AWO trifft Windrose

Die Flüchtlingssituation geht auch uns etwas an – mit diesem Gedanken startete das Traute-und-Hans-Matthöfer-Haus mit dem Verein Windrose ein Projekt für Deutschkurse. In puncto Zusammenarbeit ist aber noch mehr geplant.

Von CHRISTINE ?ARAC

„Wer geht spazieren?“, fragt Deutschlehrerin Alexandra Mayer in die Runde. Ihre Schülerinnen sind heute vier Frauen. Hibo aus Somalia, Ghazal aus Afghanistan, Leena aus Syrien und Darartu aus Äthiopien. Docht statt zu antworten, zeigt Hibo schwungvoll auf eine Bildkarte mit einem wandernden Pärchen darauf. Hibo, Ghazal, Darartu und Leena sind aus ihrer Heimat geflohen und noch nicht lange in Deutschland. Doch um hier wirklich Fuß fassen zu können, müssen sie die deutsche Sprache beherrschen.

Zum Glück können die Frauen an einem Sprachkurs teilnehmen, der durch die Kooperation der Flüchtlingsfamilienhilfe des Internationalen Vereins Windrose und des Traute-und-Hans-Matthöfer-Hauses, einer Alten- und Pflegeeinrichtung der Arbeiterwohlfahrt (AWO), zustande kam.

Seit Januar dieses Jahres lernen dort insgesamt neun Frauen Deutsch. Das Seniorenheim stellt dazu zwei Räume im Untergeschoss zur Verfügung. Der eine dient als Klassenraum für die Frauen, in dem zweiten, der nur einige Meter entfernt liegt, werden die Kinder von einem Team liebevoll betreut – sechs Ehrenamtliche stehen dafür zur Verfügung. Insgesamt sechs Mädchen und Jungen vom Babyalter bis zum Kindergartenkind werden beaufsichtigt.

„Ich dachte mir gleich, dass das Thema Flüchtlingsarbeit sehr gut zu unserem Haus und der AWO passt“, erinnert sich Christiane Rink, stellvertretende Leiterin des Altenwohn- und Pflegeheimes. „Ich habe mir überlegt, dass wir Räume für Deutschkurse zur Verfügung stellen könnten, und habe mich per Mail an den Verein Windrose gewandt, um zu sehen, ob Bedarf besteht“, erinnert sich Christiane Rink. Sabine Lecher vom Verein Windrose freute sich damals über die Anfrage. „Es ist sehr ungewöhnlich, dass man so ein tolles Angebot bekommt“, berichtet sie.

Jetzt ist ein Anfang gemacht, doch Sabine Lecher wünscht sich, dass auch die Zukunft des Projektes gesichert werden kann. „Wir brauchen circa 400 Euro pro Monat, um den Unterricht zu finanzieren“, erläutert sie. Derzeit kann das Projekt durch Spenden aufrechterhalten werden. Daher freute sich Sabine Lecher, als Zentrumsleiterin Doris Mauczok und ihre Stellvertreterin Christiane Rink einen Scheck in Höhe von 500 Euro überreichten. „Wir haben während unseres Sommerfestes im vergangenen Jahr eine Spendenbox aufgestellt und sind froh, dass so viel zusammengekommen ist“, berichten die Frauen.

Dienstags und donnerstags von 10 bis 11.30 Uhr lernen die Flüchtlinge gemeinsam Deutsch. Gerade bespricht Alexandra Mayer mit den Frauen das Thema Freizeit. „Wir lernen nach einer neuen Methode aus den USA, bei der mit Hilfe von Bildkarten oder Materialien Vokabeln aufgebaut werden, die etwas mit dem Alltag der Frauen zu tun haben“, erklärt Alexandra Mayer. Ihre Kollegin Susanne Bruns ergänzt: „Wir machen außerdem in jeder Stunde sechs bis acht Videos zum Lernstoff, die wir den Frauen per WhatsApp aufs Handy schicken.“ So werde ein hoher Vokabelschatz aufgebaut, der dann auf der nächsten Lernstufe, dem Sprechen, noch weiter vertieft werde, erklären die Lehrerinnen.

Doch die Zusammenarbeit soll noch weitere Früchte tragen. „Ich könnte mir gut eine Einbindung des Vereins Windrose in unser Sommerfest vorstellen“, sagt Christiane Rink. Auch gemeinsame Aktionen wie Plätzchenbacken zu Weihnachten mit den Frauen, ihren Kindern und den Heimbewohnern wäre denkbar. „Es wäre schön, wenn der Deutschkurs ein Anfang wäre“, sagt Rink.

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