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Derby-erfahren: Maurice Privat, langjähriger Trainer des 1. FFV Oberursel (rechts), und Thorsten Strebel, damals Coach bei der FSV Usinger Land, begrüßen sich vor dem Spiel.

Frauenfußball

„Der FFV hat sich erstaunlich entwickelt“

Nach 14 Jahren als Trainer beim 1. FFV Oberursel hat Maurice Privat viel zu berichten. TZ-Sportreporter Robin Kunze hat sich mit ihm unterhalten.

Ein wenig ist Maurice Privat zu seinem Trainerposten beim 1. Frauenfußballverein (FFV) Oberursel wie „die Jungfrau zum Kinde“ gekommen. Vor 14 Jahren zog sich der damalige Trainer, sein Vater Klaus, nach dem Aufstieg in die Landesliga zurück und übergab den Staffelstab an seinen Sohn. Neben Maurice sind auch dessen Bruder Jerome und Schwester Chantal als Betreuer im Verein aktiv. Mitspielen möchte Chantal aktuell nicht, zudem gingen sechs weitere Leistungsträger vor der Saison. Vor dem Gruppenliga-Derby gegen die FSG Usinger Land (heute, 17 Uhr) steht der FFV noch ohne Punkt da. In Panik gerät Maurice Privat deswegen nicht. Im Gegenteil. „Aktuell macht mir das Arbeiten mit der Mannschaft sehr viel Spaß“, betont er. Dank ausgezeichneter Jugendarbeit rücken immer wieder Talente nach.

Herr Privat, denken Sie dieser Tage noch an die verpasste Aufstiegsrelegation aus der Vorsaison?

MAURICE PRIVAT: Ich bin gedanklich komplett in der aktuellen Saison. Die verpasste Relegation habe ich recht schnell abgehakt. Es war nach außen auch ein größeres Thema als bei uns intern. Im Jahr zuvor wären wir fast abgestiegen und wollten daher nichts mit dem Abstieg zu tun haben. Dieses Ziel haben wir sehr gut erfüllt.

Bei den Männern monieren Verantwortliche immer wieder die mangelnde Einstellung der Spieler und einen gesunkenen Stellenwert des Sports. Wie sieht es bei den Frauen aus?

PRIVAT: Man muss das Generelle vom Besonderen unterscheiden. Generell hat sich unsere Gesellschaft gewandelt. Das Vereinsleben der Achtziger und Neunziger ist heute nicht mehr ganz so gegeben. Aber diese ,Wenn ich da bin, bin ich da‘ Mentalität der Fußballer kann ich nicht unterschreiben. Wir haben regelmäßig 22 bis 30 Spielerinnen der 1. und 2. Mannschaft im gemeinsamen Training. Mir ist allerdings bewusst, dass dies nicht überall so ist.

Sie trainieren in der 14. Saison den FFV. Wie hat sich der Club entwickelt?

PRIVAT: Er hat sich in der Tat erstaunlich entwickelt. Es gab anfänglich einige Zweifler, die wir längst hinter uns gelassen haben. Zunächst gab es ja nur eine Mannschaft, einen Präsidenten und einen Trainer. Es hat dann viele helfende Hände gebraucht, aber heute sind wir mit zwei Damen-Teams und einer durchgängig besetzten Jugendabteilung sehr gut aufgestellt.

Und wie hat sich der Frauenfußball im Allgemeinen entwickelt?

PRIVAT: Der Frauenfußball hat die Entwicklung genommen, die er letztlich nehmen musste, um endlich ernst genommen zu werden. Früher wurden Frauen für den Sport noch belächelt. In Sachen Technik und Taktik wurden große Schritte gemacht. Kurz gesagt: Heute ist der Frauenfußball schöner, strukturierter und schneller.

Gibt es für Trainer Unterschiede, die es in der Zusammenarbeit mit Frauen zu beachten gilt?

PRIVAT: Meiner Meinung nach ja. Die Ansprache und der generelle Umgang sind anders als bei den Männern. Unser Torwarttrainer Heiko Renowitzki kam beispielsweise aus dem Herrenbereich. (lacht) Er ist ein sehr herzlicher und direkter Mensch, aber der eine oder andere flapsige Kommentar im Training hat anfänglich bei den Damen mehrere Tage für Gespräche gesorgt, da solche Dinge sensibler aufgenommen werden als bei den Männern. Andererseits bekomme ich von Schiedsrichtern auch immer wieder gesagt, dass es bei Spielen der Frauen verbal viel sachlicher und fairer zugeht als bei den Männern. Wenn ich sonntags zu einem Spiel meines Bruders gehe, muss ich mich diesbezüglich auch erstmal wieder umgewöhnen.

Was für ein Spiel erwartet Sie gegen die FSG Usinger Land?

PRIVAT: In dieser Saison habe ich sie leider noch nicht spielen sehen. Der Vorteil sollte allerdings bei ihnen liegen, da sie mehr Erfahrung haben, schon länger zusammenspielen und sich punktuell verstärkt haben. Das heißt aber nicht, dass wir nicht alles geben, um die drei Punkte bei uns zu behalten.

Ihr Tipp?

PRIVAT: Ich wünsche mir einen knappen Sieg. Dann würden wir zwar nicht den Rasen rausreißen, da es ja unserer ist, aber feiern würden wir schon ein bisschen. Wenn es noch nicht mit dem Sieg klappt, würden auch nicht Tod und Trauer herrschen.

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