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Gleich ist es geschafft: Kerbeburschen stellen den Kerbebaum auf.

Brauchtumsverein rettet Traditionsfest

Die Taunuskerb: Abgespeckt, aber noch lange nicht tot

Die Taunuskerb fand diesmal aufgrund von Budget-Kürzungen durch die Stadt in abgespeckter Form statt. Es gab weniger Besucher, weniger Aktive und keinen Rummelplatz. Und erstmals mussten die Kerbemädsche beim Baumaufstellen anpacken. Die Gäste zeigten sich vom Engagement des neuen Brauchtumsvereins beeindruckt.

Um 13.13 Uhr war es so weit. Der Kerbebaum stand in seiner vollen Größe und diese betrug – wie könnte es anders sein – rund 13 Meter. Ob die 13 nun eine Unglückszahl oder eine Glückszahl für die Taunuskerb sein wird, liegt im Auge des Betrachters.

Denn während die Besucher, deren Anzahl sich im Vergleich zu den vergangen Jahren beträchtlich verringert hatte, etwas enttäuscht über die dezimierte Kerb waren, gaben sich die Veranstalter eher zuversichtlich. Sie betrachteten das Fest, das diesmal, wie berichtet, ohne Rummelplatz und Festzelt auskommen musste, als Neuanfang.

„Wir haben am 17. September einen neuen Brauchtumsverein gegründet. Darin sind wir derzeit 24 aktive Mitglieder, bestehend aus einigen Kerbeburschen und Kerbemädels“, berichtete Anna-Sofia Maier, die Pressesprecherin des Vereins.

Mit von der Partie seien auch noch ein paar Altkerbeburschen und einige Fördermitglieder. Die Mitglieder seien stolz darauf, dass sie trotz der Mittelkürzungen durch die Stadt noch ein bisschen Programm organisieren konnte.

Am Freitagabend habe es eine „familiäre“ Eröffnung in der Gaststätte „Zum Adler“ gegeben, am Samstagmorgen seien die verbliebenen Kerbebursche samt Mädels in den Wald zum Baumschlagen gegangen. Dieser sei zwar nicht ganz so hoch wie sonst, aber „kleine Kerb, kleiner Baum“ bemerkte eines der Mitglieder. „Dennoch haben wir es geschafft, das alles auf die Beine zu stellen, zwar in abgespeckter Form, aber wir mussten die Kerb nicht ausfallen lassen“, erläuterte Maier weiter.

Auch einen Umzug mit dem Baum durch die Oberurseler Altstadt hatte es gegeben. Vorneweg fuhren traditionell in einem Wagen die Brunnenkönigin, ihr Brunnenmeister sowie Bürgermeister Hans-Georg Brum (SPD). „Dass der sich traut. Erst streicht er das Geld für die Kerb und dann sitzt er vorne dran“, hieß es aus einer Besuchergruppe verwundert.

Auch Arnold Nell, der seit 2001 als Tonmeister die wieder belebte Taunuskerb mitträgt, fand es schade, dass die Stadt die Gelder für das Fest streichen musste. Auch die Argumentation sei in seinen Augen fragwürdig.

„Die Rummelplatzbetreiber zahlen Standgebühren und Strom, die Stadt muss lediglich den Platz herrichten und das soll 7000 Euro kosten? Das wage ich zu bezweifeln“, meinte der 76-Jährige. Umso bewundernswerter sei es, dass die Kerbebursche es dennoch geschafft hätten das Traditionsfest auszurichten.

„Das ist Oberurseler Brauchtum“, sagte auch Anne Lopau. Die 68-Jährige ist nach eigenen Angaben ein „echtes Orscheler Mädsche“ und feiert, seit sie denken kann, die Kerb in der Brunnenstadt mit. „Als Kind habe ich mich immer auf das Karussellfahren gefreut, später auf das Gesellige. Auf der Kerb hat man sich getroffen. Daher finde ich es sehr schade, dass sie dieses Jahr so klein geraten ist.“ Ihrer Meinung nach seien vor allem die Kinder die Leidtragenden, denn sie könnten nicht auf dem Rummelplatz. Immerhin gebe es aber ein kleines Programm vom Brauchtumsverein. „Wir sind etwas enttäuscht von dem Fest, denn wir hatten es uns größer vorgestellt. Außerdem fehlt ein zentraler Festplatz“, so Familie Blees aus Niedersachsen, die zu Besuch in Oberursel war.

Dennoch zeigten sie sich beeindruckt vom Engagement der wenigen Akteure. Und diese packten tatkräftig mit an. Erstmals halfen auch die Kerbemädchen beim Baumaufstellen vor der Gaststätte Zum Adler, wo der mit Kranz, Flamingo und Schlumpel geschmückte Baum am Ende stolz gen Himmel ragte. Hier wurde auch die selbst gemalte Kerbefahne geweiht. In diesem Jahr war darauf passenderweise der Festplatz mit einem Trauerband abgebildet.

Bleibt zu hoffen, dass es den Platz bei der nächsten Kerb wieder geben wird. Anna-Sofia Maier gab sich zuversichtlich. „Wir sind im Kontakt mit Stadt und Kirche und die

Gespräche laufen gut

.“

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