Im Taunabad unterwegs (v.l.): Doris Mauczok, Dorit Eckstein, Elenor Pospiech und Stefanie Reckling.
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Im Taunabad unterwegs (v.l.): Doris Mauczok, Dorit Eckstein, Elenor Pospiech und Stefanie Reckling.

Badespaß in Pandemiezeiten

Taunabad Oberursel hat Familien im Fokus

  • VonGabriele Calvo Henning
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Die SPD macht sich ein Bild von der Situation im Taunabad und erkundigt sich nach den weiteren Perspektiven.

Oberursel -"Die Beine machen Kreise", ruft eine der beiden Schwimmtrainerinnen dem schätzungsweise sechsjährigen Jungen zu. Der zieht im Freibad des Taunabades wacker seine Bahn, ausgerüstet mit Neoprenanzug, umgeschnallter Schwimmhilfe und einer gelben Schwimmnudel. Anstrengend vielleicht, aber ihm und seinen jungen Mitschwimmerinnen und -schwimmern macht der Anfängerschwimmkurs offensichtlich großen Spaß. Falls es der einen oder dem anderen in diesem wettermäßig durchwachsenen Sommer zu kalt wird, stehen dicke Kuscheldecken und heißer Tee für eine Aufwärmpause bereit.

Die von den Stadtwerken im Taunabad für die Ferien angebotenen Kinder-Schwimmkurse für Anfänger und Fortgeschrittene kommen so gut an, dass, nachdem sie öffentlich gemacht wurden, es eine Frage von Stunden war, bis sie ausgebucht waren. Grund genug für vier Frauen der Oberurseler SPD, sich vor Ort über die Situation im Taunabad zu erkundigen, das wie so viele Bäder durch die Einschränkungen wegen Corona gelitten hat und weiterhin längst nicht bei den Besucherzahlen wie in vorpandemischen Zeiten ist. Die Fraktionsvorsitzende Elenor Pospiech, die Stadtverordnete Doris Mauczok, die Beisitzerin im Vorstand Stefanie Reckling und SPD-Mitglied Dorit Eckstein wollten sich selbst ein Bild machen.

In Sachen Ferienschwimmkurse erfuhren sie Verschiedenes von der Betriebsleitung. So habe man sich deshalb für dieses Angebot entschieden, "weil unser Fokus für die Ferien eindeutig die Kinder und Familien sind, denn die haben besonders unter den Corona-Regeln zu leiden gehabt", so die Aussage. Deshalb gebe es im Moment keine Zeitfenster. Gesteuert über das Online-Ticket-System, über das die Höchstzahl von 1000 Besuchern gleichzeitig kontrolliert wird (Tickets können aber auch an der Kasse erfragt werden), hätten Familien damit die Möglichkeit, so viel Zeit im Freibad zu verbringen wie sie wollten. Das habe zwar einen Nachteil für diejenigen Schwimmer, die nur eine oder anderthalb Stunden ihre Bahnen ziehen wollen und dennoch das Tagesticket zahlen müssten. In der Umgebung aber gebe es genug Bäder mit Zeitfenstern, auf die ausgewichen werden könne. Saisonkarten wie Kurzzeitkarten seien im Moment vom Organisatorischen und dem damit verbundenen finanziellen und personellen Aufwand her "nicht darstellbar", die Geldwertkarte mit einer 15-prozentigen Ersparnis könne aber durchaus aktiviert werden.

Hallenbadöffnung rechnet sich nicht

"Für uns ist im Moment die Familienfreundlichkeit einfach wichtiger." Das fand auch Unterstützung bei Pospiech und Mauczok. Dennoch fragten sie nach der Möglichkeit, gegebenenfalls auch das Hallenbad für Kinder zu öffnen. Dem aber steht die Wirtschaftlichkeit entgegen. Fazit: Die Öffnung der Halle für eine sehr begrenzte Besucherzahl rechnet sich nicht. Dazu kommt, dass der Zugang zum Umkleidebereich kontrolliert werden müsste. Dennoch hofft die Betriebsleitung, "dass wir irgendwann wieder in den Normalzustand kommen, so dass auch Schulen, der Schwimmerverein SCO und die DLRG sich hier organisieren können".

Tatsächlich aber könne man zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen, wie es nach den Sommerferien weitergehen wird. Zwar habe man sich auf verschiedene Szenarien eingestellt, allein, es fehlen die Vorgaben vom Land, unter welchen Bedingungen ein Badebetrieb möglich sein wird. Diese Vorgaben werden voraussichtlich Ende August kommen. "Was wir wirklich brauchen, ist die Möglichkeit, kreative Konzepte zu entwickeln, die zugleich eine hohe Verlässlichkeit für die Menschen habe", so die Betriebsleitung. Zugleich wurde bedauert, dass weder von der Landes- noch von der Bundespolitik genug Hilfen für die Schwimmbäder kommen würden. Dagegen betonte die SPD-Fraktionsvorsitzende Pospiech, dass Schwimmen auch eine wichtige soziale Funktion habe, während die Stadtverordnete Mauczok den Stellenwert des Schwimmens für die körperliche Entwicklung und als Volkssport hervorhob, "der doch für alle erschwinglich sein sollte". Beide sagten zu, die Situation des Bades mit in die Diskussion und die politischen Gremien nehmen zu wollen.

Vor dem Hintergrund, dass die Ferien-Kinderkurse trotz der Kosten von 120 Euro für zehn Zeitstunden so gut angenommen werden (Beihilfen für einkommensschwache Familien können angefragt werden), plane man für den Fall, dass ein "Normalzustand" annähernd wieder möglich ist, die Zahl der Schwimmkurse zu erhöhen. Denn es gab schon lange vor der Pandemie die Tendenz, dass immer weniger Kinder schwimmen lernen. Konnten früher viele bereits mit Eintritt in die Grundschule schwimmen, stelle sich die Situation heute so dar, dass ein Großteil der Drittklässler erst beim Schulschwimmen das Schwimmen überhaupt lerne. Umso dramatischer sei es, dass der Schwimmunterricht wegen der Pandemie ausgesetzt werden musste. Hier wolle man gegensteuern, wenn es die Corona-Regeln erlauben. alv

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