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Das alte Schrankenwärterhäuschen (links) spielt in den Plänen für das dahinter liegende Grundstück eine wichtige Rolle.

Bebauung des Gleisdreiecks

Stellwärter-Gebäude am Oberurseler könnte Café oder Radstation werden

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Acht Vorschläge für eine Bebauung des Gleisdreiecks am Oberurseler Bahnhof werden derzeit ausgestellt. Die Planer haben sich Gedanken über Wohnungen und Gewerbe gemacht – und hatten Vorgaben zu beachten.

Wohnen zwischen U- und S-Bahn-Gleisen, noch dazu nahe der Nassauer Straße und der Frankfurter Landstraße, also an zwei stark frequentierten Verkehrsachsen? Die einen mögen bei dieser Vorstellung abwinken, für andere jedoch mag ein Wohnort mit einer solchen im Wortsinn verkehrsgünstigen Lage durchaus attraktiv sein.

Fakt ist: Das westlich der Frankfurter Landstraße und nahe dem Bahnhof gelegene sogenannte Gleisdreieck zwischen S- und U-Gleisen soll bebaut werden. Das haben Stadtpolitik und Stadtentwicklungs- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft Oberursel (Sewo), der ein Großteil des 5905 Quadratmeter großen Grundstücks gehört, beschlossen. Das Thema ist seit Monaten öffentlich im Gespräch. Als Verfahren wurde eine Konzeptvergabe gewählt, bei der nicht zwangsläufig der höchste Preis, sondern die Gesamtidee des Investors zählt.

Aktueller Stand: Acht Planungsbüros stellen ihre Vorentwurfsplanungen aus und haben am Freitagnachmittag im Rathaus ihre Ideen erläutert. Dazu können sich nun außer Sewo und Politik auch alle interessierten Bürger Gedanken machen, ehe im November entschieden werden soll, welcher Vorschlag als Grundlage für die weitere Planung dient.

Bürgermeister Hans-Georg Brum (SPD) bezeichnete die Entwürfe als „bemerkenswert“. Er sieht in der Bebauung der Fläche, die offiziell die Adresse Nassauer Straße 1 hat, „eine große Chance“. „Es ist ein Grundstück, das die Leute willkommen heißt“, sagte Brum in Bezug auf die zentrale Lage am Bahnhof.

Zur Wahrheit gehört aber auch, was Sewo-Geschäftsführerin Kerstin Giger sagte: „Es ist ein lärmintensiver Bereich zwischen U- und S-Bahn.“ So hatten die Planungsbüros nicht nur auf Lärmschutz zu achten, sondern auch darauf, dass „nicht zu viel motorisierter Individualverkehr“ auf das Grundstück kommt. Eine Tiefgarage – das wird anhand der vorgeschlagenen Konzepte deutlich – würde wohl von der Frankfurter Landstraße aus erschlossen, Autos sollten gleich am Anfang des Grundstücks unter der Erde verschwinden.

Weitere Vorgabe: Das alte Schrankenwärterhäuschen, das von der Frankfurter Landstraße aus gesehen links am Entrée zu dem langgezogenen Grundstück steht, muss integriert werden. Mehrere Planer schlagen vor, ein Café oder eine Bar in dem Stellwärter-Häuschen unterzubringen. Die Otto Heil Immobilien Rhein-Main- GmbH regt sogar an, das Haus um einen zweigeschossigen Anbau zu erweitern. Andere Vorschläge gehen Richtung Kiosk samt Event-Location, Erhalt des bestehenden Mietvertrags mit dem Verein Windrose, Büro oder Mobilitäts-/Fahrradstation.

Letzteres kommt nicht von ungefähr, könnte doch in Zukunft ein Radschnellweg über das Grundstück verlaufen. Zudem werden mit den Bebauungskonzepten Bewohner- und Nutzergruppen angesprochen, die eher mit dem Fahrrad oder öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sind als mit Autos. Von Studenten und Wochenendpendlern ist die Rede, von sogenannten Young Professionals, Singles, bisweilen aber auch von Paaren, Familien – zwei Büros bringen auch eine Kita auf dem Gelände ins Gespräch – oder Senioren-Wohngemeinschaften.

Die Zahl der Wohneinheiten reicht in den Konzepten von gut 40 bis knapp 130, je nach Größe der Wohnungen und abhängig davon, wie viele Gewerbe- und Büroflächen vorgesehen werden, beispielsweise für Praxen oder Agenturen. Boardinghäuser für Wohnen auf Zeit werden ebenso vorgeschlagen wie Service-Wohnen und Kombinationen aus Wohnen und Arbeiten.

Lediglich ein Planer – die Semodu AG – hat bei der Vorstellung seiner Ideen öffentlich geförderten Wohnraum als Möglichkeit herausgearbeitet. Dieses Büro schlägt eine zügig zu errichtende Modulbebauung vor.

Zulässig sind auf dem Areal im vorderen Bereich zur Frankfurter Landstraße hin drei Geschosse plus Staffelgeschoss, im hinteren Bereich vier plus Staffelgeschoss. Die teilnehmenden Planungsbüros haben ihre Bauten in der Regel so ausgerichtet, dass die Bewohner nicht Richtung Schienen, sondern in die Innenhöfe blicken. Grüne Elemente, sprich Bepflanzung, gehören dazu.

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