaut werden. Dazu müsse ein Schutzwald gerodet werden.

Boden kontaminiert

Zudem seien auf dem Gelände erhöhte Werte an Blei, Kupfer und Polyzyklischen Aromaten in der Erde gefunden worden, der kontaminierte Boden müsse teuer entsorgt werden. „Wir haben Kontakt zum St.-Vinzenzstift aufgenommen, um aufzuzeigen, welche Entsorgungskosten und naturschutzrechtlichen Probleme hier lauern“, sagt von Eisenhart Rothe.

Beim Rompel-Areal wird nach Ansicht des BUND gegen gesetzliche Vorgaben der Hessischen Bauordnung verstoßen. Weder Durchlüftung noch Belichtung oder Zufahrtswege für die Feuerwehr seien ausreichend dimensioniert. Die Schluchtenbebauung werde nach der Kettenfassade des Sporthauses Taunus der Innenstadt den nächsten Gestaltungsschlag versetzen. Von Eisenhart Rothe: „Gravierend ist auch, dass nicht genug Parkplätze geschaffen werden und sich der Investor freikaufen kann.“

Bekannt ist schon lange die Kritik des BUND am Bebauungsplan für Borngrund in Stierstadt. „Hier wird der ungehemmte Flächenverbrauch in Oberursel noch gekrönt“, sagt die BUND-Vorsitzende. Der Verkehrskollaps in diesem Bereich sei programmiert. Das gehe aus dem Verkehrsgutachten hervor. 32 000 Quadratmeter Streuobstwiese und landwirtschaftliche Fläche gingen verloren.

(new)

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