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Der stellvertretende hessische Ministerpräsident Tarek Al-Wazir erklärt den Schülern die hessische Flüchtlings- und Bildungspolitik.

Minister stellt sich Fragen der Hochtaunusschüler

Tarek Al-Wazir und die Bildung

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„Politik zum Anfassen“ heißt ein Projekt der Hochtaunusschule, das seit vergangenem Jahr läuft. Nach Thorsten Schäfer-Gümbel (SPD) und Michael Boddenberg (CDU) war nun in Tarek Al-Wazir (Grüne)der dritte hessische Politiker zu Gast, der sich den Fragen der Schüler stellte – und dabei wurde der stellvertretende hessische Ministerpräsident gehörig in die Mangel genommen.

Man sollte meinen, es wäre ein Heimspiel für Tarek Al-Wazir. Schließlich kommt der Grünen-Politiker gerade bei Jungwählern gut an, und auch ökologische Themen sind bei dieser Wählerklientel wichtiger als in anderen Altersgruppen. Doch bei Politik zum Anfassen, einem Projekt der Hochtaunusschule, das Lehrerin Dr. Cornelia Wagner ins Leben gerufen hat, musste sich der stellvertretende hessische Ministerpräsident und Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung überaus kritische Fragen im Zusammenhang mit der hessischen Bildungs- und Flüchtlingspolitik gefallen lassen. Nicht immer wirkte Al-Wazir souverän.

In seinem Statement zum Themenschwerpunkt Bildung präsentierte er Hessen als ein Vorzeige-Bundesland: Wahlfreiheit der Gymnasien bei der Frage G 8 und G 9, ein flächendeckendes Betreuungsangebot an Grundschulen bis 2019 und der Schaffung 800 neuer Lehrerstellen, um die Flüchtlingskrise zu bewältigen.

Dabei ist die Wahrnehmung bei den Schülern und Lehrern aber durchaus eine andere, wie der Minister erfahren musste. „Wieso werden Kinder von Flüchtlingen in puncto Betreuungsplätze bevorteilt?“, wollte ein Schüler wissen. Ein anderer befürchtete, dass Flüchtlingskinder im Regelunterricht aufgrund ihrer Sprachprobleme selbst nichts lernen und zudem das Lerntempo der gesamten Klasse verlangsamen. Davon wollte wiederum Al-Wazir nichts wissen. Eine Bevorzugung gebe es nicht. „So lange wir keine vollständige Abdeckung der Betreuungsplätze für Grundschulkinder haben, können wir nur danach entscheiden, welches Kind aufgrund etwa der Berufstätigkeit der Eltern tatsächlich einen Betreuungsplatz benötigt“, sagte er. Auch glaube er nicht, dass Flüchtlinge mit Sprachproblemen den Unterricht aufhalten. Die Praxis zeige, dass Kinder und Jugendliche in kürzester Zeit in der Lage seien, dem Unterricht zu folgen.

Al-Wazir warb dafür, die Chancen zu sehen, die die Flüchtlingswelle mit sich bringe. „Wir haben doch einen Fachkräftemangel, da können die jungen Flüchtlinge eine Lösung des Problems sein, gab er zu bedenken. In diesem Zusammenhang berichtete er von einer hessischen Gesetzesinitiative, nach der Gesellen, die ihre Prüfung mit 2,5 oder besser abgeschlossen haben, auch Hochschulen besuchen dürfen. „Wenn die Schüler merken, dass mit der Entscheidung für eine Lehre die Tür fürs Studium nicht verschlossen bleibt, entschließen sich viele, diesen Weg zu gehen“, so der Minister. „Und sicherlich werden dann nicht alle anschließend die Hochschulen stürmen.“ Langfristig erhoffe er sich dadurch weniger Studenten und mehr Fachkräfte im Arbeitsmarkt.

Aber auch hier gab es Widerspruch vonseiten der Schule: „Wir wissen doch aus der Praxis, dass es auch nach einer Ausbildung zum Teil beispielsweise eklatante Lücken in Sachen Physik und Mathe gibt, die ein Studium des Ingenieurwesens nahezu unmöglich machen“, lautete der Einwand. Schaffe man damit nicht nur mehr Frust unter den Betroffenen? Auch da gab sich Tarek Al-Wazir optimistisch. „Die Gesellen werden Studiengänge wählen, die zu ihrer Ausbildung passen. Ein Elektroniker wird eher Elektrotechnik studieren, Und dafür hat er durchaus gute Voraussetzungen.“

Nach knapp anderthalb Stunden endete eine Diskussion, die den Schülern tatsächlich Politik zum Anfassen präsentierte, wobei aber auch klar wurde, dass Politiker nicht immer alle Antworten auf Probleme der Zeit parat haben.

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