Raiffeisenbank Oberursel

Wenn der Computer das Vermögen verwaltet

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Die Bankenkrise ist für die Raiffeisenbank Oberursel offenbar kein Thema. Kunden, die nicht mehr in die Filiale kommen wollen, offeriert sie seit Kurzem diverse Online-Angebote.

Direkt vor der Hauptfiliale der Raiffeisenbank (Raiba) in der Hauptstraße in Oberstedten ist ein Kundenparkplatz frei. Das liegt nicht daran, dass das Geldinstitut zu wenig Kunden hat. Das Gegenteil ist der Fall. Wie Vorstandschef Achim Brunner gestern bei der Bilanzpressekonferenz erläuterte, sind sämtliche relevanten Zahlen 2017 im Vergleich zum Vorjahr gestiegen: etwa die Bilanzsumme von 371 auf 420 Millionen, das Geschäftsguthaben der inzwischen rund 6500 Mitglieder (2016: 5732) von 8,6 auf 11,2 Millionen und das betreute Kundenkreditvolumen gar von 396 auf 453 Millionen Euro.

„Wir haben ein Rekordergebnis – das fünfte Mal in Folge“, freut sich Brunner. Es sei das beste Betriebsergebnis seit der Gründung vor 147 Jahren. Ein „außerordentlich erfolgreiches Jahr“ liege hinter der Raiba – dank einer boomenden deutschen Wirtschaft.

Weniger geworden sind unterdessen die Kunden, die noch den Weg in eine der fünf Filialen (Oberstedten, Steinbach, Wehrheim, Frankfurt-Kalbach sowie die 2013 eröffnete Niederlassung am Oberurseler Bahnhof) suchen. 55 Prozent der Kunden haben inzwischen ein reines Online-Konto. „Und die Hälfte der übrigen Kunden nutzen beides: stationäres sowie Online-Konto“, ergänzt Christian Zilch, Bereichsleiter Vertrieb.

„Die Leute wollen selbst entscheiden, wie sie ihr Geld anlegen“, weiß Brunner. Immer weniger kämen zu einer Beratung, gerade jüngere Kunden regelten ihre Finanzen nur übers Handy. Die zunehmende Digitalisierung übe Druck auf die Branche aus und natürlich auch auf die Raiba, „aber wir können da gut entgegenhalten“.

Die Überführung ins Digitale fand im Wesentlichen 2017 statt. Im vergangenen Jahr hat die Raiba neue Kontomodelle eingeführt, mit denen zuvor ermittelte Kundenwünsche umgesetzt wurden. So gibt es nun bei der Bank ein Online-Konto „ohne Gebühren und ohne Bedingungen“, so Brunner. Das werde sehr gut nachgefragt.

Seit September 2017 können die Kunden zudem mit einem digitalen Anlage-Assistenten ihr Vermögen verwalten lassen. Wurde man vorher von einem Mitarbeiter gefragt, ob man das Risiko liebt, so kann man nun selbstständig im Handy oder dem PC „chancenorientiert“ anklicken – der „Robo“ ermittelt das Anlageprofil per Online-Fragebogen. Auch Alter, Anlagevolumen, Sparziel, Vorkenntnisse und finanzielle Verhältnisse will er wissen. Aus den Daten ermittelt der Computer dann das Risikoprofil sowie die Anlagestrategie und schlägt ein Portfolio vor.

Ob alle Filialen erhalten bleiben, wenn noch weniger Menschen sie nutzen, will Brunner nicht voraussagen. Doch anders als andere Banken baue die Raiba kein Personal ab, habe sogar 2016 zwei neue Mitarbeiter eingestellt und wolle weitere aufbauen – Berater. „Wir brauchen qualifizierte Spezialisten im Kreditbereich“, konkretisiert Brunner. Und auch die Bankenregulierung binde Arbeitszeit.

Das Kreditgeschäft der Raiba ist von 311 (2016) auf 357 Millionen (2017) gestiegen. Vor allem für Immobilien werde das Geld gebraucht. „Der Wohnungsmarkt boomt weiter“, sagt Brunner.

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