Engagement

Warum eine Ärztin aus dem Taunus in den Philippinen arbeitet

Raus aus der Komfortzone im Taunus und rein in ein Elendsquartier im Südosten der Philippinen – das ist kein leichter Schritt. Die Oberurseler Notärztin Barbara Müllerleile tat ihn dennoch mit voller Überzeugung. Was sie dort erlebte, berichtet sie jetzt.

Der Blickwinkel auf das Leben ist eine Einstellungssache, die jeder für sich selbst justiert. Während so mancher in einer schwierigen Situation schon vor dem ersten Schritt innerlich kapituliert, läuft Barbara Müllerleile einfach beherzt los. „Ich kann die Welt vielleicht nicht retten“, sagt sie, „aber ich versuche dort zu helfen, wo ich kann.“

Als Notärztin mit vielen Jahrzehnten Berufserfahrung hat sie bereits vielen Menschen helfen können. Seit zwei Jahren versucht sie als Medizinerin, dabei auch immer wieder neue Wege zu gehen. Im vergangenen Jahr reiste sie erstmals für die Hilfsorganisation „German Doctors“ nach Indien. Im April kam sie von ihrem zweiten Einsatz auf den Philippinen zurück. Ihre dort gewonnenen Eindrücke möchte sie mit möglichst vielen Menschen teilen.

Auf der Insel Mindoro kümmerte sich Barbara Müllerleile um das indigene Naturvolk der Mangyanen. „Ich hatte schon vor meiner Abreise ein wenig über die Mangyanen gelesen. Trotzdem hat man keine Ahnung, was einen dort erwartet“, gesteht die 67-Jährige. Die erste Schwierigkeit war, erst einmal zu den Patienten vorzudringen. Die nämlich leben zurückgezogen auf einem Berg im Südosten der Insel. „Zwei Stunden lang fuhr uns ein erfahrener Philippino über Stock und Stein, Angst hatte ich aber keine“, erzählt die Oberurselerin.

Mit ihrem Team, darunter auch eine Krankenschwester, die übersetzen konnte, empfing Barbara Müllerleile die Patienten in einer offenen Bambushütte. „Während in Indien die Frauen in schlechter Verfassung waren, sind es bei den Mangyanen die Kinder“, stellt die Ärztin fest. Durch Vitaminmangel rot verfärbte Haare, Hauterkrankungen, Abszesse, Husten, Schnupfen und Fieber sind die häufigsten Symptome, mit denen die kleinen Patienten zu ihr kamen.

Am schlimmsten jedoch war das Untergewicht der Kinder. „Die Menschen dort haben einfach nichts zu essen“, so Müllerleile. Der Fall der fünfjährigen Katharina ging der engagierten Ärztin besonders nahe. Denn das Kind hatte nach einem Sturz keine adäquate medizinische Versorgung bekommen und litt starke Schmerzen. „Dieses Mädchen wird nie laufen können. Denn sie bräuchte eine Operation, die sich der Vater nicht leisten kann“, bedauert Müllerleile. Obwohl sie eigentlich hart im Nehmen ist, musste sie erst mal schlucken, als sie ihre Patienten zum ersten Mal sah.

„So dreckige Menschen habe ich noch nie zuvor behandelt und ich musste erst mal begreifen, dass sie kein Geld für Seife haben“, gesteht Barbara Müllereile. „Also bin ich los und habe Seife, Zahnpasta und Zahnbürsten gekauft. Die haben wir dann verteilt und den Leuten genau erklärt, was sie damit tun sollen.“ Gedanken an westlichen Komfort hat Barbara Müllerleile während ihres Einsatzes auf Mindoro gar nicht erst aufkommen lassen. „Ich wollte ja keine Extrawurst haben und habe alles so gemacht wie die Einheimischen auch“, erzählt sie.

Das heißt duschen unter der „Elefantendusche“, die nichts anderes ist als ein Bottich mit Wasser und einer Schöpfkelle, schlafen im Gemeinschaftszimmer und leben in direkter Nachbarschaft zu Ziegen, Katzen und Schweinen. Nur bei zwei Dingen erlaubte sich Barbara Müllerleile eine Abweichung. „Um fünf Uhr morgens wurde gefrühstückt, und das bedeutet für die Einheimischen, sie essen Reis, Fisch oder Fleisch und dazu Gemüse. Das geht bei mir nicht so früh und daher gab es Tee und zwei Toasts mit Marmelade“, berichtet sie.

Und die andere Sache? „Wer auf die Toilette müsse, so sagte man mir, ginge auf das Feld“, so die Ärztin. „Für ein wenig Privatsphäre spannt man einen Regenschirm als Sichtschutz auf. Aber meiner war knallrot“, erzählt sie und lacht. Da habe sie eine andere Lösung gesucht.

Die Oberurselerin Barbara Müllerleile berichtet am morgigen Samstag, 26. Mai, über ihre Erlebnisse bei den Mangyanen und zeigt Fotos. Beginn des Vortrags ist um 18 Uhr im Hieronymi-Saal des Rathauses. Ein weiterer Termin ist am 7. Juli von 18 Uhr an im „Artcafé Macondo“ in der Strackgasse. Dort ist eine Platzreservierung unter Telefon (0 61 71) 98 93 00 nötig. Die Teilnahme ist kostenfrei. Barbara Müllerleile würde sich jedoch über eine Spende für „German Doctors“ freuen.

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