Sturz auf dunkler Treppe

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Weil sie auf dunkler Treppe im Urlaubshotel gestürzt war, verklagte eine Urlauberin den Reiseveranstalter auf Schmerzensgeld. Obwohl die Klägerin am Unfall nicht schuldlos war, sprach ihr das Gericht ein Schmerzensgeld zu.

Es war ein schmerzhaftes Erlebnis: Am dritten Tag ihres vierwöchigen Urlaubs auf Fuerteventura im Februar 2015 fiel eine 60-jährige Urlauberin in ihrer Unterkunft eine Treppe hinunter. Dabei verdrehte sie sich den Fuß und zog sich Prellungen und Blutergüsse zu. „Ich hatte vier Wochen lang Schmerzen“, sagte die Frau aus Essen, die nun vor dem Bad Homburger Zivilgericht gegen den Oberurseler Reiseveranstalter klagte.

Wie die Klägerin bei Richter Oliver Marhold vortrug, hatte sie an jenem Februartag gegen 22 Uhr ihren körperlich behinderten Ehemann in das Hotelzimmer im ersten Stock gebracht. Bereits zu diesem Zeitpunkt sei die Treppenhausbeleuchtung – wie schon mehrmals zuvor – defekt gewesen. Ein Notlicht habe es im Flur nicht gegeben.

Es sei nicht möglich gewesen, vom Hotelzimmer aus die Rezeption auf das dunkle Treppenhaus hinzuweisen. „Ich kann nicht Spanisch und auch nicht Englisch, und das Hauspersonal sprach nicht Deutsch“, sagte die 60-Jährige in der jetzigen Verhandlung. Da in der unteren Etage der Rest der Reisegruppe auf sie gewartet habe, sei sie die zwei Mal acht Stufen lange Treppe hinuntergegangen. Es habe zwar einen Fahrstuhl gegeben. Aber auch der sei defekt gewesen, sagte sie zu Richter Marhold.

Nachdem die Frau, wie sie weiter schilderte, die ersten acht Stufen geschafft hatte, stürzte sie. Sie sei alle acht Stufen bis zum Treppenabsatz hinuntergefallen. Trotz der Schmerzen musste sie nicht früher abreisen.

Von der Hotelleitung wurde der 60-Jährigen angeboten, die Arztkosten in Höhe von 160 Euro zu übernehmen. Das hatte die Urlauberin abgelehnt.

Sie erwartete eine größere Ausgleichszahlung.

„Das war ein Fehler“

, räumte die Frau nun bei Gericht ein. Denn das Oberurseler Reise-Unternehmen lehnte eine Zahlung an die Urlauberin ab. Die Klägerin habe ihren Sturz selbst verschuldet, war die Meinung des Unternehmens.

Damit lag der Reiseveranstalter gar nicht so verkehrt. Denn auch Richter Marhold sah dies ähnlich. „Sie wussten beim Hochgehen im dunklen Flur um die dortige Gefahr. Da hätten Sie sich anders verhalten müssen“, hielt der Richter der extra aus Essen angereisten Frau vor. Ein gewisses Mitverschulden müsse sie sich vorwerfen lassen.

Dennoch empfahl der Richter dem Anwalt des Reise-Unternehmens, den Betrag von 250 Euro an die Urlauberin zu zahlen. Damit war die 60-Jährige einverstanden. Der Anwalt bat um

Bedenkzeit

. Sollte er nicht innerhalb von drei Wochen dem Vergleich widersprechen, ist der Gerichtsstreit mit der Zahlung von 250 Euro an die Klägerin erledigt.

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