Verordnung soll neu geregelt werden

Straßenmusiker in Handschellen abgeführt, weil er Platz nicht wechseln wollte

In der Vorstadt in Oberursel sind sie des Öfteren zu hören: Straßenmusiker. Eine Verordnung zwingt die Musiker, jede halbe Stunde ihren Standort zu wechseln. Dagegen wehrte sich Musiker Nenad Ptic und verließ die Fußgängerzone in Handschellen.

Sie bereichern so manche Fußgängerzone und lassen uns beschwingt durch die Geschäfte bummeln. Sie können einem aber auch auf die Nerven gehen. Straßenmusiker wecken oft gemischte Gefühle bei den Passanten. Anfang August sang der 55-jährige Nenad Ptic, Künstlername Ned Bird, in der Oberurseler Vorstadt. Dort kam es dann zu einer Auseinandersetzung mit der Polizei, über die er sich bis heute ärgert. Am Ende wurde Ptic aufs Polizeirevier abgeführt, seine Instrumente wurden beschlagnahmt.

Was war geschehen? „Ich habe am Samstagvormittag in der Höhe von Tchibo ganz normal meine Musik gespielt, was ich hier regelmäßig seit Jahren mache. Da kam eine übereifrige Ordnungspolizistin und hat mich darauf hingewiesen, dass ich nur eine halbe Stunde hier stehen darf“, erzählt Ptic. Der professionelle Musiker, der in Frankfurt Musik studiert hat und derzeit in Königstein wohnt, lebt seit 25 Jahren von Straßenmusik.

Ihm sei die 30-Minuten-Regelung bekannt gewesen. Dabei handelt es sich um die Gefahrenabwehrverordnung der Stadt Oberursel. Paragraf 4 – Verbot der Lärmbelästigung durch Straßenmusik – besagt, dass es verboten sei, auf „öffentlichen Straßen oder in öffentlichen Anlagen im Bereich zwischen den Straßen Feldbergstraße, Liebfrauenstraße, Oberhöchstadter Straße, Korfstraße, Korfplatz, Strackgasse, Marktplatz und Eppsteiner Straße länger als 30 Minuten an einem Standort oder in Hörweite dieses Standortes zu musizieren“, falls der Magistrat dies nicht ausdrücklich erlaubt habe.

„Auf diese Regelung machten die Stadtpolizisten Herrn Ptic aufmerksam. Als die Kollegen gegen 11.30 Uhr wieder vorbeischauten, war Herr Ptic immer noch am Musizieren und die Stadtpolizisten forderten ihn auf, entsprechend der Stadtverordnung den Platz zu wechseln, doch Herr Ptic weigerte sich“, heißt es in einer Erklärung der Stadt auf Anfrage der Taunus Zeitung. Eine konkrete Beschwerde war dem nicht vorausgegangen.

Der Musiker selbst meint dazu: „Ich wollte zivilen Ungehorsam leisten, um darauf aufmerksam zu machen, dass diese Regelung keinen Sinn macht. Da könnte man das Musizieren auf der Straße auch gleich verbieten.“ Für ihn lohne es sich nicht, nur wegen einer halben Stunde sein gesamtes Equipment – bestehend aus einem Verstärker, einem Mikro sowie einer Boombox für den Hintergrundsound – aufzubauen. Er brauche allein eine halbe Stunde, bis alles stehe. Außerdem laufe es auf dem Platz sehr gut, da spiele er regelmäßig.

„Ich habe mich zu oft gefügt, nun sagte ich, ich erkenne die Regelung nicht an.“ Auch seinen Ausweis wollte er nicht vorzeigen. So wurden Landespolizisten hinzugerufen, die den 55-Jährigen in Handschellen aufs Revier abführten und sein Equipment beschlagnahmten.

„Die Zuhörer waren entsetzt, keiner hatte sich über die Lautstärke beschwert, im Gegenteil, viele waren stehen geblieben, um mir zuzuhören“, zeigt sich Ptic verständnislos über diese Reaktion. Er sei ein Profimusiker. Er lebe von seinem Beruf, und so ein Umgang sei für ihn total übertrieben. „Uns Musikern werden in vielen Städten Steine in den Weg gelegt, und jede Gemeinde hat eine andere Vorschrift.“

In Bad Homburg müsse er zwar in der Louisenstraße auch den Platz nach einer halben Stunden räumen, da könne er aber einfach 50 Meter weiter rücken und dort seine Musik fortsetzen. In Oberursel hingegen sei für ihn die gesamte Vorstadt tabu. In anderen Städten könne er länger am gleichen Platz spielen, mancherorts vorher eine Genehmigung einholen oder an einem Casting teilnehmen.

Für Ptic wäre eine Kombination aus Vorspiel und Genehmigung die beste Regelung, die eine Stadt im Bezug auf Straßenmusiker treffen könnte. Diesmal musste er ein Verwarnungsgeld in Höhe von 55 Euro bezahlen und hatte am Wochenende einen Verdienstausfall. Denn sein Equipment bekam er erst am Montag darauf wieder zurück.

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