Dieses aktuelle Foto von oberhalb der Emminghaushütte illustriert gut, wohin es für den Stadtwald gehen könnte: Das dem Wald ureigene Verjüngungspotential soll mit klugen und gezielten Pflanzaktionen unterstützt werden.
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Dieses aktuelle Foto von oberhalb der Emminghaushütte illustriert gut, wohin es für den Stadtwald gehen könnte: Das dem Wald ureigene Verjüngungspotential soll mit klugen und gezielten Pflanzaktionen unterstützt werden.

Aufforsten

Stadtwald Oberursel muss umgebaut werden

  • VonGabriele Calvo Henning
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Forstexperten sehen zwar viele ernste Schäden, dennoch besteht Hoffnung auf Erholung für den Wald . Er muss artenvielfältiger und klimafester werden.

Keine Frage, dem Wald, auch dem Oberurseler Stadtwald, ist es schon mal besser gegangen. Drei Jahre hintereinander Dürre, dann noch der Borkenkäfer mit der Folge, dass zahlreiche Fichten gefällt werden mussten. Nicht nur sie fallen der Trockenheit bei gleichzeitigen Extremunwettern zum Opfer. Auch die Buchen, die eigentlich gut mit längerer Trockenheit klarkommen, und die Eichen zeigen erhebliche Stresssymptome. Allein im Oberurseler Stadtwald gilt die Hälfte der Bäume als geschädigt. Bürgerinnen und Bürger sind längst alarmiert, wollen helfen, brauchen Informationen. Das haben auch die Macher der Facebook-Gruppe "Oberursel im Taunus - Stadt. Land. Welt(offen)" wahrgenommen und für den Dienstagabend zu einem Expertengespräch im Livestream eingeladen mit dem Thema "Wälder im Taunus - Wie kann die Aufforstung gelingen?" Die Moderation und den technischen Support besorgten Jürgen Kronz und Michael Planer.

Um es gleich vorwegzunehmen: Die drei Experten waren der Oberurseler Förster Luis Kriszeleit vom BSO, der Leiter des Forstamtes Königstein Sebastian Gräf und Christoph von Eisenhart Rothe, Geschäftsführer beim Landesverband Hessen der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, waren nicht angetreten, um Weltuntergangsszenarien vor den zugeschalteten Zuschauenden abzubilden. Ja, so der Tenor unter den Experten, die Lage sei zwar sehr kritisch, denn das Ökosystem Wald sei angeschlagen, aber zugleich bestehe die berechtigte Hoffnung, dass sich die Taunuswälder und damit auch der Oberurseler Stadtwald, der mit seinen rund 300 Jahren ein vergleichsweise junger Wald ist, wieder erholen oder um es mit Forstamtsleiter Gräf zu sagen: "Ich bin optimistisch, dass wir unsere Wälder mittelfristig wieder bewalden."

Dafür aber müsse es eine ganze Palette von Maßnahmen geben, die wiederum passgenau auf den jeweiligen Standort abgestimmt werden müssen, waren sich die Waldexperten einig. Nicht jede Lösung taugt überall, dafür ist das Ökosystem zu komplex und vielschichtig. "Ziel muss es sein, die Widerstandsfähigkeit des Waldes zu stärken", so Gräf.

Vieles ausprobieren

mit Geduld

Das aber wird nicht ohne Geduld und Versuche gehen. Bäume wachsen eben nicht von heute auf morgen. "Intensive Beobachtungen sind ganz wichtig, gerade weil der Klimawandel schnell vorangeht", so von Eisenhart Rothe. Weil die Bestandsbäume nicht entsprechend schnell reagieren könnten, gelte es jetzt zu beobachten, welche Bäume in Zukunft wahrscheinlich besser mit den Klimaveränderungen klarkommen. Dafür würden schon jetzt Versuchsaussamungen vorgenommen. Das bedeute aber auch, so stellte der Oberurseler Förster Kriszeleit fest, dass sich der Wald in seiner Zusammensetzung erheblich verändern werde. Das habe der Taunuswald in seiner Geschichte zwar immer wieder getan. Jetzt aber gehe es darum, angesichts des Klimawandels und des Wassermangels - der übrigens auch mit dem hohen Wasserverbrauch durch den Menschen zu tun hat und der deshalb unbedingt zurückgefahren werden müsse - diese Veränderung sinnvoll zu begleiten. Darin war sich die Dreierrunde einig. So sollte weniger in großflächige neue Kulturen investiert werden, stattdessen müsse zunächst geschaut werden, was von alleine kommt, um dann punktuell einzugreifen. Denn der Waldboden besitze ein riesengroßes Verlockungspotenzial, sichtbar gerade jetzt auf den Flächen, wo vorher Fichten standen. Nicht nur der Fingerhut, der oberhalb der Emminghaushütte sprießt, ist ein gutes Zeichen. Die Esskastanie, die im Stadtwald wie im Taunus insgesamt häufig ist, erweist sich geradezu als eine "Glücksbaumart", als die sie von Eisenhart Rothe im Online-Talk bezeichnete, besitzt sie doch eine große Verjüngungskraft und gilt, als ursprünglicher Mittelmeerbaum, als klimastark und robust.

Hier kamen die vielen engagierten Bürgerinnen und Bürger, Schul- und Kitagruppen ins Spiel. Die Experten waren beeindruckt von dem großen Wunsch zu helfen. So würden etwa die Samenaktionen sehr gut angenommen, bei denen Eicheln und Kastanien dort im Wald gesammelt werden, wo es sie in Hülle und Fülle gibt, um sie dann unter Anleitung auf den Schadflächen auszubringen. Solche Aktionen soll es auch in Zukunft wieder geben. alv

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