Markus Morgenroth sprach vor Feldbergschülern über die Nutzung und Sicherheit von Daten.
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Markus Morgenroth sprach vor Feldbergschülern über die Nutzung und Sicherheit von Daten.

Vortrag über Datenschutz

„Da verliert man seine Freiheit“

  • vonAndrea Rosenbaum
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Ein Vortrag über Datennutzung und Datenschutz von einem IT-Fachmann regte zwei Klassen der Oberstufe der Feldbergschule zu einer lebhaften Diskussion an. Und erklärte, was eine politische Partei und der Datenschutz gemeinsam haben.

Meist geht die Jugend recht unbeschwert mit ihren Daten und deren Veröffentlichung, speziell im Internet, um. Der Vortrag des IT-Beraters und Buchautors Markus Morgenroth („Sie kennen Dich! Sie haben Dich! Sie steuern Dich! – Die wahre Macht der Datensammler“) über Datennutzung sowie Datenschutz für die Klassen 11 BG und 12 FS der Feldbergschule hat aber den ein oder anderen doch etwas genauer hinhören lassen.

Morgenroth, der nach seiner Ausbildung zum Fachinformatiker beim Internetdienstleister Smart Websolutions als geschäftsführender Gesellschafter und anschließend im Silicon Valley als Software-Engineer tätig war, sprach über die Arbeitsweisen von Datenhändlern und das daraus resultierende Ausmaß an Überwachung sowie Datenmissbrauch.

Es gebe keine unwichtigen Daten, betonte der IT-Spezialist und verglich den Datenschutz mit den Grünen. Die jungen Leute in der Aula schauten verdutzt. „Die Grünen wurden zu ihren Anfängen in den 80er Jahren eher als ein Haufen verrückter Hippies angesehen, und heute sind sie mit ihren Themen nicht mehr wegzudenken aus der Politik“, erklärte Morgenroth.

Datenschutz gehe jeden was an, genau wie Umweltschutz. „Die Daten, die ihr heute hinterlasst, sind in 20 Jahren noch da, und was uns heute utopisch erscheint, ist es in zehn Jahren vielleicht nicht mehr“, mahnte der Referent.

Anders als zu Zeiten der Volkszählung in den 80er Jahren gäben viele ihre Daten heute unbedacht und freiwillig raus. Er nannte ein Beispiel: „Ein Freund holt für seinen kranken Kumpel, der an Asthma leidet, immer wieder dessen Medikamente in der Apotheke ab, er zahlt mit Karte, hat vielleicht sogar eine Kundenkarte. Irgendwann bewirbt er sich für einen hohen Posten bei einer großen Firma, die erteilt ihm aber eine Absage – und zwar, weil sie aufgrund der Daten, die sie im Netz ausfindig machen konnte, annahm, er sei asthmakrank.“ „Krass“, meinten ein paar Jungs, andere nickten wissend.

„Oder jemand kauft sich Adressen von alleinstehenden, gut situierten, älteren Damen, die sich für Schmuck interessieren – und kurz darauf wird bei genau diesen Damen eingebrochen“, nannte der Referent ein weiteres Beispiel.

Caner (19) äußerte die Idee zu einer Art Firewall für Datenklau. Onur (20) befürchtete irgendwann die totale Überwachung: „Da verliert man seine Freiheit.“ Nina (17) wusste zumindest, wie man sich gegen Tracking schützen kann, nämlich, indem man in den Flugmodus beim Handy gehe. „Richtig“, bestätigte Morgenroth: „Im Flugmodus ist kein Tracking, das ist die Registrierung des Kaufverhaltens in Läden über Funkwellen – etwa, ob jemand meist bei den Alkoholika oder bei Haushaltsgeräten steht – möglich.“

Ob er sich auch in sozialen Netzwerken bewege, somit Daten öffentlich mache, fragten die Schüler den Gast. „Ja, ich bin auf Facebook, bei Xing und habe einen gmail-Account. Ich bin mir bewusst, dass Daten von mir gesammelt werden, und ich habe auch Bauchschmerzen dabei, aber ganz verhindern kann man es eben nicht, wenn man im heutigen Zeitalter lebt und nicht ausgeschlossen werden will.“ Das gehe eben auch den jungen Menschen so. Wenn sie sich ausklinken aus dem Netz, würden sie schnell zu Außenseitern, sagte er.

Mies sei, dass Firmen die Daten teils an andere Unternehmen verkaufen, sagte Morgenroth, und Caner stellte fest: „Für unsere Generation sind Handys, WhatsApp, das Internet und so weiter nicht wegzudenken. Wir sind damit aufgewachsen, aber Aufklärung über die Risiken im Umgang mit den Daten ist halt wichtig.“ Dann entließen die Lehrerinnen Jutta Discher und Birgit Weiss ihre Klassen in die Pause. Und die Schüler schalteten alle erst mal wieder ihre Handys an.

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