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Noch geht es hier an der Einfahrt zur Backstube an der Hohemarkstraße täglich noch rein und raus. Ende Februar werden die letzten Brote, Brötchen und Torten ausgeliefert, denn dann schließt der Betrieb.

Bonpflicht 

Wegen Bürokratie: Traditions-Bäckerei in Oberursel bei Frankfurt macht dicht

Nur wegen Bürokratie: Die Bäckerei "Franz Ruppel Bäckerei und Konditorei" in Oberursel bei Frankfurt muss komplett dicht machen.

  • Der Familienbetrieb "Franz Ruppel Bäckerei und Konditorei" schließt. 
  • Die Bäckerei in Oberursel muss dicht machen.
  • Der Chef beklagt die Bonpflicht und die Bürokratie.

Oberursel - Der Familienbetrieb "Franz Ruppel Bäckerei und Konditorei" wird zum 29. Februar komplett geschlossen. Eine Tatsache, die bereits zu Reaktionen in der Öffentlichkeit geführt hat und im Oberursel-Forum im Internet diskutiert wird. Auch die Frage nach dem "Warum" wird gestellt.

Unterdessen hat Geschäftsführer und Bäckermeister Andreas Ruppel gegenüber dieser Zeitung klargestellt, dass er es sich mit der Entscheidung, die bereits im November gefallen sei, nicht leichtgemacht habe. Ausschlaggebend waren schließlich betriebswirtschaftliche Überlegungen. Im Kern war es die Frage nach der Zukunft des mittelständischen Betriebs angesichts immer neuer Auflagen und der damit verbundenen hohe Investitionen in den kommenden Jahren. Die aber wären bei dem herrschenden Konkurrenzdruck so nicht machbar gewesen. Ruppel gibt ein Beispiel:

Bäckerei in Oberursel macht dicht: Bonpflicht verursacht extrem hohe Kosten

"Wegen der neuen Bonpflicht hätte ich bis 2022 ein komplett neues Kassensystem anschaffen müssen, obwohl wir gerade erst vor zwei Jahren für 15 000 Euro neue Kassen gekauft haben." Allein die neuen Papierrollen würden jährliche Mehrkosten von 5000 bis 6000 Euro verursachen.

Ein weiterer hoher Posten seien neue Backöfen für die Backstube gewesen. "Bis 2024 hätte ich die alten Öfen wegen des Immissionsschutzgesetzes erneuern müssen, nicht nach und nach, das wäre noch gegangen. Aber alle auf einmal ist nicht möglich." Die dafür nötige Summe möchte er nicht nennen. Es ist aber klar, dass man so etwas nicht aus der Portokasse zahlt.

Seit 1911 gibt es in der Brunnenstadt die Bäckerei und Konditorei Franz Ruppel. Bis Ende Dezember betrieb man neben der Backstube in der Hohemarkstraße fünf Filialen. Vier in Oberursel, von denen die in der Kurmainzer Straße, der Niddastraße und der Hohemarkstraße bereits geschlossen sind. Die Verkaufsstelle in der Vorstadt läuft noch, genauso wie die in der Bachstraße in Bad Homburg-Kirdorf. Beide werden bis Ende Februar zu den üblichen Öffnungszeiten geöffnet sein.

Bäckerei in Oberursel macht dicht: Mitarbeiter zum großen Teil versorgt

Bis zu 20 Angestellte und Aushilfen arbeiteten bis vor kurzem für Ruppel. Für viele von ihnen habe er neue Jobs gefunden, einige hätten sich selbst umgeschaut, andere wieder würden in Rente gehen. Dass in dieser Hinsicht alles ganz gut laufen würde, erleichtere ihn sehr, sagt der Bäckermeister: "Man hat ja Verantwortung." Mit den Vermietern der Räume für die Filialen habe er sich geeinigt. Für einige geben es bereits Interessenten.

Ein weiterer Grund, warum er sich zusammen mit seinem Bruder Franz-Josef, Mutter Gudrun, Ehefrau Bettina und auch den Kindern zur Betriebsschließung entschlossen hätte, sei die enorme Bürokratie gewesen, die er zu bewältigen habe, besonders seit sich sein Bruder aus gesundheitlichen Gründen aus dem aktiven Berufsleben als Geschäftsführer zurückgezogen habe. "Zu 60 Prozent sitze ich im Büro und das geht mir an die Nieren. Denn das ist nicht, was ich möchte. Ich will backen und neue Rezepte entwickeln."

Noch geht es hier an der Einfahrt zur Backstube an der Hohemarkstraße täglich noch rein und raus. Ende Februar werden die letzten Brote, Brötchen und Torten ausgeliefert, denn dann schließt der Betrieb.

Bäckerei in Oberursel schließt: Bürokratie ist extreme Belastung

Seit er mit 15 Jahren die Lehre begonnen hat, steht er täglich in der Backstube. 1993 hat er seinen Meister gemacht. Seitdem hätten sich die von Behörden und Genossenschaften in immer größerem Umfang geforderten Dokumentationen und Nachweise zu einer extremen Belastung ausgewachsen. "Eben ist halt mal Schluss. Da machen wir nicht mehr weiter mit." Den Betrieb an einen Konkurrenten zu verkaufen, sei für ihn nie infrage gekommen. "Hier eine andere Bäckerei zu haben, da würde mir das Herz bluten."

Jetzt gehe es darum die Betriebsschließung vorzubereiten. Der Verkauf des Inventars und der Firmenautos steht an. Das lenkt ein bisschen ab von dem Ende in wenigen Wochen. "Das alles berührt mich sehr. Das geht ans Eingemachte", gibt Ruppel zu. Umso mehr, als dass es Kommentare im Internet aber auch auf dem Anrufbeantworter gegeben habe, die voller Vorwürfe gewesen seien. "Es ist manchmal schon wie ein Spießrutenlaufen", sagen Andreas und Bettina Ruppel, sehen aber auch die gut gemeinten Kommentare, in denen vor allem bedauert wird, dass ein weiterer Traditionsbetrieb in Oberursel zumacht.

Discounter machen Bäckerei in Oberursel das Leben schwer

"Die Discounter mit ihren Backstationen machen uns das Leben schwer", so Ruppel. Dagegen könne ein mittelständischer Handwerksbetrieb nicht so ohne weiters ankommen. "Irgendwann kommt dann eben der Tag der Entscheidung", sagt er. Ihm sei es darauf angekommen, jetzt richtig zu reagieren, um nicht in Zukunft in schweres Fahrwasser zu geraten. Da gehe es auch um die eigene Würde. Wie es für ihn beruflich weitergeht, habe er noch nicht entschieden.

VON GABRIELE CALVO

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