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Gemeinsames Singen und ein Tüchertanz: Dafür sind die Bewohnerinnen der Seniorenresidenz und die Kinder aus dem Hort der Burgwiesenschule Feuer und Flamme.

Oberursel

So ist es, wenn Grundschüler eine Seniorenresidenz besuchen

„Musik verbindet“ heißt ein Projekt, das derzeit in der Aumühlenresidenz veranstaltet wird. Dabei besuchen acht Dritt- und Viertklässler aus der Burgwiesenschule Seniorinnen und musizieren gemeinsam mit ihnen.

In fließenden Bewegungen werden die bunten Tücher auf und ab bewegt. Ihre leuchtenden Farben strahlen mit den Tänzern, die sie führen, um die Wette. Der Wellengang wird von erfahrenen Augen, die von vielen kleinen Fältchen umgeben sind, verfolgt. Ebenso wie von funkelnden Kinderaugen, die neugierig jeder Bewegung nachgehen. Alle Anwesenden, ob jung oder alt, wirken konzentriert, sind aber gleichzeitig mit Freude bei der Sache. Sie tanzen und singen gemeinsam und haben Spaß dabei.

Sie, das sind acht Kinder im Alter zwischen neun und zehn Jahren sowie zehn Seniorinnen aus der Aumühlenresidenz. In regelmäßigen Abständen kommen sie an einem Nachmittag für jeweils eine Stunde zusammen, um gemeinsam zu musizieren. Sie nehmen am Pilotprojekt „Musik verbindet“ teil, das von Musikgeragogin Ligita Yurtseven initiiert wurde.

Musikgeragogik – das sei Musizieren mit älteren Leuten, erklärt Yurtseven. „Im Rahmen meiner Ausbildung ging es darum, ein solches Projekt zu realisieren. Es war ein Versuch, der sich bewährt hat“, meint sie. Und dass sie damit Recht hat, bestätigen die Teilnehmer des Angebots. Zum einen sind das die Bewohnerinnen der Residenz. „Das ist eine ganz tolle Veranstaltung, und ich finde es schön zu sehen, wie Jung und Alt zusammenfinden“, sagt eine Teilnehmerin. Es sei abwechslungsreich und nicht so langweilig wie Stricken oder Kreuzworträtsel lösen. Man sei in Gesellschaft, und die Kinder würden „Pfeffer in die Sache bringen“, führt sie weiter aus. „Das ist so schön, wenn die Kinder hier mitmachen. Das erinnert mich an früher, als wir in der Schule gesungen haben“, schwärmt auch Birte Martin, die bereits die 80 Jahre überschritten hat. Und Elfriede Lehwalde, die in diesem Monat ihren 90. Geburtstag feiert, meint: „Es ist sehr aufmunternd, wenn die Kleinen hier sind. Sie bringen Leben ins Haus.“

Insgesamt sind die Dritt- und Viertklässler aus der Kinderburg, dem Hort der Burgwiesenschule in Bommersheim, sechs Mal in der Seniorenresidenz. „Es macht so viel Spaß, wir würden auch nach den Ferien, wenn das Projekt zu Ende geht, noch weiter kommen wollen“, sagt Melissa, Praktikantin in der Kinderburg. Auch die Schüler bestätigen das. Die neunjährige Felia meint: „Man singt hier neue Lieder, und es ist einfach anders als mit anderen Kindern. „Am Anfang mussten wir uns an die älteren Frauen gewöhnen, aber mittlerweile läuft es super“, so die zehnjährige Klara. Ebenfalls zehn Jahre alt sind Carolina und Ella, denen es sogar mehr Spaß mit „den Alten, als mit den Jungen“ mache. „Besonders schön ist, dass wir den Senioren eine Freude machen.“ Und das sei wiederum gut für einen selbst. „Da fühlt man sich auch glücklich“, ergänzt Lumio (9), der einzige Junge und somit der Hahn im Korb. Was ihm immer wieder den ein oder anderen Scherz der Residenz-Bewohnerinnen einbringt.

Überhaupt wird viel gelacht, während der Musikstunde. Alle singen miteinander, wobei die Seniorinnen die Texte oft auswendig können. „Die älteren Damen, die an Demenz leiden, erinnern sich gerade an die Lieder von früher und kennen sie heute noch auswendig“, erläutert Yurtseven.

So schmettern sie sicher „Sah ein Knab ein Röslein stehn“, während die Kids noch vom Blatt ablesen müssen. Bei beiden Gruppen angesagt ist hingegen der Titel „Ein Schneider hatte eine Maus“. Dabei schlagen alle den Takt mit – ob auf einer richtigen Trommel, mit Klanghölzern oder einfach mit zwei Esslöffeln. Hauptsache es macht Freude. Am Ende reimen sie verschiedenen Vers-Strophen eines bekannten Volksliedes neu und tanzen sogar miteinander. Während der ältere Jahrgang sitzen bleiben darf, mischen sich die jungen Besucher dazwischen. Jeder packt das Ende eines bunten Tuches und lässt dieses hochfliegen und schwebend wieder herabsinken. Bis alle erschöpft aber glücklich sind vom gemeinsamen Nachmittag. Musik verbindet eben.

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