Der "Wäschfraa-Brunnen" erinnert daran, dass auf der Bleiche früher Wäsche ausgebreitet wurde.
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Der "Wäschfraa-Brunnen" erinnert daran, dass auf der Bleiche früher Wäsche ausgebreitet wurde.

Oberurseler Wasserspiele

"Wasser marsch" für die Brunnenstadt

  • vonFlorian Neuroth
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Fürs Sommerhalbjahr wurden die zahlreichen Brunnen gereinigt und gewartet

Oberursel -Zum Wasser pflegen die Oberurseler seit jeher eine besondere Beziehung. Stolz rühmen sie sich der Bäche und Wasserläufe, die durchs Stadtgebiet fließen. Deren größter, der Urselbach, prägt das Leben in der Stadt seit Jahrhunderten. Lange war "der Bach" die Triebfeder der wirtschaftlichen Entwicklung; Mühlen sicherten Wohlstand und Arbeitsplätze.

Entlang des Baches blühten diverse Gewerbe wie das der Tuchmacher, der Öl- und Mahlmühlen. Wenngleich die mittlerweile größtenteils verschwunden sind, besteht die enge Bindung der Oberurseler mit dem Wasser weiterhin. Ihren Ausdruck findet sie in den zahlreichen Brunnen, die Orschels Plätze zieren. Ob am Marktplatz, wo der mit der Figur der Heiligen Ursula geschmückte St. Ursula-Brunnen in die Höhe ragt, an der Bleiche - der dortige "Wäschfraa"-Brunnen diente aufgrund seines besonders reinen Wassers noch bis in die 1950er Jahre zum Waschen und Trocknen der Kleidung - oder am Epinayplatz, wo die futuristisch anmutende Glaspyramide vom Wasser des 1999 eingeweihten Europa-Brunnens umspielt wird und Pariser Flair verströmt - die neu geschaffenen oder restaurierten Wasserspeier sind aus dem Stadtbild nicht wegzudenken.

Das gilt umso mehr, wenn sie ihrer eigentlichen Aufgabe nachkommen und munter vor sich hin sprudeln. Dies ist seit Ostern wieder der Fall. Nach der Winterpause heißt es traditionell: "Wasser marsch" in der Brunnenstadt.

Für gewöhnlich nehme man die Brunnen stets zu Ostern wieder in Betrieb, erklärt Nicole Saxon, Mitarbeiterin des für die 21 Brunnen zuständigen Bau und Service Oberursel (BSO). Voran gehe eine vierwöchige Vorlaufzeit, in der der BSO Sanitär- und Elektrofirmen beauftrage. "In normalen Zeiten laufen die Brunnen dann bis zur Zeitumstellung im Herbst und werden anschließend winterfest gemacht. Das Wasser wird abgelassen und die Brunnen werden, ebenso wie vor Inbetriebnahme im Frühjahr, gereinigt", sagt Saxon. Gleichsam erfolge eine routinemäßige Überprüfung und Reparatur der Brunnen. Grundsätzlich sollen alle Brunnen sprudeln. Das ist auch in diesem Jahr so. Nur der Alte-Leipziger-Brunnen am Homm-Kreisel lässt noch auf sich warten, da er nach einem Defekt an der Pumpe erst repariert werden muss.

Trockene Jahre

bringen mehr Verlust

Schließlich ist die Pumpe von entscheidender Bedeutung. "Jeder Brunnen hat zum Befüllen einen Wasseranschluss sowie einen Wasserzähler. Über die Pumpe wird das Wasser im Brunnenkreislauf umgewälzt, damit möglichst nichts verschwendet wird", erklärt Saxon. Ganz geschlossen sei der Wasserkreislauf allerdings nicht. So müsse immer dann Wasser nachgefüllt werden, wenn es durch Verdunstung aus dem Wasserkreislauf entwichen sei. Das Ausmaß der Verdunstung hänge auch vom Wind ab. "Je stärker der Wind, umso größer sind die Wellen und somit die Oberfläche des Wasserspiegels. Je größer die Oberfläche, umso größer ist die Verdunstung."

Daneben spielen auch die Beschaffenheit der Brunnen, also Architektur, Alter oder Zustand, und die Sauberkeit der Wasserspeier eine Rolle. So müssten die Brunnen etwa durch Algenbewuchs bei Hitze oder durch mutwillige Verschmutzung zusätzlich gereinigt und neu befüllt werden.

Angesichts der vermehrten Trockenjahre mit wenig Niederschlag und hohen Temperaturen komme all diesen Verlustquellen eine größere Bedeutung zu, berichtet Saxon. Daher werde der BSO in diesem Jahr erstmals die Verluste bilanzieren.

"An jedem Brunnen werden aktuell die Zählerstände erfasst und im Herbst 2021 neu ermittelt", kündigt sie an. Ist es im Sommer zu heiß, werden die Brunnen übrigens auch während der üblichen Laufzeit für einen gewissen Zeitraum außer Betrieb genommen. So waren in den vergangenen zwei Jahren nach dem Umspringen der Wasserampel der Stadt Oberursel alle Brunnen zeitweise abgeschaltet.

"Die Stadt appelliert an die Bürger, Wasser zu sparen, geht mit gutem Beispiel voran und schaltet die Brunnen ab", erläutert Saxon. Dies erfolge manuell an Ort und Stelle. "Daher bitten wir um Verständnis, dass zwischen der Umstellung der Ampel auf Rot und der Abschaltung etwas Zeit vergeht." Von Florian Neuroth

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