Bis zu 5700 Radler sollen künftig auf einem solchen Radschnellweg vom Vordertaunus nach Frankfurt unterwegs sein. Das birgt reichlich Konfliktpotenzial, befürchten die Oberurseler Landwirte.
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Bis zu 5700 Radler sollen künftig auf einem solchen Radschnellweg vom Vordertaunus nach Frankfurt unterwegs sein. Das birgt reichlich Konfliktpotenzial, befürchten die Oberurseler Landwirte.

In die Quere kommen

Wer hat Vorrang auf Oberurseler Radschnellweg?

Die Landwirte und Radler müssen sich Streckenabschnitte teilen. Das birgt erhebliche Risiken.

Insgesamt acht sogenannte Radschnellwege sollen es in naher Zukunft ermöglichen, aus allen Himmelsrichtungen schnell nach Frankfurt zu radeln. Einer davon, der sogenannte FRM 5, soll dabei vom Vordertaunus in die Mainmetropole führen und unterwegs noch kleinere Radverkehrsströme aufnehmen. Mit bis zu 5300 Nutzern täglich rechnet der Regionalverband Frankfurt, der federführend die Planungen vorantreibt, alleine auf dieser Trasse, die von Friedrichsdorf über Bad Homburg, Oberursel, Steinbach und Eschborn nach Frankfurt führt.

Politisch herrscht breiter Konsens, dass diese Schnellwege wünschenswert sind, denn die Zahl der radelnden Pendler nimmt beständig zu - und es müssen noch mehr Menschen vom Umstieg auf das Rad überzeugt werden, wenn die Verkehrswende gelingen soll.

Eine Berufsgruppe sieht diese Entwicklung aber mit Sorgen: Die Landwirte. "Um es klar zu sagen: Es geht nicht gegen die Radfahrer, aber so wie das derzeit geplant ist, geht das nicht. Das führt nur zu einem Haufen Probleme", sagt Oberursels Ortslandwirt Jörg Steden. Er räumt ein, dass das Verhältnis zwischen Landwirten und Radfahrern schon jetzt nicht konfliktfrei sei. Komme aber der Radschnellweg, würden sich die Probleme potenzieren.

Deswegen hat Steden mit den andern Oberurselern Ortslandwirten ein Schreiben verfasst und an Ersten Stadtrat Christof Fink (Grüne) geschickt. Zum einen wenden sie sich darin gegen die vorgesehene Breite der Wege. Diese soll mindestens fünf Meter betragen. "Hinzu kommen noch Gräben, um bei Regen das Wasser ablaufen zu lassen und um zu verhindern, dass Erde auf die Wege geschwemmt wird", gibt Steden zu bedenken. Das bedeute bei einem rund 13 Kilometer langen Verlauf des Radschnellwegs durch Oberursel erhebliche landwirtschaftlichen Flächenverluste. Hinzu käme, dass für die Asphaltierung und Versiegelung der Radwegeflächen Ausgleichsmaßnahmen vorgenommen werden müssen. Doch ihre Flächen dafür herzugeben und sie somit aus der landwirtschaftlichen Produktion herauszunehmen, seien die Landwirte nicht bereit.

Der Flächenverlust ist die eine Sache, die juristischen Fragen eine ganz andere. Denn Landwirte und Radler müssen sich, so wie es jetzt vorgesehen ist, sich die Strecke zumeist teilen. Wer aber hat denn dann Vorrang auf einem gemeinsam genutzten Radschnellweg/Wirtschaftsweg? Der Radfahrer, der Landwirt, vielleicht der Spaziergänger, der dort auch unterwegs sei? Das alles seien Fragen, die bislang nicht beantwortet sind. "Wie wird das rechtlich abgesichert und für jeden deutlich gemacht, der so einen Weg nutzt?", fragen die Landwirte in dem Schreiben.

Gefahr beim

Überholen

"Wir müssen die Wege nutzen, um auf unsere Äcker zu kommen", konkretisiert Steden die Bedenken. Auch mit schweren Maschinen, die deutlich langsamer seien als Räder oder E-Bikes. Radler könnten dann mit Entgegenkommenden bei Überholmanövern zusammenstoßen. Und die ohnehin gereizte Stimmung könnte durchaus aggressiv werden, wenn ein Radler auf einem Radschnellweg hinter einem überbreiten Mähdrescher hinterherzockeln muss. Und nicht zuletzt könne kein Landwirt garantieren, dass die Wege in Zeiten der Heu- oder Zuckerrübenernte nicht vorübergehend durch Stroh, Staub oder Matsch verschmutzt und entsprechend rutschig sind. "Wer dann bei Unfällen haftet, hat uns noch keiner erklärt", sagt Steden. Dies alles führe nur dazu, dass die ohnehin angespannte Situation au den Feldwegen - Beschimpfungen seien schon jetzt an der Tagesordnung - nur noch weiter eskaliere.

Thorsten Trapp, Landwirt aus Stierstadt, sieht das genauso. Die geplante Wegeführung sei alles andere als optimal, findet er. Da habe offenbar jemand ohne jegliche Ortskenntnis geplant. "Die Trasse führt derzeit mitten durch den Ort. Da kann man doch gar nicht schnell fahren, aber genau das ist doch der Sinn des Radschnellweges." Gleiches gelte auf den Wirtschaftswegen, die als Radschnellweg mitgenutzt werden sollen

Abstellen

von Hängern

Er schließt sich Stedens Kritik an in vollem Umfang an: Die Äcker sind hier oft nur 10 bis 15 Meter breit, wenn wir da noch zwei oder drei Meter abgeben müssen, werde eine Bewirtschaftung endgültig unrentabel, sagt er. Auch sei es manchmal unumgänglich, einen Hänger zum Be- oder Entladen auf dem Feldweg abzustellen. "Darf ich das dann noch?", fragt er. Denn dass es dann zu gefährlichen Situationen kommen könne, ist für ihn unvermeidlich.

Für Trapp steht daher fest, dass gemeinsam genutzte Wirtschafts- und Radwege einfach nicht zusammenpassen. Die sauberste Lösung sei seiner Meinung nach einen Radweg entlang der Autobahn nach Frankfurt zu führen. Da gebe es den geringsten Flächenverbrauch, und die Radfahrer könnten den Weg alleine nutzen. "Dann wäre Klarheit", findet Trapp. So aber sehe er jede Menge Spannungen und juristische Probleme auf die Landwirte zukommen.

Bürgermeister Hans-Georg Brum (SPD) weiß um das Spannungsfeld. Man bemühe sich um eine Lösung, die alle Beteiligten zufriedenstelle, sagt er. An der Optimierung der Trasse werde gearbeitet. Gerade im Nadelöhr Stierstadt gebe es noch Handlungsbedarf. Dabei sei auch die Expertise der Landwirte gefragt, um Gefahrenpunkte zu minimieren. Er betont aber auch, dass Rechtssicherheit geschaffen werden müsse, um ein gedeihliches Miteinander von Landwirten und Radfahrern zu ermöglichen. Dass ei unumgänglich.

Alexander Wächtershäuser

Hier bei Stierstadt könnte der Radschnellweg vorbeiführen. Doch was passiert, wenn hier ein Landwirt mit schweren Maschinen unterwegs ist?

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