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Auf dem Rathausplatz ließen es sich die Besucher bei Punsch und kulinarischen Spezialitäten gut gehen.

Weihnachten

Bei Glühwein und Bratwurst: Oberurseler Weihnachtsmarkt eröffnet

Viel los war am Donnerstagabend bei der Eröffnung des Weihnachtsmarktes. Trotz der Diskussionen um Budgetkürzungen und Standortwechsel ließen es sich die Oberurseler nicht nehmen, sich bei Glühwein und Bratwurst auf den Beginn der Adventszeit zu freuen.

Rappelvoll ist der Rathausplatz am frühen Donnerstagabend um kurz nach 17 Uhr. Verführerisch duftet es nach würzigem Glühwein, süßen Lebkuchenherzen und gegrillten Würstchen, aus Boxen ertönen besinnliche Weihnachtslieder. Besonderer Beliebtheit erfreut sich wie gewohnt die vor der Stadthalle aufgebaute Dampfbahnstrecke, hier hat sich bereits eine kleine Schlange gebildet.

Nach wenigen Minuten ist das Zugfahren allerdings vorbei. Die Männer vom Dampfbahnclub Taunus, die neu dabei sind, nachdem der langjährige Betreiber Hans-Joachim Acker altersbedingt aufgehört hat, haben noch mit Anfangsschwierigkeiten zu kämpfen. Probleme bereitet das unebene Kopfsteinpflaster. „Das ist eine Herausforderung innerhalb von einem Tag auf solch einem Untergrund eine ebene Schienenführung zu bewerkstelligen. Für Modellbahnfahren eignet sich Kopfsteinpflaster nämlich gar nicht“, erklärt Andreas Kahlert, Vorsitzender des Clubs. Mit Holzkeilen versuchen die Männer, das Problem zu lösen. „Wir brauchen eine gerade Unterfläche. Sicherheit geht vor“, sagt Kahlert. Wenig später klappt’s dann doch noch, die Bahn sorgt für leuchtende Kinderaugen.

Steinelefanten und Bananenblätter

Alles beim Alten geblieben ist im Rathaus. Hier kann edles Kunsthandwerk erworben werden. Monika Gerbas von der Nandri-Kinderhilfe verkauft im Sitzungssaal winzige Steinelefanten, aus Bananenblatt geflochtene Körbe und Fußmatten, die Frauen in Indien aus T-Shirt-Fetzen weben. „Die Einnahmen vom Weihnachtsmarkt werden vollständig für unsere Projekte verwendet“, verspricht Gerbas.

Blickfang: Die Figuren der Weihnachtspyramide.


Auch im Foyer kann Gutes getan werden. Auf Wunschkärtchen haben bedürftige Oberurseler einen Wunsch im Wert von jeweils 25 Euro notiert. Wer mag, kann diese Kärtchen an sich nehmen und in die Rolle des Weihnachtsmannes schlüpfen. Sandra Mühl hat sich gleich zwei Kärtchen vom Baum gepflückt. „Die Wunschkärtchen sind eine schöne Idee. Das mache ich jedes Jahr“, sagt die Oberurselerin. „Ich finde es schlimm, dass es im reichen Hochtaunuskreis 82-Jährige gibt, die auf Gutscheine angewiesen.“ Traurig finde sie auch, dass es dieses Jahr keinen Weihnachtsmarkt auf dem Marktplatz und in der Strackgasse gibt. „Oberursel hat eine tolle Altstadt. Auf dem Marktplatz herrscht ein ganz anderes Flair als auf dem Epinay-Platz.“

Viel los ist auf dem Epinay-Platz noch nicht am frühen Abend. Auch die freiwillige Feuerwehr musste dorthin umziehen, ihr Stand findet sich in diesem Jahr neben der Glas-pyramide am hinteren Ende des Platzes. Beschweren wollen sich die Brandbekämpfer allerdings nicht. „Für uns macht das keinen Unter-schied“, sagt Feuerwehrmann Daniel Köster. Wie jedes Jahr hat die Feuerwehr eine Feuerschale aufgebaut, an der sich fröstelnde Gäste wärmen können.

„Wie ein Anhängsel“

Astrid D’Aloisio und Sennur Yalcin haben es sich mit ihren Arbeitskollegen rund ums Feuer gemütlich gemacht. „Wir kommen jedes Jahr nach der Arbeit zum Weihnachtsmarkt, der Feuerwehrstand ist stets unsere erste Anlaufstelle“, sagt die 43-jährige Yalcin. „Heute waren wir erst etwas enttäuscht, da wir schnurstracks zum Marktplatz gelaufen sind und dort nichts los war. Vom Ambiente ist das dort schon schöner, vor allem mit den ganzen mittelalterlichen Buden.“ Diese stehen nun auf dem Parkplatz hinter der Stadthalle. Am Stand von Bernd Kretzschmar können kleine Künstler sich im Specksteinschleifen versuchen. Catarina ist gerade dabei, ein kleines Herzchen zu werkeln. Dafür muss der Speckstein immer wieder übers Sandpapier gezogen werden. „Schau mal, wenn du das Papier beim Ziehen gleichzeitig drehst, bekommst du eine schöne Rundung hin“, erklärt Kretzschmar der Siebenjährigen.

Mutter Erika Couto steht stolz daneben und betrachtet die Bemühungen. „Wir gehen immer gerne zum Mittelaltermarkt. Das ist mal was anderes“, sagt die Oberurselerin. Auch sie würde sich wünschen, dass der Mittelaltermarkt wieder auf den Marktplatz zurückkehrt. „Wir sind hinter der Stadthalle einfach zu weit ab vom Schuss, man kommt sich wie ein Anhängsel vor“, ergänzt Kretzschmar.

Im Rathaus scheinen die Wünsche von Besuchern und Standbetreibern auf offene Ohren gestoßen zu sein. Unter dem Jubel der Umstehenden verkündete Bürgermeister Hans-Georg Brum (SPD) bei der offiziellen Eröffnung, dass der Weihnachtsmarkt im nächsten Jahr auf den Marktplatz zurückkehre. Brum: „Vielleicht ist dann auch der Epinay-Platz wieder mit dabei und wird als drittes Marktzentrum installiert.“

HINWEIS: Die Öffnungszeiten Am heutigen Samstag hat der Weihnachtsmarkt auf dem Rathaus- und Epinay-Platz von 12 bis 22 Uhr und morgen von 12 bis 21 Uhr geöffnet.

Von Florian Neuroth

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