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U-15-Cup: Warum die Topclubs nach Oberursel kommen

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Momentan trifft sich die Fußball-Welt in Russland. Am 11. und 12. August werden namhafte Clubs aus dem europäischen Ausland ihre Talente nach Oberursel entsenden. Für die Realisation des Turniers bedurfte es zum Teil jahrelanger Kontaktpflege.

Manchmal beginnt etwas mit einer simplen Idee, aus der dann etwas ganz Großes wird. So war das auch bei Gerald Prell, der heuer mit einer kleinen Agentur für die Veranstalter des U-15-Cups gegen Rassismus die Kontakte zu internationalen Topvereinen hergestellt hat. Am 11. und 12. August werden deshalb in Oberursel die Nachwuchsmannschaften von acht Bundesliga-Vereinen (zum Beispiel Bayern München, Schalke 04 und RB Leipzig) mit C-Jugend-Teams des FC Porto, Tottenham Hotspur, Glasgow Rangers und FC Chelsea um den Turniersieg spielen. Ein Fußballturnier mit einer solch hochkarätigen Besetzung hat es im Hochtaunus noch nie gegeben.

Gerald Prell aus dem oberfränkischen Rehau ging es am Anfang schlicht um die Völkerverständigung – und eigentlich ist das noch immer so. Vor 16 Jahren rief der Mann, wohnhaft nahe der Grenze, mit Freunden die Deutsch-Tschechische Fußballschule ins Leben, in der Kinder und Jugendliche aus beiden Ländern gemeinsam trainieren und Sprachkurse besuchen sollten. So weit, so gut. Als dann der FC Bayern München innerhalb des Bundeslandes nach Kooperationspartnern für die Jugendarbeit suchte, stieß der Scout über den FC Bayern Hof auf die Fußballschule.

Der deutsche Rekordmeister war schließlich im Jahr 2004 der erste hochrangige Partner (und zugleich ein Türöffner) für ein U-11-Turnier zur Ost-Erweiterung der Europäischen Union. Dazu gelang es Prell und seinem Team, aus den beteiligten Staaten je eine Jugendmannschaft nach Oberfranken zu lotsen. Die Sache nahm ihren Lauf. Und sie wurde immer größer. Inzwischen organisiert die Fußball-Schule jedes Jahr Jugendturniere für mehr als 200 Teams. Der Höhepunkt ist die „Mini-Euro“ mit Teams aus der ganzen Welt.

Doch wie kommt man an die Großen des internationalen Fußballs ran? „Manches ist einfach Zufall, manches ist harte Arbeit“, erzählt Prell. Aus dem jahrelangen Netzwerken mit internationalen Topclubs sei ein Turnier-TÜV für Organisatoren geworden, die einen besonderen Wettbewerb auf die Beine stellen wollen. Das heißt auch, dass sich auf der anderen Seite Prells namhafte Partner absolut sicher sein können, keinem Aufschneider auf den Leim zu gehen.

Voll des Lobes ist Prell über das Orga-Team des „Allianz U-15-Cups gegen Rassismus“ in Oberursel. Bei einem großen Jugendturnier in Trier waren sich Väter von Orscheler Jugendfußballern mit der gerade geborenen Idee, so etwas Besonderes im Taunus auch auf die Beine stellen zu wollen, und Prell über den Weg gelaufen. „Ein Riesenkompliment an Stephan Haida und sein Team. Gleich so viele Topvereine bei der ersten Durchführung gewinnen zu können, ist ungewöhnlich und liegt vor allem an ihrer Organisation, die à la bonne heure ist.“ Wenn der Rahmen passe, erläutert Prell, ließen sich Topclubs für eine Teilnahme schneller begeistern. Dazu gehörten neben modernen Fußballplätzen und organisierten Unterkünften im Oberurseler Fall auch die Nähe zum Frankfurter Flughafen, die gute Mischung des Teilnehmerfeldes und der internationale Touch der Veranstaltung. Aber: „Nur mit den engagierten Leuten vor Ort und den richtigen Sponsoren lässt sich der Traum auch verwirklichen“, weiß Fachmann Gerald Prell.

Dass die Qualität und Zuverlässigkeit stimmten, sei ohnehin das A und O beim Netzwerken, erzählt der Mann aus Rehau. Und um eine Vertrauensbasis zu schaffen, benötige man manchmal viel Geduld und Durchhaltevermögen. Beim FC Porto beispielsweise habe es zweieinhalb Jahre gedauert, bis der Verein für das internationale Jugendturnier in Oberfranken gewonnen werden konnte. Am Ende sei auch die deutsche Botschaft in Lissabon als Vermittler involviert gewesen.

Weitere Beispiele: Von den Glasgow Rangers war der Jugenddirektor für zwei Tage zu Besuch, um sich selbst ein Bild vor Ort zu machen. Mit Manchester United war es nach vielen E-Mails und Telefonaten ein persönlicher Termin auf der Insel, der das Eis schmelzen ließ. ManU ist zwar in Oberursel nicht dabei, gehört aber auch zu den Topclubs, zu denen Prell gute Kontakte pflegt. Inzwischen ist seine Agentur sogar Partner der Premier League, um Teams aus Deutschland zu Jugendturnieren nach England zu lotsen.

Einige der Kontakte, von denen nun auch die Oberurseler Veranstalter profitierten, bestehen schon seit Jahren. Prell setzt mit seinen Partnern mehrere Mitarbeiter ein, die die jeweilige Landessprache der Topclubs beherrschen. Das Oberurseler Orga-Team mit Stephan Haida, Olaf Kallinich, Karsten Trompetter, Kai Kottwitz, Ralf Kissau und Tobias Müller freut sich nun darauf, den Fußballfans der Region am 11. und 12. August über das ohnehin schon hochkarätige Teilnehmerfeld hinaus noch weitere Clubs aus dem Ausland präsentieren zu können. Gute Kontakte bestehen zum Beispiel auch nach Japan und in die Vereinigten Staaten.

„Wirklich gerne“, teilt Tobias Müller aus dem Oberurseler Orga-Team mit, „hätten wir aber noch ein südeuropäisches Topteam dabei. Ehrlich gesagt: Wir träumen alle ein bisschen vom FC Barcelona.“ Sagte es und lächelt dabei versonnen.

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