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Bei ihrer Pflegeaktion auf der Stierstädter Heide bekämpfen die Waldschützer ? hier Christian und Jan Schreiner ? ausnahmsweise Baumkeimlinge. Foto: Jochen Reichwein

Natur

Stierstädter Heide: Ein kostbares Biotop

Zwei Dutzend Helfer waren mit Gartenharken ausgestattet am Samstag in der Stierstädter Heide unterwegs und haben geholfen, diese von Birken- und Kiefernjungpflanzen zu befreien. Denn nur durch regelmäßige Pflegeaktionen kann diese historische Kulturlandschaft erhalten bleiben.

Ronja und Nina haben alle Hände voll zu tun. Die zehnjährigen Freundinnen tragen gerade ausgerupfte Birken- und Kiefernäste vom Feld. Diese haben sie zusammen mit Thomas Wahrlich, Ronjas Vater, sowie ihrer Schwester Nina (7) in mühsamer Kleinarbeit aus dem kargen Boden herausgezogen. „Wenn man das nicht macht, dann ist hier alles Wald“, wissen die Mädchen. Sie gehören zu einer Gruppe von rund 20 Personen, die bei der Pflegeaktion der Stierstädter Heide mitmachen.

Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW), Ortsgruppe Oberursel, hatte zum letzten Mal in diesem Jahr dazu aufgerufen. „Wir machen so etwas regelmäßig, und das bereits seit 1994“, weiß Thomas Knepel, Vorsitzender der Schutzgemeinschaft. Davor habe der SDW-Ortsverband auch schon sporadisch zu solchen Aktionen aufgerufen, jedoch nicht mit einer solchen Regelmäßigkeit. „Als wir damit angefangen hatten, war nur noch eine kleine Ecke Heide vorhanden. Jetzt haben wir hier rund 40 000 Quadratkilometer Heidelandschaft“, sagt er und deutet auf die dicht mit Erika-Büschen bewachsene Fläche.

„Haben Sie die Landschaft hier schon einmal im Sommer erlebt? Wenn die Heide lilafarben blüht und die Holunderbüsche dazwischen stehen? Es ist wunderschön“, schwärmt Ulf Süßengut, der mit einer Gartenharke in der Hand Birkenkeimlinge aus dem trockenen Boden entfernt. Für den 77 Jahre alten Bad Homburger ist es die erste Pflegeaktion, an der er teilnimmt. „Ich mache mit, weil ich die Heide liebe und weil ich möchte, dass sie uns erhalten bleibt“, erzählt er und führt weiter aus: „Ich war jetzt im Urlaub in der Lüneburger Heide, und es war einmalig.“

Die Lüneburger Heide im Nordosten Niedersachsens ist wohl die bekannteste Heidelandschaft in Deutschland (siehe auch kleiner Text unten). „Dort haben sie aber auch das gleiche Problem wie bei uns: Sie müssen die Fläche davor bewahren, dass sie vom Wald zugewuchert wird“, erläutert Knepel. Denn der Wald sei die natürliche Umgebung in dem Gebiet.

Bei der Stierstädter Heide handele es sich um ein von Menschen geschaffenes Gebiet, das es jedoch bereits seit dem Mittelalter gebe. „Damals haben die Leute den Wald abgeholzt, da sie Holz für ihre Häuser gebraucht haben. Dadurch ist eine Freifläche entstanden, von der sie die fruchtbare Humusschicht für ihre eigenen Felder abgetragen haben“, so Knepel. Damit sei der karge Boden entstanden, auf dem das Heidekraut bestens gedeihen könne. „Wir müssen diese historische Kulturlandschaft erhalten“, meint Knepel. Das sei der eine Grund für die regelmäßigen Pflegemaßnahmen. Zudem biete die Stierstädter Heide seltenen Tierarten ein Zuhause, die es woanders schwer hätten. „Hier leben Waldeidechsen, Zauneidechsen und Blindschleichen“, erläutert er. Auch gebe es viele Insektenarten, die an anderer Stelle nicht zu finden seien, wie den Kleinen Heidehüpfer.

Gewährleisten, dass diese Insekten weiterhin überleben, das wollen auch die beiden Freundinnen Annika Haas und Melanie Kündiger. „Wir machen regelmäßig bei den Pflegeaktionen mit, denn wir wollen dieses Biotop erhalten“, meinen die beiden 19-Jährigen und haken den Boden.

Die Freundinnen Ronja und Mareike, die in der Schule von der Stierstädter Heide erfahren haben, wollen wiederkommen. „Es hat so richtig Spaß gemacht“, sagen sie und Vater Thomas betont abschließend: „Wir sind Stierstädter und wenn hier Unterstützung gebraucht wird, dann helfen wir auch. Das ist selbstverständlich.“

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