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Von Vizinalwegen und Chausseen rund um Oberursel

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Von: Olaf Velte

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Helmut Hujer hat die epochalen Veränderungen zur Verkehrserschließung von Oberursel erforscht. Seine Erkenntnisse speisen sich aus seiner Recherche zur Historie der örtlichen Motorenfabrik.
Helmut Hujer hat die epochalen Veränderungen zur Verkehrserschließung von Oberursel erforscht. Seine Erkenntnisse speisen sich aus seiner Recherche zur Historie der örtlichen Motorenfabrik. © ov

Lokalforscher Helmut Hujer hat die Entwicklung des Verkehrs rund um die Brunnenstadt nachgezeichnet

Oberursel -Wer heutzutage mit Auto oder Bahn in das Taunus-Städtchen Oberursel reist, bewegt sich auf Routen, die teils kaum älter als anderthalb Jahrhunderte sind. Über lange Zeiträume hinweg war das, was wir heute mit Verkehrsinfrastruktur bezeichnen, nur in primitivsten Ansätzen oder gar nicht vorhanden. Bis ins 19. Säkulum hinein gelangten Mensch und Tier ausschließlich durch Muskelkraft an ein auswärtiges Ziel, dessen Erreichung keinesfalls gewährleistet war. Jede längere Reise war ein Wagnis - bestenfalls aber eine große Anstrengung. "Auf Straße und Schiene nach Oberursel - Zur verkehrlichen Erschließung unserer Stadt" hat Lokalforscher Helmut Hujer seine entsprechenden Recherche-Ergebnisse überschrieben. Was mittlerweile Gegenstand von Aufsatz und Vortrag geworden ist, hat seinen Ursprung in dem vor fünf Jahren erschienenen Standardwerk "125 Jahre Motorenfabrik Oberursel. 1892 bis 2017". Der in Usingen wohnende Maschinenbau-Ingenieur - beruflich zeitlebens dem berühmten Werk an der Hohemarkstraße verbunden - hat dafür sieben Jahre geforscht, den voluminösen Band schließlich im Eigenverlag herausgebracht. "Das Verkehrsthema", sagt der 77-Jährige, "ist ein Folge- und Nebenprodukt meines Motorenfabrik-Buches".

Die Moderne der Wege- und Straßen-Entwicklung beginnt um 1820, als die alte Verbindung zwischen Höchst und Homburg zur 7,36 Meter breiten "Staatschaussee" ausgebaut und an den Ort Oberursel angebunden wird. In den Epochen zuvor führten wichtige Strecken zum Amtssitz Königstein, nach Homburg und zur Handelsstadt Frankfurt. So genannte Vizinalwege, die Täler meidend und oftmals unbefestigt, ließen die Oberurseler bis in die unmittelbare Nachbarschaft - nach Oberstedten, Stierstadt oder Oberhöchstadt - gelangen.

Pass-Überquerung auf Limes-Niveau

Bedeutend wird schließlich die Pass-Überquerung auf Limes-Niveau, von der die Gemeinden des vorderen und hinteren Taunus profitieren. Zwischen 1817 und 1823 entsteht die bis heute stark frequentierte Saalburg-Chaussee, den Weg ebnend nach Usingen, Weilburg und weiter in den Siegener Raum.

Es dauert weitere 50 Jahre - die Preußen haben mittlerweile die politische Regie in Deutschland übernommen und forcieren die Modernisierung - bis die, in steilen Kurven zur Sandplacken-Höhe führende Kanonenstraße in Angriff genommen wird. Sie soll die Anbindung an Weiltal, Wetterau und Lahntal gewährleisten. Was zunächst an der Hohemark endet, wird 1878 mit dem innerörtlichen Geviert von Oberursel verbunden.

Noch beherrschen Fuhrwerke, Handelskarren und Fußgänger die Szenerie, ist das motorisierte Vorwärtskommen ein bloßer Wunschtraum. 1927 - vor rund einem Jahrhundert - sind im Obertaunuskreis kaum mehr als 59 Kilometer "überregionaler Landstraßen" anzutreffen. "Auf diesen Strecken konnten sich immerhin zwei Fuhrwerke begegnen und aneinander vorbeirollen", so Helmut Hujer. 58 Prozent dieser Straßen gelten als "chaussiert" - sind also mit mehreren gewalzten Lagen Schotter und Kies befestigt. Mit Teerbeton in Form gehalten werden weitere 11 Prozent.

Automobil und Motorrad erscheinen verstärkt in den Zwanziger Jahren auf der Bildfläche und treten in der Folge einen Siegeszug ohnegleichen an. Innerhalb einer kurzen Zeitspanne ändern sich alle Verkehrsstrukturen mitsamt den kommunalen Lebensumständen. Autobahnen werden ab 1930 zur neuen Form des Reisens, alte Landverbindungen erfahren nicht selten eine Verwandlung und dürfen sich fortan "Kreis-, Landes- oder Bundesstraßen" nennen.

Historiker Hujer, der sowohl dem Geschichtskreis Motorenfabrik Oberursel als auch dem örtlichen Verein für Geschichte und Heimatkunde angehört, bringt schließlich das Jahr 1971 als ein bedeutsames Datum ins Spiel. "Die Autobahn 661 wird von dem Streckenabschnitt "Homburger Landstraße" zur "Lahnstraße" verlängert."

Ein infrastrukturell motiviertes Bauvorhaben, das der Stadt Oberursel die direkte Anbindung ans deutsche Autobahnnetz und somit den Weg ins nächste Jahrtausend sichert.

Die Hohemarkstraße - hier unterhalb der Motorenfabrik - wurde in den 1920er Jahren mit Schotter, Teer und Feinsplitt befestigt
Die Hohemarkstraße - hier unterhalb der Motorenfabrik - wurde in den 1920er Jahren mit Schotter, Teer und Feinsplitt befestigt © ov

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