Pfarrei St. Ursula

Vision von Kirche

350 Interviews – mehr als zunächst gedacht – hat die Pfarrei St. Ursula bei ihrem Visionsprozess geführt. Inzwischen sind die Fragebögen ausgewertet und es haben sich fünf Kernthemen herausgebildet. Damit ist die Arbeit aber noch nicht beendet.

Von CHRISTINE ?ARAC

Stellen Sie sich etwa 4000 gelbe Post-it-Zettel vor. Sie stehen für prägnante Antworten aus mehr als 350 Interviews, die die Großpfarrei St. Ursula im Rahmen eines Visionsprozesses zwischen März und April geführt hat (TZ berichtete). Nun ist der Auswertungsprozess abgeschlossen, die gelben Zettel wurden aus dem Hedwigsheim entfernt und eine Dokumentation verfasst. Die Pfarrei St. Ursula, der acht Gemeinden aus Oberursel und Steinbach angehören, stellt am kommenden Samstag von 10 bis 17 Uhr die Ergebnisse der Befragung in der Stadthalle vor.

„Es haben sich bereits 211 Menschen zu dieser Veranstaltung angemeldet, berichtet Sabine Soeder, die den Visionsprozess gemeinsam mit Pfarrer Andreas Unfried, Pastoralreferentin Susanne Degen, Harald Schwalbe, Manfred Hahn und Marcelline Schmidt vom Hofe begleitet. „Mit ihnen möchten wir zu den fünf Kernthemen, die sich herauskristallisiert haben, Arbeitsgruppen bilden und weitere Anregungen und Ideen sammeln.“

„Bei diesem Visionsprozess geht es um die zentrale Frage, wie wir gemeinsam Kirche sein können“, erläutert Manfred Hahn, dessen Schwerpunktarbeit die Auswertung der Interviews war. Dabei sollen die Menschen vor allem sich selbst als Teil der Kirche begreifen und diese mitgestalten. Als Hauptthemen haben sich die Bereiche Alltag, Gemeinschaft, Leben und Glauben sowie Kirche vor Ort herausgebildet. So gaben viele Menschen beim Thema Gemeinschaft an, dass ihnen die Nachbarschaft in ihrer Stadt sehr wichtig ist und sich positiv von der Anonymität der Großstadt abhebt. Gegenseitige Hilfe und Nächstenliebe wurden ebenfalls von vielen Befragten thematisiert und mit einer großen Gewichtung bedacht.

Aber auch kritische Stimmen waren zu hören, zum Beispiel waren einige Menschen der Ansicht, dass sich die Kirche von innen selbst zerstöre. Auch die Gleichgültigkeit der Gesellschaft gegenüber christlichen Werten wurde mehrmals genannt. Dass viele Menschen auf Sinnsuche sind, zeigen einige Zitate aus den anonymen Fragebögen zum Thema Glauben. „Es muss etwas Höheres geben“, ist sich da ein Teilnehmer sicher. Ein anderer schreibt: „Wenn ich bete, merke ich, dass da ein Gegenüber ist.“

Sorgen und Ängste

Auf die Frage, welche Probleme und Sorgen den Befragten zu schaffen machten, haben sich die Sorge um die Pflege der Eltern und die Zukunftsperspektive der Kinder als die wichtigsten herausgestellt. Aber viele Interviewte gestanden bei dieser Frage auch ihre Ängste in Hinblick auf die Flüchtlings-Politik, die Angst vor Entfremdung und dem Islam. In Bezug auf die Kirche polarisierte der Fall von Bischof Tebartz van Elst sowie die Einstellung der Kirche zu Kondomverbot und Zölibat sowie die Stellung Geschiedener und Wiederverheirateter innerhalb der Kirche.

Die Arbeit an dem Visionsprozess ist mit der Auswertung noch lange nicht abgeschlossen. „Bei der Arbeit an diesen Kernthemen im Rahmen der Präsentation wollen wir aber keine Regieanweisungen schreiben, das ist uns ganz wichtig“, betont Harald Schwalbe. Welche Aspekte der Hauptthemen aufgegriffen werden, das sollen allein die Teilnehmer entscheiden. „Ich denke, es wäre schön, wenn die meisten Menschen von diesem Tag aber auch die Erkenntnis mitnehmen, dass sich in unserer Kirche etwas ändern wird“, ergänzt Marcelline Schmidt vom Hofe. „Das bedeutet vielleicht auch, von mancher Gewohnheit Abschied zu nehmen.“

Auch, wenn es fast eine Woche gedauert hat, bis die Auswertungsgruppe alle Interviews gelesen hatte und bis zum jetzigen Zeitpunkt schon etwa 900 Arbeitsstunden für das Projekt investiert wurden, habe sich der Aufbruch gelohnt“, betonen alle Beteiligten.

Wer am Visionstag teilnehmen will, kann sich nur noch heute im Pfarrbüro, Telefonnummer (0 61 71) 9 79 80 31, oder per E-Mail an degen@kath-oberursel.de dafür anmelden.

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