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Feuert seine Spielerinnen an: Paul Günther, Trainer von Oberursels Oberligamannschaft.

Handball

Trainer Paul Günther im Interview: Zuckerbrot statt Peitsche

31:39 gegen Nieder-Roden. Das war ein ganz schönes Brett für Oberursels Handballerinnen zum Oberliga-Auftakt. Die TZ geht mit dem Trainer in die Analyse und schweift mit ihm in die Welt des Handballs ab.

„So ein Spiel hat man mal“, weiß Trainer Paul Günther, „das kommt in jeder Saison vor.“ Dummerweise war es das erste Spiel dieser Oberliga-Runde, in der zwei Titelaspiranten zusammengeprallt sind. Vor rund 400 Zuschauern in der EKS-Halle erwischten die Gäste von der HSG Rodgau Nieder-Roden „einen fast perfekten Tag“, wie es der Trainer von TSG Oberursels Handballerinnen bezeichnet, und seine Mannschaft alles andere als das. Das Ergebnis war so klar, wie es keiner erwartet hatte. Mit 39:31 entführte die HSG die Punkte nicht nur, sie gab dem Selbstvertrauen des selbst ernannten Aufstiegsaspiranten aus dem Taunus richtig einen mit.

Wenn so etwas passiert ist, geht der 40-jährige Günther als ein Trainer, der mehr nach Erfahrung (Zweitligaspieler beim TV Gelnhausen, deutscher Vizemeister mit der weiblichen B-Jugend Bad Sodens) und Bauchgefühl handelt, gern analytisch vor. Am Montag hat er die Schlappe mit seinen Spielerinnen aufgearbeitet. Die hatten sich die Partie angeschaut. Jede für sich. Über das Portal Sportlounge ist das möglich, jede Heimmannschaft muss dort seine selbst gefilmten Spiele online stellen. Günthers Fazit: „Unser Kernproblem war die Abwehr.“ 31 eigene Tore gegen einen starken Gegner wie Nieder-Roden seien trotz der vielen Fehlwürfe ordentlich, aber hinten. . .

„Sonst sind ein oder zwei Spielerinnen dabei, die den einen Schritt nicht machen. Dieses Mal habe ich schon nach acht Minuten begonnen zu wechseln, aber es wurde nicht besser“, sagt Günther. Genauso wie im Tor, in dem weder Neuzugang Claudia Schilling (SG Bruchköbel) noch Ayana Petri einen guten Tag erwischten. Sei’s drum. „Wir denken seit Montag nicht mehr dran“, sagt Günther. Umso wichtiger ist die kommende Partie, auch weil danach eine dreiwöchige Spielpause einsetzt. In die will die TSGO mit einem positiven Gefühl gehen. Und nicht mit der Gewissheit von 0:4 Punkten.

Beim TV Hüttenberg liegt die Latte am Sonntag um 18 Uhr hoch. „Erst einmal fand ich es gut, dass wir gleich starke Gegner haben. So sind wir gleich drin. Jetzt würde ich sagen: Der Spielplan meint es nicht gut mit uns“, sagt Günther mit Ironie. Nichtsdestotrotz sei er fest davon überzeugt, dass die Mannschaft sich um 100 Prozent steigere. Das traue er ihr absolut zu, denn in der Vorbereitung habe sie mehrfach auch gegen höherklassige Gegner bewiesen, was für ein Potenzial in ihr steckt. Beim Entweder-oder-Schlagabtausch mit TZ-Sportchef Thorsten Remsperger musste sich Paul Günther über das kommende Spiel keine Gedanken machen.

  Zuckerbrot oder Peitsche? Beides. Je nachdem, wie die Mannschaft gespielt hat. In unserer Situation gibt’s eher Streicheleinheiten.

  Gensheimer oder Karabatic? Wenn ich mich zwischen diesen beiden entscheiden soll, dann Karabatic. Was der Typ seit einem Jahrzehnt abreißt, ist sensationell. Seine Körpersprache gefällt mir. Bei ihm geht nie der Kopf nach unten, er geht immer vornweg. Von der Mentalität her ist er ein Monster.

  Sigurdsson oder Prokop? Jacobsen (schmunzelt). Der Trainer von den Rhein-Neckar Löwen ist sehr authentisch und weiterhin sehr emotional, wie schon als Spieler. Vieles macht er aus dem Bauchgefühl heraus, ich mag es in dieser Hinsicht als Trainer ganz ähnlich. Sonst Sigurdsson, weil er viel mehr Erfahrung mitbringt als Trainer. Prokop wollte nach einem Jahr als Trainer in Leipzig mit Spielern, die teilweise alles erreicht haben, für die EM das Rad neu erfinden.

  Frauen- oder Männerhandball ? Wir reden von zwei verschiedenen Sportarten. Ich sage „Frauenhandball“, weil er hochklassig viel mehr auf die Technik ausgelegt ist. Bei den Männern wird das Spiel immer körperbetonter, und es geht mehr und mehr um individuelle Klasse als um das Mannschaftsspiel.

  Mit Harz oder ohne Harz? Wieder zwei verschiedene Sportarten (lächelt). Generell bin ich für die Erlaubnis von Haftmitteln, weil man dann mit dem Ball viel mehr anfangen kann. Ich fände es schön, wenn sich der Hessische Handball-Verband einen Ruck gäbe. In vielen Verbänden ist das Harzen weiterhin erlaubt, ab der 3. Liga sowieso.

  Wein oder Bier? Nach dem Spiel ein Bier, mittlerweile am Abend daheim gerne mal ein Glas Weißwein.

  Trainer oder Spieler? (überlegt etwas länger) Trainer. Da muss man nicht mehr so viel laufen.

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