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Erhan Özkaratas (1. FC Oberursel, 3. v. l.) bejubelt mit Teamkameraden ein Tor auf der Stierstädter Heide.

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Als der Sportplatz "Stierstädter Heide" eine uneinnehmbare Festung war

Die "Stierstädter Heide" ist die Heimat des 1. FC Oberursel. 1952 war sie Schauplatz des größten Erfolgs der Vereinsgeschichte.

Das beliebte Naherholungsgebiet mit Heide-Charakter steht heute unter Naturschutz. Bis zur Eingemeindung der Gemeinde Stierstadt als Folge der Gebietsreform 1972 in die Stadt Oberursel war die „Heide“ Stierstädter Territorium. Daher musste von Beginn seines Bestehens an der 1. FC 04 Oberursel, Oberursels ältester Fußballverein, Pachtverträge mit Stierstadt abschließen, um dort auf einem Sportplatz seine Heimspiele austragen zu können.

Seit 1902 wird die Heide von Oberurseler Schulen für Turn- und Sportspiele genutzt. Ein Sportlehrer hatte mal eine runde Lederkugel mitgebracht, der einige wenige Interessierte gleich hinterherjagten. Mit Holzstangen aus dem nahen Wald wurden Tore errichtet. An Stöcken befestigte Taschentücher bildeten die Eckfahnen.

Der Fußballvirus hatte einige Individualisten gepackt, der 1. FC wurde 1904 gegründet. In den Folgejahren gab es immer wieder Streitigkeiten um die Pacht, so dass der Verein für seine Heimspiele von der Stierstädter Heide zuerst an die Steinmühle, später an die Hohemarkstraße ausweichen musste.

Unter französisch-englischer Besatzung wurden auf der Heide auch Turnfeste veranstaltet, wie zum Beispiel das Feldbergfest. Der Gipfel war in dieser Zeit nicht freigegeben. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde das Areal sogar als Flughafen benutzt, von 1949 bis 1952 auch von einem Segelflugklub.

1950 fand der 1. FC endgültig seine Heimat auf dem Platz auf der „Heide“. Ein neuer Pachtvertrag mit Stierstadt wurde geschlossen, die Anlage renoviert und eingezäunt. Schon zwei Jahre später, 1952, errangen die Oberurseler Kicker ihren bis heute größten Erfolg, den Gewinn des Hessenpokals. Der Platz auf der Heide wurde überregional bekannt als schwer einzunehmende Festung. Der FC war lange erfolgreich und empfing besonders gern den „großen Nachbarn“ aus Bad Homburg, die Spielvereinigung 05, die mit einigen empfindlichen Niederlagen wieder nach Hause zurückkehren musste. Für alteingesessene „Orscheler“ war dann die Auflösung ihres FC im Jahr 2003 eine bittere Pille.

Allerdings ging es als FC Young Boys Oberursel weiter, bis man sich im vergangenen Jahr mit neuem Vorstand wieder des alten Vereinsnamens annahm. Die Geschichte des 1. FC 04 Oberursel wird mit einem engagierten Team fortgeschrieben, bald in der Kreisliga A Hochtaunus. Allerdings wird es schwer werden, an alte Erfolge auf der „Heide“ wieder anzuknüpfen.

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